FeedTokät
ErdkundeBrockhaus 1882

Tokät, Stadt im türk. Vilajet und Sandschak Siwas, 89 km im NW. von Siwas in Kleinasien, nahe südlich vom Tosanly-Su oder obern Jeschil⸗-Irmak (Iris) und von diesem nur durch emüse⸗, Obst⸗ und Weingärten getrennt, 519 m über dem Meere, zieht sich in einer von Süden gegen Norden gerichteten, vom Bach Chaderlik durchflossenen Einbucht zwischen hohen Felswänden des Tschamlybet Dagh hin, als ein weitläufiges Gewirr enger Gassen und schmutzig aussehender Häuser. Im nördl. Teile liegt der Meidan oder freie Platz, westlich von diesem der Große Seldschukenpalast mit prachtvoller Portalfagade und über diesem der steil aufsteigende, imponierende Kastellberg, eine zackige Ren ga krystallinischen Marmors mit einem alten Kastell. Am südl. Fuß des Kastellbergs, wo die Stadt am breitesten und belebtesten, liegen der Bazar, der Lumpenmarkt, die Große Moschee, die Privatkupferschmelze. Der südlichste Stadtteil ist das Armenierviertel mit einigen leidlichen Häusern und der amerik. Mission. Südlich außerhalb der Stadt liegt Miri-Chan oder die große offizielle Kupferschmelze, welche, früher unter der Leitung eines österr. Bergmanns musterhaft betrieben, jetzt herabgekommen ist. T. zählt 10460 E. früher soll es eine Bevölkerung von 60000, ja 100009 gehabt haben. Die Stadt ist durch ihren Handelsgeist wie als ein Hauptsitz türk. Industrie in diesem Teile des Reichs seit alter Zeit bekannt. Ihre früher blühenden Manufakturen in Teppichen, Seiden⸗, Woll⸗ und Baumwollstoffen, Safsian und Knöpfen ist teils ganz eingegangen, teils sehr gesunken. Außer den Kupferhütten und Kupferschmieden bestehen an industriellen Etablissements nur eine Kattundruckerei und Färberei. Der Durchgangshandel T.s ist in neuerer Zeit herabgekommen. Im 5. Jahrh. kommt die Stadt unter dem Namen Cudoxia vor und war in byzant. Zeit Bischofssitz. T., Taukät, wurde 1082 Residenz des Seldschukenfürsten Rükn-e'⸗din-Suleiman und scheint seitdem sehr lange der Sitz einer Seitenlinie der Sultane von König gewesen zu sein. Aus dieser Periode stammen einige Moscheen und Grabmonumente mit arab. Inschriften, sowie die Hauptzierde der Stadt, der große Komplex von Prachtgebäuden am Meidän, deren Fasgaden wahre Meisterstücke der Architektur sind. Die lange Steinbrücke über den Iris ist 1258 erbaut. Im 13. Jahrh. kam T. unter die Herrschaft der Ilkhäne von Iräk, im 14. Jahrh. unter die des Burhäneddin. Etwa 3,7 Km östlich vom Fluß liegt, unter mächtigen Felsen erbaut, das Dorf Gümenek, und OHokm von diesem das weite Trümmerfeld von Comana Pontica, einer altassyr. Tempelstadt und Hauptwallfahrtsorts, berühmt durch den Kultus der bewaffneten Göttin Ma (Artemis Taurica, Anaitis, Enyo oder Bellona der Klassiker) und Mittelpunkt eines durch großen Landbesitz und eine Gefolgschaft von sechstausend, großenteils weiblichen Tempelsklaven (Hierodulen) mächtigen Priesterfürstentums.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 734Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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