FeedVerbindungsglieder
ErdkundeBrockhaus 1882

Verbindungsglieder im Zusammenhange stehen. In den Rocky-Mountains (s. d.) bilden die Windriver-Mountains zwischen 42 und 44 nördl. Br. einen Gebirgsknoten, von welchem vier große Ketten auslaufen. Der nach Südwest hin sich ablösende Zug geht als Timpanagos⸗ und Wahsatchgebirge auf einer Hochebene fort, die bis 1500 m Höhe hat. Sie fällt zwischen 37 und 43 nördl. Br. nach Westen in den ganzen Raum bis zu den Seealpen aus. Im Westen der Timpanagosgebirge liegt das Basiny oder große ostealiforn. Binnenbeden, von durchschnittlich 900 Km Durchmesser und 12—. 1500 m Meereshöhe, rings von Bergketten eingeschlossen, mit einem besondern System von Flüssen und Seen, die keine Verbindung mit dem Meere haben. Es ist im allgemeinen eine Wüste mit vielen Oasen und bildet das organisierte Gebiet Utah C. d.). Im Osten der Wahsatch⸗ und Timpanagosgebirgskette und im Süden des Großen ens östlich von der Sierra Verde, einem Teile der Rocky-Mountains, begrenzt, liegt das Strombecken des westl. Colorado, der in den Californischen Meerbusen mündet, nachdem er kurz vorher den Gila aufgenommen hat. Der Colorado durchströmt meist ein dürres Wüstenland. Die Sierra Nevada öffnet keinem der von den Felsengebirgen herabkommenden Ströme einen Durchgang zum westl. Meere, mit Ausnahme des Columbia, welcher die Grenzscheide zwischen Oregon und Washington bezeichnet. Californien bildet die Kuüstenlandschaft zwischen dem Großen Ocean und den Seealpen von San-Diego im Süden bis zur Grenze Oregons im Norden. (Hierzu drei Karten: Vereinigte Staaten, Politische Übersichtskarte, Sstliche Hälfte und Westliche Hälfte.) Die klimatischen Verhältnisse sind in einem so weit ausgedehnten Gebiet, welches sich durch 24 Breitengrade und 60 Längengrade erstreckt, natürlich sehr mannigfaltig. Das Land reicht von der Nähe der Wendekreise bis zur nordischen Seenplatte und wird von Westen nach Osten von keinem Hochgebirge durchzogen. Deshalb haben die Winde vom Norden wie vom Süden her ungehinderten Zugang, und auch von Westen nach Osten finden sie auf dem weiten Raume zwischen den Felsenebirgen und den Alleghanies keinen Widerstand: ein anderes Land hat eine veränderlichere Witterung. Die Vereinigten Staaten sind fast überall plötzlichem und äußerst extremem Temperaturwechsel unterworfen, und afrik. Hitze macht namentlich im Osten, soweit er vom Golfstrome nicht beeinflußt wird, binnen wenigen Tagen russ. Kälte Platz. Ein Wechsel von 14 bis 17° C. in einigen Stunden hat nicht einmal etwas Auffallendes, weil er so häufig eintritt, und oft schlägt in einem Tage das Wetter drei-bis viermal um. Der Nordwestwind, der von den Felsengebirgen und über die Prairien herkommt, ist kalt und trocken: der Nordost weht vom Meere und den großen Binnenseen her und ist deshalb feucht und kalt; Südost und Südwest sind beide heiß. In den nördl. Staaten sind die klimatischen Extreme am bemerkbarsten, während im südl. Florida die Temperatur das ganze Jahr hindurch sich ziemlich gleich bleibt und kaum um 7² C. wechselt. Doch wird der Charakter des Klimas in vielen Ge-Am da wesentlich durch die Ortlichkeit bestimmt. n der atlantischen Küste übt das Meer großen Einfluß. In den westl. Staaten, d. h. denen im Stromgebiet des Mississippi, ist das Klima weniger excessiv als im Nordosten, an der ganzen Westküste bei weitem milder als in der ganzen östl. Abteilung. 50 und an den Alleghanies, von Virginien bis nach eorgien hin, liegen viele Ortlichkeiten mit ebenso gesundem als angenehmem Klima. Im übrigen ist der Wechsel in den nördl. atlantischen Staaten sehr empfindlich. In mehrern westl. Gegenden sind kalte Fieber, Wechselfieber, Ruhren und Gallenfieber häufig, besonders in neuumbrochenem Lande, und in diesem vorzugsweise in den Marschen. Am Mexikanischen Meerbusen erscheint sast alljährlich im Spätsommer das Gelbe Fieber mit größerer oder geringerer Heftigkeit und ergreift auch bisweilen die südl. Küstenstaaten am Atlantischen Ocean. Die Bevölkerung wächst sehr rasch. Während sie sich 1790 nur auf 3929214, 1830 dagegen auf 12 866 020 und 1860 auf 31443321 und 1870 auf 38558371 belief, zählte sie nach dem Census von 1880 schon 50 155 783 (25518820 männliche und 24 636963 weibliche) CE., darunter: Eingeborene 43475840 (21888254 männliche und 21587586 weibliche), Fremdgeborene 6679943 (3 650566 männliche und 3049377 weibliche), Weiße 43402970 (22130 900 männliche und 21272070 weibliche), Farbige 6580793 (3253115 männliche, 3327678 weibliche), Chinesen und Japanesen 105613(100820 männliche und 4793 weibliche), civilisierte Indianer 66 407 (33 985 männliche und 32422 weibliche) und 216 417 nicht eivilisierte Indianer. Von der Gesamtbevölkerung waren unter 10 Jahren 13394176, unter 20 Jahren 24 120 777, von 90 bis 99 Jahren 20863 (8206 männliche und 12657 weibliche), 100 Jahre und darüber 4016 (1409 männliche und 2607 weibliche). Die ersten Neger kamen 1620 in die nordamerik. Kolonien Englands und zwar nach Virginia. Im J. 1790 gab es schon 697897 und 1860 sogar 3953 760 Sklaven in den Vereinigten Staaten. Am 1. Jan. 1863 wurden alle Sklaven in den Staaten oder Teilen von Staaten, die sich in Rebellion gegen die Vereinigten Staaten befanden, für frei erklärt. Am 18. Dez. 1865 machte Staatssekretär Seward (s. d.) bekannt, daß drei Viertel aller Staaten das Amendement zur Verfassung, daß weder Sklaverei noch unfreiwillige Dienstbarkeit, ausgenommen als Strafe für Verbrechen, wegen deren jemand förmlich überführt worden ist, innerhalb der Vereinigten Staaten oder an irgend einem Orte bestehen sollte, der ihrer Gerichtsbarkeit unterworfen sei, angenommen haben und dasselbe also zu Recht bestehe. Seitdem sind die Neger politisch den Weißen gleichgestellt, während das soziale Vorurteil freilich hinter dem polit. Fortschritt zurückgeblieben ist. Im J. 1880 waren in Südcarolina drei Fünftel, in Louisiana und Mississippi die Hälfte bis drei Funftel, in Alabama, District of Columbia, Florida, Georgia, Nordearolina und Virginia ein Drittel bis die Hälfte, in Arkansas und Tennessee ein Viertel bis ein Drittel aller Einwohner Neger. Die frühern Sklavenstaaten Westvirginia (4355 unter 100000) und Missouri (7168 Neger) hatten die geringste Anzahl. (Vgl. Williams, History of the negro race in America from 1619—805, Neuyork 1883.) Chinesen finden sich hauptsächlich in Californien (75 132), Oregon (9510), Nevada (5416), Idaho (3379) und in Washington (3186). Auf 100000 Weiße kommen 11647 in Idaho, 10113 in Nevada, 9793 in Californien und 5832 in Oregon. Sie sind teils als Goldgräber, teils als Handelsleute und Handwerker oder Ackerbauer beschäftigt. Von 1855 bis Juni 1884 sollen 274381 Chinesen eingewandert sein, von denen die Hälfte wieder nach China zurückgekehrt ist. Am 28. April 1882 beschloß der Kongreß, daß die Zulassung von Chinesen während der nächsten zehn Jahre nicht stattfinden solle. In den Pacific⸗-Staaten ist das Volk im allgemeinen sehr gegen die Zulassung der Chinesen. Die Zahl der Indianer betrug (1885) mit Ausschluß von Alaska 264369. Diese wohnen fast alle auf Land, das ihnen zum Wohnsitz angewiesen ist. Die Unterhaltung der Indianer kostete dem Lande 1884—85 uber 6500000 Doll. In seinem letzten Berichte (1886) empfahl General Sheridan, jeder Indianerfamilie 320 Acker (etwa 130 ha) Land zuzuweisen, welche durch das Gesetz ihnen vorbehalten sind, und daß die Regierung den übrig bleibenden Teil der Reserveacker zum Preise von 1,25 Doll. pro Acker verkaufe, den Erlös hieraus zum Ankaufe von Vereinigten Staaten-Bonds verwendend, deren Zinserträgnis alljährlich zur Unterstützung der Indianer zu verwenden wäre. Wie bunt das Gemisch von Volkstümlichkeiten in den Vereinigten Staaten ist und wie mannigfaltig die Herkunft ihrer weißen Bewohner, ergibt sich aus der folgenden Aufstellung des Census von 1880. In Nevada, Arizona, Dakota, Minnesota und Californien sind 50 Proz. oder mehr, in Wisconsin, Idaho, Utah, Montana, Wyoming, Rhode-Island, Massachusetts, Neuyork, Michigan, Nebraska, Washington, Connecticut und Colorado 25—50 Proz., in 11 Staaten oder Territorien 10— 25 Proz., in 10 2—10 Proz. und in 8 weniger als 2 Proz. der Gesamtbevölkerung Fremdgeborene. Von den Fremdgeborenen waren aus Deutschland 1966 742, Irland 1854571, England und Wales 745978, Britisch-Amerika 717157, Schweden, Norwegen, Dänemark 440202, Schottland 170 136, Frankreich 106971, China 104468, der Schweiz 88 621, Paben 85 361, Mexiko 68399, Holland 58090, Polen 48557, Darieg 44230, Ssterreich 38663, Rußland 35 722, Belgien 15535 und 678 126 aus andern fremden Ländern. Von den Deutschen kamen aus Baden 127885, Bayern 171699, Braunschweig 4624, Hamburg 8854, Hannover 102594, Hessen 72 490, Lübeck 264, Mecklenburg 45959, Nassau 6253, Oldenburg 9924, Preußen 634380, Sachsen 48 708, Weimar 685, Württemberg 108223, Deutschland (nicht näher angegeben) 624 200. Bis 1820 fehlen alle Nachweise über die Zahl der Einewanderten. Man nimmt an, daß bis einschließich 1820 im ganzen 250000 Pers onen, bis einschließlich 1885 über 13 Mill. (nahezu 12 Mill. aus Europa und über 4 Mill. aus Deutschland) eingewandert sind. Die Deutschen sind über das ganze Land zerstreut und in allen größern Städten zu finden. Am zahlreichsten waren sie 1880 in Neuyork 655 913), Illinois (235 785), Ohio (192597), Wisconsin (184328) und Pennsylvanien (168 426) und in den Städten Neuyork (163482), Chicago (75 205), Philadelphia (55 769), Brooklyn (55399) und in t.Louis (54 901) vertreten. Im J. 1880 gab es 8955812 Wohnhäuser und 9545 916 Familien. Auf je 1 akm kamen 6,6 Personen; 5,30 Personen auf je ein Wohnhaus und 50 Personen auf je eine Familie. Die größte Anzahl Wohnhäuser befand sich in Pennsylvanien (776 12, Neuyork (772512), Ohio (586 664) und Illinois (538221), die der Familien in Neuyork (1078 905), Pennsylvanien 40452), Ohio (641 907) und Illinois (591934). Iu Abode-Island kamen 6,68, in Neuyork 6,5s, im District of Columbia 6,10, in Neuhampf hire dagegen nur 4.½28, in Nebraska 4,25 und in Idaho sogar nur 4,24 Personen auf je ein Wohnhaus. Im J. 1880 waren im ganzen 17392099 (14 74494 männliche und 2647157 weibliche) Personen in den verschiedenartigsten Erwerbszweigen thätig und zwar in der Landwirtschaft 767043 (293722 Deutsche), in Berufs⸗ und persönlichen Dienstleistungen 4074238 (218 867 Deutsche), im Handel und Transport 1810256(152491 Deutsche), im Fabrikwesen, Handel und Bergbau 3837 112 (368 110 Deutsche). Es gab unter anderm 48210 landwirtschaftliche Arbeiter, 27815 Schuh- und Stiefelmacher, 22624 Handlungsdiener, 4301 Geistliche, 43444 Dienstboten, 233390 Landwirte, 9307 Eisen⸗ und Stahlarbeiter, 114641 Arbeiter, 791 Advokaten, 10027 Bergleute, 2640 Arzte und Wundärzte, 46991 Schneider, Kleider⸗ und Putzmacherinnen, 4328 Lehrer und Lehrerinnen, 60175 Kaufleute, 541 Journalisten, 4163 Musiker, welche in Deutschland geboren sind. Ein allgemeiner Volkscharakter existiert bei so gemischter Bevölkerung nicht. Auch kommt aus fremden Gegenden immer frischer Zuzug, und die einzelnen Bestandteile der Nation stoßen sich vielfach im geselligen Leben ab. Allmählich muß indessen aus allen diesen verschiedenen Nationalitäten sich doch ein besonderer amerik. Volkstypus herausbilden, der sein wesentliches Gepräge durch die schon an Zahl überwiegenden german. Stämme erhält, namentlich durch das angelsächs. Element, welches sich zwar selbst mehrfach abstuft und modifziert, aber mit seiner Eigenart doch überall durchringt und vorschlägt, sodaß man es als das herrschende bezeichnen kann. Man bezeichnet die angel-Conversations-Lexikon. 13. Aufl. XVI. nerika (geographisch-statistisch) 17⁷ sächs. Eigentümlichkeit der Nordamerikaner als Hankeetum. Dasselbe erscheint namentlich in den sechs Staaten Neuenglands, wo es seine rechte Heimat hat, am stärksten ausgeprägt. Da der angelsächs. Amerikaner nicht an der Scholle klebt, so ist ein nicht geringer Bruchteil der Bevölkerung unablässig auf der Wanderschaft und sucht neue Wohnsitze, sodaß die neubesiedelten Gegenden gleich anfangs durch dieses Element Charakter und Richtung erhalten. Die ausgedehnten Verkehrsmittel erleichtern zudem das Wandern ungemein, rücken die räumlich weit voneinander Wohnenden zusammen, vervielfachen den Verkehr und schlingen die Interessen und Sitten fast unauflöslich in⸗ und durcheinander. Doch bedingt die Art und Weise der ersten Ansiedelung und die Ortlichkeit im amerik. Charakter manche wesentliche Modifikationen. Der eigentliche Nankee oder echte Neuengländer, der sich seiner Abkunft von den Pilgervätern der Puritaner rühmt, ist in seinem rauhen Lande mehr auf technische Gewerbe, Handel, Schiffahrt und Fischfang hingewiesen. In allen diesen Zweigen leistet er Ausgezeichnetes. Nirgends in den Vereinigten Staaten sind die Bildungsanstalten für das Volk so verbreitet und entwickelt, nirgends blüht Wissenschaft, Kunst und Unterricht mehr als in Neuengland, und nirgends herrscht im ganzen ein liberalerer Geist, neben oft engherziger Bigotterie, eine großartigere Auffassung der P ichten des reichen und gebildeten Bürgers gegen seine weniger gutgestellten Mitbürger, ein regerer Wetteifer in Förderung allgemeiner Bildungszwecke. Dabei ist der Nankee unermüdlich thätig, haushälterisch, erfinderisch und schlau, bedächtig und gemessen. Der Mehrzahl nach streng kirchlich, liebt er die staatliche Freiheit und die persönliche Unabhängigkeit über alles. In den mittlern und nordwestl. Staaten ist dieses Hankee-Element schon dadurch modifiziert, daß dort der Ackerbau Hauptgewerbe und die Volksmischung sehr beträchtlich ist. Große Strecken haben eine rein oder vorwiegend deutsche oder irländ. Bevölkerung, wie dies auch in den mittlern Staaten des Westens der Fall, die durch ihre Bodenbeschaffenheit zugleich auf Agrikultur und technische Gewerbe angewiesen sind. Diese Staaten im Stromgebiete des Mississippi bilden recht eigentlich das vermittelnde Band zwischen den verschiedenen Bestandteilen der Union. Sie haben als gemeinsame große Verkehrsader den Mississippi, stehen nach Norden und Süden hin in gleich beträchtlicher Handelsverbindung, eröffneten sich vielfache Wasser⸗ und Eifenwege nach der atlantischen Küste, erhielten eine bunte Bevölkerung aus allen übrigen Staaten und bilden nun den Schwerpunkt im Staatenbunde. Der Südländer, welcher sich zum Teil seiner Abkunft von den engl. Cavalieren des 17. Jahrh. rühmt und von Anhängern der bischöfl. Kirche abstammt, verleugnet zwar sein engl. Herkommen nicht, ist aber nicht so thätig, erfinderisch und sparsam wie sein nördl. Stammverwandter. Er nimmt alle Dinge mehr in großem Stile, hat den Anstrich und oft auch das Wesen eines Cavpaliers, ist tapfer, mütig, gastfrei, freigebig, aber leidenschaftlich, kleinempfindlich und zur Selbsthilfe geneigt. Der fleißige und rechtliche Mann trifft in den Vereinigten Staaten keine Schranke, die ihm hinderlich wäre, um alle seine Kräfte zu entfalten. Die Ansiedler fanden reines Feld und hatten mit keinen histor. Verhältnissen zu kämpfen, sie konnten sich 178 Vereinigte Staaten von Ame staatlich, kirchlich und gesellschaftlich nach Belieben einrichten und nahmen die nach ihnen kommenden Fremden willig auf. So wurde das Land binnen zwei Jahrhunderten zu einer Weltmacht ersten Ranges. Gleich andern jungen Nationen sind die nordamerikaner im Verkehr mit andern Staaten und mit Individuen anderer Völker äußerst rücksichtslos, und ihr Selbstgefühl artet leicht in grobe Selbstüberschätung aus. Der unleugbar großartige Drang des Nordamerikaners nach Entwickelung, das Vorwärtsstreben, bei dem es jeder dem andern zuvorthun will, das 4&60 aheado zeigt sich nicht selten fieberhaft. Im ganzen Leben des Volks ist etwas Nüchternes und Reserviertes, im geistigen Treiben vielfach noch etwas Unfreies und Unschönes. Dem Schul- und Unterrichtswesen wird in den Vereinigten Staaten große Aufmerksamkeit und Sorgfalt zugewendet, da man von dem Grundsatze ausgeht, daß in einer demokratischen Republik, in welcher ein beinahe uneingeschränktes allgemeines Stimmrecht gilt, der Bürger nicht ohne Schulbildung sein dürfe. Mit Ausnahme der zwei höhern Fachschulen zu Westpoint (für Landoffiziere) und Annapolis (für Seeoffiziere) übt die Bundesregierung keinerlei Art von Aufsicht über die öffentliche Erziehung aus. Das Unterrichtswesen ist vielmehr ausschließlich Sache der Einzelstaaten. Der Unterricht selbst trägt aber zumeist einen durchaus praktischen Zuschnitt. In den Volksschulen wird er unentgeltlich erteilt, und vielfach werden noch Schulbücher und Schreibegerätschaften dazu gegeben. Die Kosten bestreitet man vermittelst der Schulfonds, welche in den verschiedenen Gemeinden aus verschiedenen Einkünften gebildet worden sind, oder durch Steuerumlage. In den neuern Staaten ist überall von den öffentlichen Ländereien, welche der Bundesregierung gehörten, der 36. Teil für die Schulen bestimmt. Die gesamten Schulausgaben beliefen sich 1883—84 in den Staaten auf 100775512, in den Territorien auf 3174016 Doll. Während die schulpflichtige Bevölkerung auf 16 794 402 Seelen berechnet wurde, waren 10738 192 in den Schullisten eingetragen und 6693922 durchschnittlich Schulbesucher. Die Zahl der Lehrer betrug 307804. Zu den Elementarschulen kommen noch (1884): 304 Lehrerseminare, 293 Handelsschulen, 563 Kindergärten, 2446 Akademien, 284 Colleges für Frauen, 387Colleges und Universitäten, 94 wissenschaftliche,‚ 166 theologische, 54 Rechtsschulen, 156 medizinische, 37 Kunst-u. s. w. Schulen, 67 Taubstummen⸗, 32 Blindenanstalten, 17 Schulen für schwachsinnige Kinder, 685 Waisenhäuser, 77 Reformschulen. Von 36761607 Menschen im Alter von 10 J. und darüber konnten (1880) 4923451 nicht lesen und 6239958 (3019080 Weiße, 2255 460 Eingeborene, 736620 Fremdgeborene) nicht schreiben. Religion und Kirche. Eine Staatsreligion schie es in den Vereinigten Staaten nicht. Die gechichtliche Entwickelung war von Anfang an solcher Art, daß dergleichen eine Unmöglichkeit gewesen wäre. Denn ganz verschiedene, einander abstoßende und in Europa sich verfolgende kirchliche Parteien suchten auf nordamerik. Boden Zuflucht und hatten hier ein dringendes Interesse daran, mit ihren andersgläubigen Nachbarn in Frieden zu leben. Rur die neuengl. Puritaner zeigten sich im Anfange etwas verfolgungssüchtig. Die Verfassung der Union hebt in ihrem ersten Zusatartikel ausdrücklich hervor, daß sie keine Nationalreligion oder [2 erika (geographisch-statistisch) Staatskirche kenne oder anerkenne; sie sagt ausdrücklich, daß der Kongreß kein Gesetz geben solle über Einführung einer Staatsreligion oder die Ausübung einer Religion. Als eine natürliche Folge dieser Bestimmung erscheint es, daß man in den Vereinigten Staaten keinen Prüfungseid für Staatsbeamte kennt, daß somit der Staat und dessen Verwaltung aller kirchlichen Wirren und Konflikte überhoben und durchaus entrückt ist. Das Recht, Bürger zu werden, hat mit irgend einem, gleichviel welchem Glaubensbekenntnisse nicht das Allermindeste zu schaffen. Selbst Tausende von „Nichtsglauberno, von Mormonen und in Californien auch buddhistische Chinesen sind hiernach Vollbürger der Vereinigten Staaten, gleich den Juden und den Bekennern von vielleicht funfzig verschiedenen christl. Sekten oder Kirchen, die man im Lande nicht als solche, sondern als Denominationen bezeichnet. Trotz des bunten religiösen Farbenspiels und des allgemein gültigen Freiwilligkeitsgrundsatzes (voluntary principle), der jedermann ungehindert seiner religiösen überzeugung folgen, jede Sekte ihre Kirchen bauen läßt, ohne daß der Staat sich irgend darein mischt, herrscht doch im allgemeinen eine tiefernste Religiosität, die selbst unter streng kirchlichen Deutschen warme Anerkennung gefunden hat. Es hält schwer, auch nur annähernd zu bestimmen, wie viel Denominationen es gibt und wie viele Mitglieder jede einzelne zählt. Die folgende Tabelle ist den offiziellen Publikationen der verschiedenen Kirchen entnommen: Adpentisten .. 1880[ 800[ 600 70 000 Adventisten vom siebenten Tage 18So[ 640[ 14415 570 Baptisten 1881/26 06016 596/ 296 327 Baptisten vom siebenten Tag . 1880 944 110 8 539 Six-Principles-Baptisten. 1881 20 12 20⁰⁰ Christian-Connexion Episkopalisten, Protestanten 1881 3 000 3 432 338 333 Sutherauee Æ=UꝘr ; 1881½ 5 553/ 3 132 950 868 Methodisten, Church North ...1882/17 935ʃ4 658ʃ1 721 420 Böhmische Brüder 188⁰ 81 94 9491 Mormonen 1880 654½% 39060 110 377 Swedenborgianer 188⁰ 93 89 3 904 Reformierte (holländisch71882, 509 545 80 167 Römisch-Katholische 18850 6 626/ 7 043ʃ6 832 954 Vereinigte christliche Brüder . .881 4 52 2 196ʃ 157 835 Diese eigentümlichen religiösen und kirchlichen

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 175Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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