Turm (Thurm) heißt jedes Bauwerk aus Stein oder Holz, das im Verhältnis zu seiner Grundfläche eine bedeutende Höhe hat, mag dasselbe eine spitze oder stumpfe Endigung haben. Es hat im allgemeinen den Zweck, einen erhöhten Standpunkt für Menschen oder Dinge zu gewinnen. Türme dienen zunächst Zwecken der Berteidigung, und zwar meist gleichzeitig, um den Angegriffenen vor dem Feinde zu schützen und ihm die Möglichkeit lächterer Abwehr zu gewähren, dann aber auch zur Aufstellung von Schleudermaschinenund Geschützen, sowie zur Aussicht (Lug ins Land, Wartturm), um den nahenden Feind zu erspähen. Sie haben aber oft auch den Zweck, Glocken oder andere Zeichen, Fahnen, Leuchtfeuer, optische Telegraphen, ein Nebelhorn u. a. aufzunehmen, welche man weithin hören oder sehen soll, oder werden in manchen Fällen zur Aufnahme eines Wasserreservoir (Hochreservoir) oder auch nur zum Zweck des Genusses einer schönen Aussicht erbaut. Diesen verschiedenen Zwecken entsprechend haben die T. auch sehr verschiedene Formen und sind im Verlaufe der Entwickelung der Baukunst künstlerisch sehr mannigfaltig ausgebildet worden. Am häufigsten sind die im Grundriß runden oder quadratischen Festungstürme der antiken und mittelalterlichen Stadtmauern und Burgen. Dahin gehören auch die Thortürme, weil die Thore bei der Befestigung einer Stadt besondere Sorgfalt verlangten. Der Hauptturm einer jeden Burg, Bergfried (s. d.) genannt, diente zur Ausschau und zur Verteidigung zugleich. Ungewöhnlich sind die Danziger genannten Türme der Burgen des Deutschen Ordens, welche eine Art vorgeschobenes Außenwerk bilden. Eigentümlich ist auch der Mäuseturm mitten im Rhein bei Bingen, welcher den Zweck hatte, die vorbeifahrenden Schiffer zur Zahlung eines Zolls zu zwingen. Zum Angriff einer belagerten Stadt dienten im Mittelalter die aus Holz konstruierten, auf Rollen oder Rädern stehenden sog. «Wandeltürmev. Am bekanntesten sind die Glockentürme (Campanili) der Kirchen, welche anfangs gesondert von den Kirchen standen, später, oft in größerer Anzahl, mit denselben verbunden wurden und überaus mannigfaltig nach Form und künstlerischer Ausbildung sind, und der Rathäuser. Berühmt sind der Campanile des Doms zu Florenz, der Glockenturm (bekannt als schiefer T.J des Doms zu Pisa und die Türme der Münster zu Freiburg 1. Br., Eßlingen und Straßburg aus älterer, zu Köln und Ulm aus neuerer Zeit. Neuerdings werden Türme auch an Land⸗ und Stadthäusern erbaut.