Trakehnen, königl. Hauptgestüt im ostpreuß. Regierungsbezirk Gumbinnen, Kreis Stallupönen, 15 km östlich der erstern, 11 km südwestlich der letztern Stadt, südlich der Preußischen Ostbahn, 5 km vom Bahnhof T. derselben entfernt, zählt mit den übrigen 11 Gestütsvorwerken (1885) 1837 E. Auf diesen Vorwerken befindet sich das Hauptgestüt Trakehnen, das bedeutendste im Königreich Preußen, mit einer Gesamtoberfläche von 4150,80 ha. Das Hauptgestüt T. besteht aus 12 Vorwerken, von denen 4(Guddin, Jodszlanken, Jonasthal und Mattischkehmen) im Kreise Gumbinnen und 8 (Bajohrgallen, Birkenwalde, Burgsdorfshof, Danzkehmen, Gurdszen, Kalpakin, Tankenischken und T.) im Kreise Stallupönen liegen. Dasselbe steht unter einem Dirigenten (seit 1864 Landstallmeister von Dassel, Oberst a. D.), und zählt an weiterm Personal: 1 Oberroßarzt, 1 Wirtschaftsdirigenten, 1 Arzt, 1 Rendanten, 1 Gestütssekretär, 12 Vorwerksvorsteher (darunter 1 Gestütinspektor Veterinär], 2 Gestüthofaufseher, 1 Oberstutmeister, 6 Stutmeister, 1 Futtermeister und 1 Kämmerer), 2 Futtermeister, 1 Schleusenmeister und 56 Wärter. Das Zuchtmaterial besteht etatsmäßig aus 15 Hauptbeschälern und 350 Mutterstuten, die Beschäler sind in der Mehrzahl Halbblut, die Mutterstuten fast ausschließlich Halbblut, von letztern kamen 1885 80 auf den leichten Reitschlag, 60 auf den starken Reit- und leichten Wagenschlag und 210 auf den starken Wagenschlag. Die Nachzucht betrug Aug. 1885 747 Stück überwiegend Halbblut. Abgesehen von der Erzielung der für den eigenen Bedarf nötigen Zuchttiere und der Beschäler für die Landgestüte hat das Hauptgestüt T. alljährlich bis 40 Remonten an das Königliche Obermarstallamt zu liefern. Der über diesen Bedarf hinaus erzielte Rest wird alljährlich öffentlich verkauft. Landbeschäler hat T. von 1848 bis 1886 jährlich 20—70, im Durchschnitt 42 Stückabgegeben. Schon der Deutsche Orden hatte Stutereien in Ostpreußen angelegt. Späterhin war die Pferdezucht durch Pest und Kriege sehr heruntergekommen, bis 1732 unter König Friedrich Wilhelm J. durch die Verlegung der Gestüte nach T. die Pferdezucht einen neuen Aufschwung erhielt und damit der Grund zur heutigen Blüte derselben gelegt wurde. Über den gegenwärtigen Trakehner Schlag s. unter Pferd, Bd. XII, S.889v. (Vgl. die dazugehörige Tafel: Pferderassen, Fig. 5.) Die Grundsätze bezüglich des Blutes 7 in diesem Jahrhundert vielfach gewechselt, bald wurde mehr orientalisches, bald mehr englisches zugeführt, doch ist letzteres in der Hauptsache maßgebend geblieben. Eine 1843 eingerichtete Trainieranstalt und der Betrieb der Zucht eines Rennstalles wurden 1866 wieder aufgegeben, da die in T. gezeugten Rennpferde der klimatischen Verhältnisse wegen in ihrer Ausbildung gegen die westl. Provinzen stets um zwei Monate zurückstanden und daher nicht die nötigen Erfolge auf der Rennbahn zu erzielen vermochten. Früher befand sich in T. auch ein Marstall des Litauischen Landgestüts, welcher jetzt nach Rastenburg verlegt ist. Südlich grenzt an das Hauptgestüt das Dorf T. Vgl. J. von Schwartz und Krocker, «Deutsches Gestütbuch⸗