Thurmayr (Johannes), auch Tur mair, bayr. Geschichtschreiber, war 4. Juli 1477 zu Abensberg geboren, weshalb er sich gewöhnlich Aventinus nannte. Er studierte zu Ingolstadt, dann in Paris, hielt sich hierauf einige Zeit in Wien auf, ging später nach Polen und wurde, nachdem er von dort nach Ingolstadt zurückgekehrt, 1508 Lehrer der jüngern Brüder des Herzogs Wilhelm IV. von Bayern. Den Prinzen Ernst von Bayern begleitete er 1515 nach Italien, wurde 1517 bayr. Historiograph, und sammelte mit großem Eifer Geschichtsquellen, von welchen sich sehr wichtige nur in seinen Abschriften erhalten haben. Obgleich humanistisch gebildet, hat er doch die Vorzeit phantastisch ausgemalt und verfährt überhaupt sehr willkürlich, dringt aber in den wirklichen Zusammenhang der Dinge ein. Seine lebhaft patriotischen und reformatorischen Tendenzen bringt er indirekt in Reden und Reflexionen aus frühern Zeitaltern zum Ausdruck. Nach manchen harten Schickjalen, indem man ihn namentlich auch in den Verdacht der Ketzerei gebracht hatte, starb er zu Regensburg 9. Jan. 1534. Seine Hauptwerke sind die Kannales Bojorumo und das Chronicon Bavariaes (Rürnb. 1522). Durch die „Rudimenta grammaticae latinaes (1512) machte er sich auch um die Philologie in Deutschland verdient. Von der durch die münchener Akademie der Wissenschaften veranlaßten Gesamtausgabe seiner Werke sind 3 Bände erschienen (Bd. 2, 3 enthalten die KAnuales Bojorumo). Vgl. die Biographien von Wiedemann (Freising 1858) und Dittmar (Nördl. 1862); ferner Döllinger, «Aventin und seine Zeito (Münch. 1877); W. Meyer „Philolog. Bemerkungen zu Aventins Annalen⸗ (Münch. 1886).