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GeschichteBrockhaus 1882

Chäteaubriand (Francois René Auguste, Vicomte de), hervorragender franz. Schriststeller und Staatsmann, geb. 14. Sept. 1768 zu St.⸗Malo, empfing seine Schulbildung auf dem Colleége * Rennes, trat 1786 als Unterlieutenant in den Militärdienst und wurde 1787 Kapitän. Leidenschaftlicher Bewunderer des amerik. Freistaates, bereiste er mit der Absicht, in die Polargegend vorzudringen, 1790 Nordamerika, kehrte aber, als er bei den Perhafen aus einer engl. Zeitung die Flucht und erhaftung Ludwigs XVI. erfahren, nach Frankreich zurück, vermählte sich in St.⸗Malo, ging nach Paris und focht dann unter der Fahne der Emigration. Bei der Belagerung von Thionville (Sept. 1792) verwundet und schwer erkrankt, begab er sich zunächst nach Jersey, dann nach England, wo er, von Hilfsmitteln entblößt, übersetzungen für Buchdeuecn fertigte, franz. Sprachunterricht gab und eine erste polit. Schrift: Essai sur les révolutions anciennes et moderneso (2 Bde., Lond. 1797), veröffentlichte, eine Kritik der Französischen Revolution und ihrer despotischen Tendenz von dem Standpunkte der Freigeisterei. Der Staatsstreich vom 18. Brumaire gestattete C. die H nach Frankreich. Er wurde Mitarbeiter und Miteigentümer des Journals Le Mercure de Francev, in welchem —— Atala (1801) erschien und seinen Weltruf auf er Stelle begründete. Der Roman Ktalap schildert die Schicksale einer jungen Indianerin; in dem folgenden, RRenéy (1802), der franz. Wertherv genannt, schildert sich der Dichter selbst, wie er, der Heimat den Rücken kehrend, in den Urwäldern Amerikas Ruhe und Frieden sucht. Im Zusammenhange mit diesen beiden Dichtungen erschienen später noch Les Natchezv, worin das Ende der Natchez, der Ureinwohner Louisianas, geschildert wird. Hierauf folgte im nächsten Jahre die Schrift Génie du christianismeo (deutsch von Schneller; 2. Aufl., 2 Bde., Freiburg i. Br. 1856—57). Dies klassische Werk der erwachenden Romantik traf mit der Politik Bonapartes zusammen, der eben als Erster Konsul das Konkordat mit dem Papste abschloß und das wiederhergestellte kath. Priestertum als eine von den Grundlagen seiner aftster nötig hatte. C. ward daher zum Gesandtschaftssekretär in Rom und bald darauf zum franz. Geschäftsträger bei der Republik Wallis ernannt. Nach der Hinrichtung des Herzogs von Enghien (März 1804) nahm C. jedoch seine Entlassung, lehnte beharrlich alle neuen Anerbietungen des Kaisers ab und machte 1806 eine Reise nach Jerusalem rund um das Mittelmeer. Die litterarische Frucht dieser Pilgerfahrt waren „Le dernier des Abencerrages (1807), „Les Martyrsy (1809), eine religiöse Dichtung und Nachahmung Miltons, sowie das «Itinéraire de Paris à Jérusalemo (1811). Er hielt sich nun beiseite bis 1814, wo seine Flugschrift De Bonaparte et des Bourbons v am Tage des Einzugs der verbündeten Heere in Paris erschien, außerordentliches Aufsehen erregte und C. sofort die Ernennung zum Gesandten in Stockholm eintrug. Bevor er auf seinen Posten abgehen konnte, erfolgte Napoleons Rückkehr von Elba, und C. begleitete Ludwig XVIII. nach Gent, von wo er nach der Schlacht von Waterloo mit dem geflüchteten Hofe zurückkehrte. ö Als Staatsminister ohne Portefeuille und Pair von Frankreich wurde C. jetzt feuriger Partisan der äußersten Rechten, soweit es die Rache gegen die Anhänger der Republik und des Kaiserreichs galt, verband aber mit seinem Royalismus konstitutionelle Ideen, die ihn allmählich von seiner Partei entfernten. Seine Reden in der Pairskammer, die Schrift De la monarchie selon la charte (Par. 1818) hatten einen Anflug von Liberalismus, der ihm des Königs Ungnade und seine Streichung aus dem Verzeichnis der Staatsminister Oopo C. stellte sich nunmehr auf die Seite der pposition, kam aber bei Hofe bald wieder in Aufnahme und wurde 1822 zum Gesandten in Berlin, darauf in London, sodann zum Bevollmächtigten bei dem Kongreß in Verona und, nach seiner Rückkehr, zum Minister der auswärtigen Angelegenheiten ernannt. Im J. 1824 verabschiedet, weil er die von seinem Kollegen Villele beantragte Rentenherabsetzung in der Pairskammer nicht unterstützte, wandte er sich nun wieder auf Seite der Opposition und wurde einer der eifrigsten Mitarbeiter am Journal des Débatsb. Unter Martignacs Ministerium versöhnte er sich von neuem mit der Regierung und ging als franz. Botschafter nach Rom, legte aber seine Stelle nieder, als Polignac ans Ruder kam. Nach den Julitagen sprach C. in der Pairskammer für die «cangestammten Thronrechtey des Herzogs von Bordeaux und verweigerte Ludwi Philipp den Huldigungseid. Seine Reisen na Prag, seine «Pilgerfahrten an den Hof der Verbannungy 1833 und 1834 waren die letzten hervorragenden Ereignisse seines polit. Lebens. Er N0 4. Juli 1848. Seine Leiche wurde nach St.⸗Malo gebracht und auf der dicht dabei liegenden kleinen Felseninsel Grand-Bey in der Gruft beigesetzt, die er sich lange vorher hatte ½½ lassen. Am 5. Sept. 1875 wurde daselbst ein Denkmal (von Millet) errichtet. Gleich nach seinem Tode erschienen seine Denkwürdigkeiten, zuerst als Feuilletons in der Pressev, dann gesammelt unter dem Titel „Mémoires d'outre-tombes (12 Bde., Par. 1849 —50). Von den zahlreichen Ausgaben seiner sämtlichen Werke ist besonders die von Sainte⸗-Beuve (12 Bde., Par. 1859—60) hervorzuheben. Deutsch erschienen dieselben in verschiedenen Übersetzungen. Vgl. Villemain, «C., sa vie, ses écrits, son influence littéraire et politiquer (2 Bde., Par. 1858); Sainte-Beuve, C., et son groupe littéraire sous IEmpiren (3 Bde., Par. 1866; 2. Aufl. 1873); mißt, sind unter K aufzusuchen. Carné, Etude sur la vie et les ouvrages de C.o (Par. 1874).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 206Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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