FeedTretwerke
TechnikBrockhaus 1882

Tretwerke sind Mechanismen zur Nutzbarmachung von Kräften für gewerbliche, landwirtschaftliche oder bergmännische Zwecke, welche von Menschen durch Bewegung der Füße oder von Menschen, resp. Tieren mit Benutzung des Körpergewichts in Thätigkeit versetzt werden. (S. unter Radwelle.) Ein bekanntes, früher viel angewendetes T.der erstern Art ist die Töpferscheibe oder Drehscheibe (s.d. und unter Thonwarenfabrikation). Die T., welche mit Benutzung des Körpergewichts von Menschen, resp. Tieren in Bewegung gesetzt werden, indem diese an dem Umfang eines Rades emporzusteigen suchen, sind die Treträder, Sprossenräder, Tretmühlen oder Laufräder und Tretscheiben. Bei denselben gleitet der Radumfang, die Bahn, auf welcher die Menschen oder Tiere gehen, unter ihren Füßen weg, während sie selbst an der gleichen oder nahezu gleichen Stelle bleiben. Befindet sich diese Stelle bei Rädern mit horizontaler Achse auf dem oberhalb gelegenen Teil des äußern Radumfangs, so nennt man ein solches Rad ein Tretrad; beim Sprossenr ad steht der Arbeiter in der halben Radhöhe, indem er sich an den durch den Radkranz gesteckten Bolzen wie an den Sprossen einer Leiter festhält. Liegt dagegen die Stelle, wo die menschliche oder tierische Kraft wirkt, unterhalb der Welle und zwar am innern Radumfang, so heißt die Vorrichtung Laufrad oder Tretmühle. Bei der Tretscheibe (s. nachstehende Fig. 1) steht die Welle des Rades unter einem Winkel geneigt; die auf der Welle senkrechte Kreisebene des Radkranzes hat die gleiche Neigung und die Tiere bewegen sich auf der Ebene des schiefliegenden Rades. Bei der Tretbrücke (Fig. 2), auch amerikanisches T. oder Tretgöpel (ovgl. Göpel) genannt, steht das Tier auf einer geneigten, aus einzelnen Tafeln zu einer endlosen Kette vereinigten Ebene a, deren Kettenbolzen sich in die Gabelzinken der Kettentrommel b legen. Bei der Gehbewegung des an einem festen Punkt c angezäunten Tiers schieben sich die Kettenglieder à unter den Hufen desselben abwärts, wodurch die Kettentrommel b in Bewegung versetzt wird. Tretbrücken, die insbesondere für Pferde eingerichtet sind, nennt man auch Roßwerke, Roßmaschinen oder Roßkünste. Die durch Menschenkraft betriebenen T. finden jetzt seltener Anwendung, waren aber früher in Strafanstalten weit verbreitet.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 828Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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