FeedTripper
HeilkundeBrockhaus 1882

Tripper, auch virulente Blennorrhöe (Schleimfluß) der Harnröhre, oder Gonorrhöe (eigentlich Samenfluß) genannt (Gonorrhoea, frz. Chaude pisse, engl. brenning, clap), eine ansteckende Geschlechtskrankheit, welche mit einem eiterigen oder schleimigen Ausfluß der Harnröhre einhergeht. Nicht jeder Schleimfluß (Katarrh) der Harnröhre kann als T. bezeichnet werden, sondern eigentlich nur der durch Ansteckung erzeugte und wieder ansteckende (virulente). Die andern Schleimflüsse der Harnröhrenschleimhaut, wie sie z. B. nach dem Genuß von schlechtem jungen Bier, nach Reizung der Schleimhaut bei Harngries, beim Katheterisieren u. dgl. eintreten, haben fast nur den Ausfluß einer schleim- oder eiterähnlichen Flüssigkeit mit dem eigentlichen T. gemein, nicht aber dessen heftige Schmerzen und seine Ansteckungsfähigkeit. Bei den Frauen ist der virulente Katarrh der Schleimhaut der Scheide und der Gebärmutter bei weitem häufiger, als der der Harnröhre. In seinen Erscheinungen hat er vieles mit dem gewöhnlichen Weißen Flusse (Leukorrhöe) gemein und wird auch gewöhnlich so benannt. Der T. zeigt sich beim Manne einen oder einige Tage nach dem ansteckenden Beischlafe durch Brennen in der Harnröhre beim Harnlassen an, das in den folgenden Tagen immer mehr an Heftigkeit zunimmt. Dazu gesellen sich entzündliche Rötung und Schwellung der Schleimhaut, tropfenweiser Ausfluß einer eiterähnlichen Flüssigkeit aus der Harnröhre (daher der Name T.), sehr schmerzhafte Erektionen, bisweilen selbst Harnverhaltung, Blasenkatarrh und Hodenentzündung. Nachdem diese Erscheinungen einige Wochen in gleicher Heftigkeit bestanden, nehmen sie wieder allmählich ab und verlieren sich ganz. In manchen Fällen bleibt noch ein leichter Katarrh bestehen, der sich durch Ausfluß von Schleim kundgibt und durch Diätfehler u. dgl. gesteigert werden kann (chronischer T., Nachtripper). Das Kontagium des T. besteht, wie neuere Forschungen ergeben haben, aus mikroskopisch kleinen Pilzen aus der Klasse der Mikrokokken (Gonococeus), welche sich, kaffeebohnenartig gestaltet und in Gruppen zu zwei oder vier Exemplaren zusammengehäuft, teils im Trippereiter, teils in den Epithelzellen der Harnröhrenschleimhaut vorfinden. Bei Übertragung des Tripperschleims auf die Augen entsteht eine äußerst heftige und gefährliche Augenentzündung (Augentripper), weshalb die Kranken jede Berührung der Augen mit dem Trippereiter ängstlich vermeiden sollen. Bisweilen entsteht auch im Verlaufe eines T. eine langwierige Gelenkentzündung (Trippergicht, Tripperrheumatismus), welche am häufigsten das Knie (Tripperknie), seltener das Hand⸗ und Fußgelenk befällt. Die Erscheinungen werden gemildert und die Heilung wird beschleunigt durch knappe Diät und reichlichen Genuß von Wasser, weil dadurch der Harn verdünnt wird und beim Entleeren die Schleimhaut weniger reizt. Gegen den T. wendet man innerlich balsamische Substanzen (Copaivabalsam, Cubeben), örtlich leicht zusammenziehende und desinfizierende Einspritzungen (schwefelsaures Zinkoryd, Tannin, hypermangansaures Kali, Sublimat u. a.) an. Wenn ein Schanker auf der Harnröhrenschleimhaut seinen Sitz hat, so sind die Symptome ähnlich wie bei dem T.; das Wesen der Krankheit aber ist ein ganz anderes. (S. Syphilis.) Unter Eicheltripper versteht man den gutartigen oder auch virulenten Katarrh der Schleimhaut der Eichel; zu seiner Heilung genügen meist häufige kalte Waschungen und Bestreichen der entzündeten Eichel mit Zinksalbe.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 851Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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