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BaukunstBrockhaus 1882

Tuilerien ist der Name eines ehemaligen königl. und kaiserl. Residenzschlosses in Paris, an einem Platze, wo sich früher Ziegelbrennereien (tuileries) befanden, von welchen es den Namen erhielt. Von dem ältesten Schlosse, welches Katharina von Medici hier nach den Rissen und unter der Leitung der Architekten Philibert Delorme und ⁷+*: Bullant erbauen ließ, ist weder eine ausführliche Beschreibung noch eine genaue Abbildung auf unsere Zeit gekommen. Heinrich IV. ließ dieses Schloß durch die Baumeister Ducerceau und Dupérac vergrößern, namentlich an der Ecke auf der Wasserseite den Pavillon de Flore ansetzen und diesen dann vermittelst einer längs der Seine hinlaufenden Galerie mit dem Louvre verbinden. Unter Ludwig XIV. wurden durch den Architekten Levau die ältern Teile des Schlosses erhöht, die Kuppel des mittlern Hauptpavillons (Pavillon de l'Horloge) in ein viereckiges Dach umgestaltet und auf der Stadtseite der schwerfällige Eckpavillon Marsan hinzugefügt, an welchen Napoleon I. eine Galerie anlehnen ließ, die auf dieser Seite die T. mit dem Loupre ver31.0 sollte, was aber erst unter Napoleon III. zu Stande kam. (S. Louvre.) Die T. waren nur voruübergehend königl. Wohnung, bis Ludwig XVI. sich durch die Oktoberereignisse in Versailles 1789 genötigt sah, seine Residenz nach Paris zu verlegen. Seitdem sind die T. der Schauplatz einiger der merkwürdigsten Vorgänge in Frankreichs Geschichte gewesen. Am 10. Aug. 1792 wurden sie von den pariser Sektionen e Ratiolals was die Flucht der königl. Familie in die? ationalversammlung und den Sturz des Throns zur Folge hatte; 1793 schlug hier der Nationalkonvent seinen Sitz auf. Dann bewohnte Napoleon als Erster Konsul und Kaiser den Palast. Unter der Restauration waren die T. die Hauptresidenz des Königs und der königl. Familie. Nach der Revolution von 1830, wo das Volk die T. wiederum angriff und stürmte (29. Juli), wählte sie Ludwig Philipp zu seiner Residenz und bewohnte sie bis zum 24. Febr. 1848, wo der Palast abermals vom Volke eingenommen und der König daraus vertrieben wurde. Ein Dekret der Provisorischen Regierung vom 26. Febr. 1848, welches aber nicht zum Vollzug kam, verordnete, daß die T. fortan ein bürgerliches Invalidenhaus (Hospice des Inralides civils) sein sollten. Von 1852 bis 1870 waren sie wieder kaiserl. Residenz. Beim Aufstand der Commune 1871 wurden die T. 24. Mai in Brand gesteckt; die Trümmer wurden 1883 gänzlich abgetragen. Nur die beiden Flügel, welche die T. mit dem Louvre verbanden, sind erhalten; der linke an der Flußseite mit dem Pavillon de Flore, der rechte an der Rue de Rivoli mit dem Pavillon de Marsan. Der Pavillon Marsan dient als Sitz der Rechnungskammer, der Pavillon de Flore als Lokal für ein Industriemuseum. Der schöne, von Westen her an das Schloß stoßende Garten wurde von Lenötre angelegt ist aber vielfach umgeändert. Ein weitläusiges Parallelogramm auf der Ostseite bildet den Schloßhof, der seine Anlage hauptsächlich Napoleon I. verdankt. Er diente bis zur dritten Republik hauptsächlich als Paradeplatz und ist durch ein eisernes Gitter von dem Carrouselplatz und dem nach die-Gott Tvisto (s. d.) genamt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 897Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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