FeedGraditz
ErdkundeBrockhaus 1882

Graditz, königl. preuß. Hauptgestüt, besonders bekannt durch seine Vollblutzucht, in der unmittelbaren Nähe der Stadt Torgau (Provinz Sachsen) gelegen; zu demselben gehören die Gestütsvorwerke Graditz, Döhlen und Neu-Bleesern auf dem rechten und Repitz auf dem linken Elbeufer, wo sich bis 1877 das Landgestüt der Provinz Sachsen befunden hatte. Die Gesamtzahl der Einwohner belief sich 1880 auf 540. Das Areal umfaßt 5072 Morgen 171 Quadratruten, gleich 1295,238 ha. Der Verwaltung des Hauptgestüts steht ein Landstallmeister und Gestütsdirigent mit einem Gestütsinspektor und einem Gestütsroßarzt vor. Nach dem Etat an Pferden zählt das Hauptgestüt G. 8 Hauptbeschäler (darunter 4 Vollblut⸗, 4 Halbbluthengste), 2 Probierhengste, 190 Zuchtstuken, davon 40 Vollblut- und 150 Halbblutstuten. G. unterhält den fiskalischen Rennstall, der sich aus der Zucht des Gestüts remontiert und auf der Rennbahn hervor1* Leistungen aufweist. us dem Gestüt wird ein geringer Bedarf für den königl. Marstallentnommen, es werden die zur Zucht für das Haupt⸗ und die Landgestüte geeigneten Pferde ausgewählt und der Rest alljährlich zur Auktion gestellt. Repitz wurde 1686, Döhlen 1691 unter der Regierung des Kurfürsten Johann Georg III. von Sachsen erbaut und zum Gestüt eingerichtet. Die Stutereien G. und Kreyschau wurden 1722 — 23 errichtet. Bis 1814 wurden hier die Pferde für den königl. sächs. Marstall und für die Landbeschälerdepots des Landheschu Sachsen entnommen (Einführung der Landbeschälung in Sachsen 1792). Die Wagenpferde waren von neapolit., span. und dän. Blut, die Reitpferde von echt orient. Abkunft. Die graditzer Pferde kennzeichneten sich durch Ausdauer und Temperament. Im J. 1815 gingen die Gestüte an Preußen über, welches den durch den Krieg stark gelichteten Pferdebestand aus dem Gestüt von Trakehnen und dem Friedrich-Wilhelms-Gestüt zu Neustadt a. D. auf die Zahl von 8 Hauptbeschälern und 186 Mutterstuten ergänzte. Die Veredlung des Stammes geschah durch trakehner und neustädter Hengste, zuerst arabischen und arab.⸗englischen, später vorwiegend engl. Bluts. Das Landgestüt Repitz nahm 1828 den Bestand des Hauptdepots zu Merseburg in sich auf. Mit der Verlegung des Landgestüts nach Lindenau bei Neustadt a. D. erhielt G. einen Teil des Bestandes des aufgelösten Friedrich-Wilhelms-Gestüts (zu Neustadt a. D). Im graditzer Hauptgestüt werden sowohl Reit⸗ als Wagenpferde gezogen. G. selbst hat nur Vollblut als Zuchtmaterial, hieraus sollen Vollblutbeschäler hervorgehen, welche durch ihre vorzüglichen Eigenschaften veredelnd auf das gewöhnliche Halbblut- und Landpferd einwirken. Zur Rekrutierung der Mutterstuten mußte 1870 nochimmer auf engl. Vollblutstuten zurückgegangen werden. Im übrigen werden nur die eigentlichen depierzahrig gezüchtet, wovon die geeigneten Hengste vierjährig in die verschiedenen Landgestüte übergeführt werden. G. repräsentiert den Reitschlag, während auf den übrigen Vorwerken der starke Reit⸗ und Wagenschlag gezüchtet wird. Die graditzer Pferde tragen mehrenteils den Habitus engl. Vollblutpferde an sich. Das Gestütszeichen besteht aus zwei Pfeilen, die in Form eines Andreaskreuzes übereinanderliegen und mit einer Schlange umgeben sind. Vgl. J. von Schwartz, „Das königl. preuß. Hauptgestüt G.» (Berl. 1870).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 262Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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