FeedTraubenkrankheit
HeilkundeBrockhaus 1882

Traubenkrankheit oder Traubenfäule nennt man eine Krankheit des Weinstocks, die durch einen Pilz aus der Familie der Perisporiaceen, Lidium Tuckeri Berh., hervorgerufen wird. Die T. wurde zuerst 1845 in England in dem Weinberge eines Gärtners Namens Tucker beobachtet, 1848 fand man dieselbe auch an einigen Orten rankreichs und seitdem hat sie sich mit großer chnelligkeit fast über alle weinbauenden Länder verbreitet, 1851 und 1852 trat sie verheerend in den Mittelmeerländern und besonders in Madeira auf, wo der gesamte Weinbau infolge dessen auf mehrere Jahre vernichtet wurde. (S. Madeira.) Die Symptome der T. bestehen darin, daß kurz nach der Zeit der Blute auf den jungen Blättern und Zweigen, sowie auch auf den Beeren spinnwebeartige graue Überzüge erscheinen, die rasch an Umfang zunehmen und schließlich besonders bei mrn der Bla Witterungsverhältnissen zum Vertrocknen der Blätter und zur Fäulnis der Beeren führen. Die grauen Uberzüge bestehen aus dem epiphytisch lebenden Mycelium des obengenannten Pilzes, das seine Zauiiorien in die Epidermiszellen hineinsendet. Von diesem Mycelium erheben sich die Conidienträger als niedrige keulenförmige Hyphenzweige, die 1½½ je eine Conidie abschnüren. (Vgl. Tafel: Pflanzenkrankheiten, Fig. 6. 4, b.) Die Perithecien des Pilzes sind bisher nicht beobachtet worden und es ist deshalb auch die Frage noch nicht sicher entschieden, in welcher Weise der Pilz überwintert. Vermutlich geschieht dieses letztere durch einzelne Mycelpartien an den Zweigen. Es sind verschiedene Mittel gegen die T. empfohlen worden, von denen sich aber nur das Bestreuen der Weinstöcke mit einem Gemisch von Kalk-und Schwefelpulver oder mit einer auf Sicilien vorkommenden, gegen 40 Proz. Schwefel enthaltenden Erde bewährt hat. übrigens widerstehen manche Rebensorten der T. deher als andere, und es wird sich deshalb das Hauptaugenmerk der Weinbauer darauf zu richten haben, widerstandsfähigere Reben einzuführen oder Varietäten zu züchten, die weniger von dem Pilze zu leiden haben.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 810Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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