Utah, ein Territorium der Vereinigten Staaten von Amerika, liegt zwischen dem 37. und 42.2 nördl. Br. und dem 109. und 114. westl. L., wird begrenzt im N. von Idaho und Wyoming, im O. von Colorado, im S. von Arizona und im W. von Nevada, hat 220063 qkm und zählte 1850 erst 11380, 1870 schon 86 786 und 1880 bereits 143963 C., von denen 74509 männliche und 69454 weibliche, 43994 Fremdgeborene (885 Deutsche), 232 Farbige, 501 Chinesen und 807 Indianer waren. Das Land bildet eine von Gebirgen eingeschlossene und durchzogene Hochebene. An der Westseite des Gebirgsknotens der Windriver-Mountains im Felsengebirge Ean sich das Timpanogosgebirge ab und zieht auf der Westseite des Green-River oder nördl. Quellstroms des Rio Colorado südwärts aus Wyoming nach U. herüber, wo es das Land in derselben, zuletzt in südsüdwestl. Richtung unter dem Namen des Wahsatchgebirges durchzieht, wenig erhaben über seiner Basis, die aber 1500 —2200 m über dem Meere liegt. Durch diesen Gebirgszug zerfällt U. in zwei verschieden gestaltete Abschnitte. Der östliche kleinere umfaßt das Gebiet des Green-River und Rio Grande, die hier sich vereinigen und den Rio Colorado bilden. Es ist das ein Plateau, welches sich von 1800 m mittlerer Höhe südwärts allmählich, wahrscheinlich stufenweise, zu niedrigen Ebenen absenkt und in dieser Richtung geöffnet erscheint. Der westl. Abschnitt bildet ein weites, auf allen Seiten von Bergen abgeschlossenes Becken, von Frémont das Große Bassin des Salzsees genannt. Es ist eine der ausgedehntesten Hochebenen der Erde. Das Becken liegt durchschnittlich 12—1500 meüber dem Meere und besitzt sein eigenes System von Seen und Flüssen, die in keiner Verbindung mit dem Ocean stehen. Zum größten Teil dürr, unfruchtbar und fast menschenleer, hat es im allgemeinen den Charakter der Wüste. Am östl. Rande des großen Wüstenbassins, am Fuße des Wahsatchgebirges, liegt der Salt Lake (s. d.), der durch den Fluß Jordan mit dem Utahsee in Verbindung steht. Beide Seen haben an der Ostseite, an der Basis des Wahsatchgebirges, einen schmalen Gürtel angeschwemmten Landes mit Wald, Wasser und reichlichem Graswuchs, auf einer Strecke von 220 EKm von Norden gegen Süden. Auf diesem Lande an der Wasserstraße des Jordan, in dem sog. Mormonenthal, haben sich seit 1847 die Mormonen (s. d.) angesiedelt und daselbst hinreichend urbares Land für eine große Niederlassung gefunden, welche durch ihre Lage als Zwischenstation zwischen dem Mississippithal und der Südsee Bedeutung erhielt. Im Süden der beiden genannten liegen noch mehrere andere Seen, wie der Sevier mit dem gleichnamigen Zufluß. Die Gebirge, welche sich aus den nackten, öden Ebenen bis in die Nähe der Schneeregion auftürmen, sind mit Fichten, Cedern, Espen und andern Baumarten nur dünn bestanden, haben viel grasreiche Plätze, aber wenig Wild; dagegen sind sie reich an edeln Metallen, besonders Silber. Den fruchtbarsten Boden haben die Alluvionen am Fuße der Gebirge; auch manche Thäler teilen denselben, andere sind völlig unfruchtbar. Getreide, selbst Weizen und Mais, gedeiht vortrefflich, ebenso Rindvieh und Schafe. In den Ebenen finden sich Hasen und Antilopen, in den Bergen Bären, der schwarzgeschwänzte Hirsch, das Bergschaf, die gefräßige Wolverene. Auch gibt es Dachse, Wieseliltisse, Bisam⸗ oder Moschusratten und Schwimm⸗ und Sumpfpögel in Menge, Fische in allen nichtsalzigen Wassern, sowie viele eigentümliche Reptilien, schädliche Heuschrecken ze. An heißen und kalten Schwefel Salz⸗ und andern Quellen ist überfluß. Das Klima ist gesund. Der Ackerbau steht auf hoher Stufe. Im J. 1885 wurden auf 5565 ha Acker 144100 hl Mais, auf 39230 ha 679390 hl Weizen und auf 11213 ha 297 800 hl Hafer gezogen. In 640 industriellen Etablissements waren 2495 Arbeiter beschäftigt. Es gab 3 National- und 11 Privatbanken; 1394 km Eisenbahnen waren in Betrieb. U. hat keine Schulden. Die Einnahmen betrugen 230717, die Ausgaben 236 160 Doll. Die Mormonen hatten (1880) 447 Kirchen und 55 676 Mitglieder, während die Katholiken nur 2 Kirchen mit 2000 Mitgliedern hatten. Für das Schulwesen wird bestens gesorgt. Es gibt eine Universität zu Salt Lake City, eine Akademie zu Provo City, Schulen mit 592 Lehrern. An der Spite des Gemeinwesens steht ein Gouverneur, der auf vier Jahre vom Präsidenten der Vereinigten Staaten ernannt wird. Die Gesetzgebende Versammlung besteht aus zwei Häusern, und zwar aus 12 auf 2 wäblt erwählten Senatoren und 24 auf 2 Jahre erwählten Repräsentanten. Die Gesetzgebende Versammlung tritt alle 2 Jahre im Dezember auf 60 Tage zusammen. Seit 1870 haben auch die Frauen Stimmrecht. Im Kongreß ist U. durch einen Repräsentanten vertreten, der jedoch kein Stimmrecht hat. U. war ursprünglich ein Teil von Obercalifornien, wurde 1848 von Mexiko an die Vereinigten Staaten abgetreten und am 9. Sept. 1850 in die Union aufgenommen. Die Mormonen (s. d.), welche 1847 und 1848 aus Illinois und Missouri vertrieben wurden, ließen sich hier nieder. Ihre Altesten führen ein strenges Regiment und trotzen offen den Gesetzen des Landes, nach welchen Vielweiberei verboten ist. Im J. 1882 passierte der Vereinigte Staaten-Kongreß die sog. Edmunds-Bill, nach welcher Polygamisten weder stimmen, noch Amter bekleiden dürfen und Polygamie gesetzlich unterdrückt wird. Vgl. Fremont, „Geographical memoiro (Washington 1848); Stansbury, Exploration and survey of the valley of the Great Salt Lake of U.ĩ (Philad. 1852); Ferris, I. and the Mormonso (Neuyork 1854); White, KThe Mormon Prophet and his haremo (Neuyork 1866).