FeedThomson (Thomas)
NaturlehreBrockhaus 1882

Thomson (Thomas), berühmter Chemiker, geb. 12. April 1773 zu Crieff in Schottland, studierte in Glasgow und in Edinburgh unter Black und war dann seit 1796 bei der Herausgabe des Supplements zur Encyelopaedia Britannica thätig, für welches er eine Reihe von gediegenen Artikeln über Physik, Chemie, Mineralogie und Metallurgie bearbeitete. Auch beschäftigte er sich viel mit praktischen Versuchen, trug zur Verbesserung des Lötrohrs bei und entdeckte mehrere einfache und zusammengesetzte Mineralien, wie Allanit, Lodalit u. s. w. Einen ausgebreiteten Ruf erwarb er sich durch sein System of chemistryr (4 Bde., Edinb. 1802; 7. Aufl., 2 Bde., 1831) und Outline of the sciences of heat and electricitys (neue Aufl. 1840; deutsch von Wolff, 5Bde., Berl. 1805—11), worauf „Elements of chemistryv (Edinb. 1810), Attempt to establish the first principles of chemistry by experimenty (2 Bde., Lond. 1825) und die Chemistry of organic bodiesd (2 Bde., Lond. 1838) folgten. Im J. 1813 zog T. nach London, wo er die Annals of philosophys herausgab, welche mit dem «Philosophical magazines vereinigt wurden, und ging 1817 als Professor der Chemie nach in Glasgow. In diesem Wirkungskreise verharrte er ät bis kurz vor seinem 2. Juli 1852 zu Kilmure in Argyleshire erfolgten Tode. Von seinen Schriften ind noch zu nennen: „Ilistory of the Royal societyo (Lond. 1812), History of chemistrys (2 Bde., Lond. 1830—31) und «Outlines of mineralogy and geologys (2 Bde., Edinb. 1836). Sein Sohn veröffentlichte Ts Reise im westl. Himalaja und Tibet (Lond. 1852). 1824 in Belfast, studierte zu Cambridge und würde schon 1846 zum Professor der Physik an der Universität Glasgow ernannt. In demselben Jahre übernahm er die Redaktion des „Cambridge and Dublin mathematical Journale, worin er unter anderm seine berühmte Abhandlung On the distribution of electricity on special conductorso (1848) veröffentlichte. Elektricität und Wärme bildeten seitdem die Hauptgegenstände seiner Untersuchungen. Die Resultate derselben brachte er besonders in dem Philosophical Magaziner und in den Schriften der Königlichen Gesellschaften von London und Edinburgh zu öffentlicher Kenntnis. Sie umfaßten auf dem Gebiete der Wärme vor allem die wichtige Entdeckung der Verwandlung von Wasser auf dem Gefrierpunkt in Eis, ohne Aufwand von Kraft, die spezisische Wärme der Körper, das Verhältnis zwischen dem Kraftaufwand und dem Wärmegrade beim Zusammenpressen eines Gases, die allgemeine Tendenz der Natur zur Zerstreuung mechan. Kraft und die Wärmeeffekte in Bewegung befindlicher Flüssigkeiten. Auf dem Gebiete der Elektricität verdienen Erwähnung T.s Vorlesung «On the electrodynamic properties of métalso (1855), ferner die Erfindung seiner tragbaren Elektrometer, die mit der größten Genauigkeit den elektrischen Zustand der Atmosphäre anzeigen, und seines Spiegelgalvanometers, der in der Geschichteder unterseeischen Telegraphie Epoche machte. T. erwarb sich hervorragende Verdienste um die erfolgreiche Legung und Benußung des ersten atlantischen Kabels (1866), wofür er in den Ritterstand erhoben wurde. Außer den erwähnten Schriften erschien von ihm: Mathematical theory of elasticityo, Rigidity of the eartho, „Reprints of papers on electrostatics and magnetismoy (1872), „Navigation; a lectures (1876), das gemeinschaftlich mit P. G. Tait herausgegebene größere Werk «Elements of natural philosophyv (1866; deutsch von Helmholtz und Wertheim, Bd. 1 u. 2, Braunschw. 1871—74) und eine Sammlung seiner verstreuten «Mathematical and physical babersv (1882). — James T., ein älterer Bruder Sir William T.s und Professor der Civilingenieurkunst in Glasgow, hat sich besonders durch die Entdeckung, daß der Gefrierpunkt des Wassers durch Druck sinkt, und durch seine hierauf gegründete Gletschertheorie einen Namen gemacht. hon, ein in jeder Ackererde in größerer oder geringerer Menge enthaltener Bestandteil, ist von großem Einfluß auf deren physik. und chem. Beschaffenheit, d. h. Fruchtbarkeit, weil das Verhalten des T. gegen Wasser und Wärme und dessen Absorptionsvermögen für * ein scharf ausgeprägtes ist. Die mikroskopischek einen, runden oder länglichen Thonteilchen, welche beim Schlämmen des Bodens zugleich mit dem feinsten Sande abgeschieden werden, vermögen große Mengen von Wasser und die darin gelösten oder suspendierten Stoffe aufzusaugen, halten dasselbe lange fest und sind deshalb naß und kalt. Der Thon ist fr allen leichtern Boden wegen seiner Eigenschaften günstig, wogegen sein Vorwiegen kin den Thonbodenarten bis 50 Proz. Thon) nachteilig wirkt. Vgl. Senft, Lehrbuch der Gesteins-und Bodenkundey (2. Aufl., Berl. 1877); Dafert, Kleines Lehrbuch der Bodenkunder (Bonn 1885). Thonberg, Vorort dicht südöstlich bei Leipzig, mit diesem durch Pferdebahn verbunden, hat eine Privatirrenanstalt, Gärtnerei und Cigarrenfabrik und zählt (1880) 3394 prot. E. In der Gemarkung liegt der Südliche Friedhof der Stadt Leipzig. Der sog. Napoleonsstein bezeichnet den Ort, wo Napoleon I. die Schlacht vom 18. Okt. 1813 leitete. Thone. Unter den Gesteinen der Erdrinde wiegen diejenigen vor, welche aus verschiedenen Mineralien zusammengesetzt sind, und unter diesen mineralog. Gemengteilen der Gebirgsarten herrschen wiederum diejenigen vor, welche wie die feldspatigen Gesteine (Feldspat, Glimmer, Hornblende, Augit u. s. w.) wesentlich aus kieselsaurer Thonerde bestehen. Aus diesen Gesteinen entstehen durch Verwitterung und Schlämmung die T., welche man nach ihren Lagerstätten einteilen kann in T. auf ursprünglicher Lagerstätte (der dort noch liegt, wo er durch die Verwitterung sich bildete) und solchen auf sekundärer Lagerstätte, wohin er durch natürliche Schlämmprozesse geführt wurde. Der primäre T. ist reiner als der sekundäre; er besteht im wesentlichen aus einem Gemenge von kieselsaurer Thonerde mit wechselnden Mengen von Quarzsand, kohlensaurem Kalk und Eisenoxyd. Die T. haben die verschiedenste Färbung von reinstem Weiß an zum Gelb, Grau, Rot, Braun und Schwarz. Trockener T. klebt an der Zunge, mit Wasser übergossen saugt er dasselbe ein und bildet mit dem Wasser eine Masse, die sich durch die technisch wichtigste Eigenschaft der T., durch Bildsamkeit oder Plastizität, auszeichnet. Im praktischen Leben bezeichnet man den Grad der Bildsamkeit der T. mit efette und amagerv. Beim Trocknen verliert sich die Plastizität und die Masse wird starr, ferner findet dabei eine Verminderung des Umfangs derselben statt. Das Starrwerden nennt man das Bindevermögen, die Abnahme des Umfangs die Schwindung. Durch das Brennen findet eine Entwässerung des T. statt und ein Wachsen des Zusammenhangs der kleinsten Teilchen, wodurch der gebrannte T. steinartiger wird und an Porosität verliert; bei hoher Temperatur wird der T. steinähnlich und bei gewissen T. kann endlich Schmelzung erfolgen. In der Anwendung der T. zur Herstellung der Thonwaren (s. d.) unterscheidet man die T. als magere und fette, als feuerfeste und nicht feuerfeste, als Kaoline (die auf ursprünglicher Lagerstätte sich findenden T.), plastischen T. oder Pf eifenthon, gewöhnlich ausgezeichnet durch Feuerbeständigkeit und Plastizität, zu Thonpfeifen, Steinzeug, Fayence und feuerfesten Thonwaren dienend; Töpferthon, zwar ausgezeichnet bildsam, aber nicht mehr feuerbeständig; Lehm, ein T. jüngster Bildung der Schwemmlande mit starker Beimengung von kohlensaurem Kalk und Eisenoryd, Sand und vegetabilischen Resten; an diesen schließen sich die Mergel⸗ und Bolusarten an. Die T., besonders die reinen, dienen nicht nur als Material zur abrikation der Thonwaren, sondern auch zur abrikation der Ultramarine, zum Versetzen der Papiermasse (unter dem Namen Lenzin), zur Bereitung der schwefelsauren Thonerde und der Alaune u. s. w. Vgl. außer den Lehr⸗ und Handbüchern der chem. Technologie von Fr. Knapp, von R. von Wagner und Kerl die Handbücher über Keramik von Brongniart, Salveétat und Kerl, sowie Brauns, Die technische Geologien (Halle 1878); Senft, «Die Thonsubstanzen » (Berl. 1879).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 648Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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