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BaukunstBrockhaus 1882

Louvre, seit 1793 das nationale Hauptmuseum in Paris, war seit seiner Entstehung unter den Capetingern abwechselnd Königspfalz, Jagdhaus und Hofburg. König Karl V. verwandelte die Hofburg in ein got. Residenzschloß, welches unter Franz I. und Heinrich II. durch Pierre Lescot zu einem Palast in Renaissancestil umgebaut wurde. Dieser Neubau, das gegenwärtige Alte L., nämlich die beiden halben Fagaden in der südwestl. Ecke, war noch unvollendet, als Katharina von Medici die überreste des alten Schlosses damit vereinigte und ihre Residenz dahin verlegte. Aus dieser Zeit stammt auch der mit Lescots südl. Fagade im rechten Winkel gegen die Seine vorspringende Anbau, wo Karl IX. aus dem Fenster seines Zimmers auf die Hugenotten geschossen haben soll, die, um dem Blutbade der Bartholomäusnacht zu entrinnen, durch den Fluß schwammen oder in Kähnen überfuhren. Heinrich IV. ließ jenen Anbau um ein Stockwerk erhöhen und durch eine an der Wasserseite hinlaufende Gebäudereihe mit den Tuilerien verbinden. Der Architekt Lemercier setzte dann an Lescots westl. Facade die andere Hälfte mit dem großen Pavillon in der Mitte (Pavillon de I'Horloge) an und brachte den nördl. Flügel so weit, daß das L. gerade halb fertig war. Die andere Hälfte, das sog. Neue L., wurde unter Ludwig XIV. hinzugebaut. Vier Flügel, jeder mit einem in der Mitte hindurchführenden großen Eingange, schlossen nun den Hof des Palastes in ein gleichseitiges Viereck ein. Seitdem Paris als königl. Residenz für Versailles und Fontainebleau beinahe ganz aufgegeben war, wurde das L. zuerst von zurückgebliebenen Hofleuten und Beamten, sodann nur von Künstlern und Gelehrten aller Art bewohnt. Die meisten großen Maler, Bildhauer, Kupferstecher hatten darin weitläufige Werkstätten. Der Konvent verlegte während der Revolution das Nationalmuseum dahin. Im J. 1803 erhielten die Architekten Percier und Fontaine von Napoleon I. den Auftrag, das L. völlig auszubessern und auszubauen. Sehr bedeutend war das, was unter dem ersten Kaiserreich, außer der Herstellung des zum Teil verfallenen, zum Teil unfertigen Palastes, für die größere und stattlichere Einrichtung des Museums (Musée Napoléon) geschah. Unter der Restauration und unter Ludwig Philipp that man nichts am L., wenigstens nichts für seinen Ausbau. Erst Napoleon III. begann 1852 die großen Arbeiten zum Ausbau des L. unter der Leitung und nach dem Plan des Architekten Visconti, nach dessen Tode sie von Lefuel fortgeführt und 1857 beendigt wurden. Auf solche Weise waren, bis zum Brande der Tuilerien (s. d.) im Mai 1871, die beiden, seit 300 Jahren umgeänderten und erweiterten Königspaläste zu einem Riesenbau vereinigt, der Hofwohnungen, Kasernen, Ministerien, Museen, Bibliotheken, Gärten, Paradeplätze, Reitschulen, Pferdeställe etc. einschloß. Jetzt befindet sich außer dem Finanzministerium nur das Museum im L., die Bibliothek verbrannte 1871, Ställe und Kasernen sind verlegt worden. Das L. enthält die schönsten und vollständigsten Kunstsammlungen der verschiedensten Art: die Antikengalerie; das Museum der großen ägypt. und assyr. Monumente; das Museum der modernen Skulpturen; die Sammlung der kleinen ägypt., griech. und röm. Altertümer; die Sammlung von Kunstgegenständen des Mittelalters und der Renaissance; die Gemäldegalerie; die Sammlung der Handzeichnungen; die Sammlung alter Kupferplatten mit der dazugehörenden Kupferdruckerei (Chalkographie). Vgl. Clarac, Musée de sculpture antique et modernep (6 Oktavbände; Atlas, 6 Bde., Par. 1826 -53).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 196Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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