Turner (Jos. Mallord Willian), berühmter und eigenartiger Maler der engl. Schule, dessen Gebiet besonders die histor. Landschaft war, wurde 23. Aug. 1775 in London geboren und von dem Aquarellmaler Girtin unterrichtet. Nachdem er mit 14 Jahren in die Akademie getreten, konnte er sich bereits im folgenden Jahre an der Ausstellung beteiligen, und war im Alter von 27 J. schon Mitglied jenes Instituts. Um diese Zeit (1802 machte er Reisen nach Frankreich, Italien und der Schweiz, Im J. 1808 wurde er Professor der Perspektive an der Akademie und begann die Veröffentlichung seines Skizzenbuchs unter dem Titel „Liber studiorumo. T. baute sich 1812 ein Haus, in welchem er in einer Galerie stets einige seiner Gemälde ausustellen pflegte. Von den besten trennte er sich selbit um die größten Summen nicht. Dreimal (1819, 1829 und 1840) besuchte T. Italien. Zu seinen Sonderbarkeiten gehörte, daß er die letzte Lebenszeit unter einem fremden Namen in einer obsturen Wohnung zu Chelsea zubrachte, wo er auch 19. Dez. 1851 starb. Sein großes Vermogen erhielt testamentarisch, neben manchen seltsamen Bestimmungen, eine sehr wohlthätige Verwendung. Seine Bilder erbte die Nationalgalerie in London (282 Gemälde und mehr als 18000 Slizzen). In seiner künstlerischen Thätigkeit lassen sich drei Perioden unterscheiden. In der ersten ist er glücklicher Nachahmer Claude Lorrains auf dem Gebiete der idealen Landschaft, strebt nach Klarheit derjKomposition und durchsichtiger Lichtführung; dann kommt in der zweiten seine Eigenart zum Vorschein, welche einen breitern, freiern Vortrag mit der Entwickelung der ganzen Macht, die in der Farbe liegt, vereinigt. In der dritten Periode sind die Kräfte der Farbe überspannt, die Einbildungskraft erhitzt, seltsame Efiekte werden gesucht, der Vortrag ist allzu kühn, pastos, nachlässig, slizzenhaft. Ein Meisterstück seines Pinsels ist die Gründung Karthagos durch Dido (sein Aufnahmestück in der Akadentie). Auch später entstanden neben Landschaften, Seestucken u. dgl. solche Historienbilder, welche jedoch nicht die eigentliche Bedeutung des Künstlers ausmachen. In der Komposition und Erfindung, im Reichtum der Motive ist T. stets ausgezeichnet, wo ihn nicht die Lust an Farbeneffekten zu Sonderbarkeiten fortreißt. Er hat auch viele Blätter radiert und auch in Schwarzkunst gearbeitet. Vgl.