FeedVär (Väros, magyarisch)
ErdkundeBrockhaus 1882

Vär (Väros, magyarisch), soviel wie Stadt, häufig in zusammengesetzten Ortsnamen. Var (ital. Varo, bei den Alten Varus), bis 1860 Grenzfluß zwischen Frankreich und Italien, wie schon bei den Römern zwischen dem Cis⸗ und Transalpinischen Gallien, entspringt auf den Seealpen in 1800 m Höhe im Osten des Sees von Allos, nimmt links den Cians, die Tinse und Vesubie, rechts die Vaire und den Esteron auf und mündet nach einem Laufe von 135 km bei St.⸗Laurent 7 km südwestlich von Nizza ins Meer. Der V. ist nicht schiffbar, sehr reißend, zur Zeit der Schneeschmelze verheerend, außerdem ein seichtes, unbedeutendes Gewässer. — Nach dem lusse ist das Departement Var, eins der südöstlichsten Frankreichs, benannt, das aber jetzt, nachdem 1861 sein Arrondissement Grasse zu dem neugebildeten Departement der Seealpen geschlagen worden, ganz außerhalb dieses Flußgebietes liegt. Dasselbe ist aus Teilen der Provence gebildet, im Süden vom Mittelmeer, im übrigen von den Depart. Rhönemündungen, Nieder⸗ und Seealpen begrenzt und zählte 1881 auf 6027,3km 288577 E. Es zerfällt in die drei Arrondissements Draguignan, Toulon und Brignoles, die 145 Gemeinden in 28 Kantonen umfassen, und hat zur Hauptstadt Draguignau Strandseen und Sümpfen bedeckt, größtenteils aber felsig, steil, vielfach zersplittert und mit einer Menge von Vorgebirgen, Halbinseln, Reeden und Golfen ausgestattet. Auch wird die Küste von zahlreichen Inseln begleitet, unter denen die Hyerischen die wichtigsten sind. Hinter den Küsten erheben sich Hügellandschaften, weiterhin Verzweigungen der Seealpen, die gegen Norden ansteigen und zuletzt Gipfelhöhen von mehr als 1620 meerreichen. Zu den Merkwürdigkeiten gehört der Paß und das Felsenlabyrinth von Ollioules, Vaux d'Ollioules genannt, seltsam geformte, kahle Kaltfelsen, die den Anblick einer Stadtruine gewähren. Bewässerung geben der Verdon an der Nordgrenze, welcher in die Durance fällt, und der Küstenfluß Argens. Das Klima ist bei der südl. Lage des Landes durch die vorherrschende Gebirgsnatur und die Nähe des Meeres gemäßigt. Der eisige Mistral und alles erschlaffende Südwinde wirken mitunter nachteilig. Der Boden ist in den bewässerten Gegenden außerordentlich fruchtbar, im ganzen aber steinig, dürr und bietet dem Ackerbau große Schwierigkeiten. Der Getreidebau reicht für den Bedarf nicht hin. Reichern Ertrag gewährt die mühsame Terrassenkultur des Weinstocks, der viele, darunter gute Rot⸗ und Weißweine liefert, der Korinthe, der Olive, des Maulbeerbaums, verschiedener Obstsorten, des Kapernstrauchs u. s. w. Auf den Höhen finden sich Fichten⸗ und Eichenwälder, dazwischen gute Weiden, an den Abhängen Erdbeer⸗, Myrten⸗ und Jasminbäume, gegen die Küste hin Korkeichen, Kastanien, Orangen, selbst Palmen, Aloé und Kaktus. Man zieht Maulesel und Maultiere, Esel, Schafe, Ziegen, auch Rinder und Schweine, hält Bienen und sammelt Kermes. Wasser⸗ und Sumpfvögel gibt es in großer Menge, darunter ganze Scharen von Störchen, Kranichen, Reihern, Kropfgänsen, Flamingos, Löffelreiher. Das Meer und die Seen wimmeln von Fischen, namentlich Sardellen und Thunfischen. An den Küstenfelsen sitzen Millionen von Austern, andere eßbare Muscheltiere und Korallen. Der Bergbau ist von geringer Bedeutung; man baut Blei, Eisen und Steinkohlen, bricht Marmor, Porphyr, Alabaster, Granit, Serpentin etc. Bei Hyeres befinden sich wichtige Salinen. Die Industrie liefert Parfumerien, Seife, Liqueure, Korke, Eisen⸗, Thon- und Holzwaren, Papier, Leder und Seide. Sehr lebhaft ist die Fischerei und der Produktenhandel. Die bedeutendste Stadt ist Toulon.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 117Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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