FeedVaud (Pays de)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Vaud (Pays de), der franz. Name des schweiz. Kantons Waadt (s. d.). „Vandeville heißt in Frankreich eine eigentümlich nationale Gattung kleiner Lustspiele, in welchen abwechselnd gesprochen und gesungen wird. Bevor das V. Bühnenstück wurde, bezeichnete man damit satirische Gassenlieder. Der Name V. ist entstanden aus Val de Vire, d. i. Virethal in der untern Normandie, wo Olivier Basselin im 14. Jahrh. solche Lieder dichtete. Das erste 1790 in Paris für V. gegründete spezielle Theater erinnerte sich dieses Ursprungs, indem es das Publikum durch passend angebrachte Oppositionslieder erheiterte. Jedem Stück, das man spielte, ging ein einleitendes Couplet (couplet d'annonce) voraus, welches Tagesvorfälle behandelte. Das Stück endigte mit gleichartigen Couplets, welche die Schauspieler abwechselnd hersangen. Das erste Kaiserreich verbot dem V. die Politik. Das Theater mußte zu den damals sog. 4Galeriestücken seine Zuflucht nehmen. Duguesclin, Condé, Turenne, Corneille, Molière, Raeine, die Jungfrau von Orléans, Fanchon das Leiermädchen wurden als V. behandelt und bekannte Anekdoten zu Theaterstücken verarbeitet. Während der Restauration und der Julimonarchie änderte das Vaudevilletheater seinen Charakter. Es spielte kleine Komödien, selbst kleine Dramen und machte in beiden Gattungen viel Glück, verlor jedoch über dem Streben nach dem Sentimentalen und Pathetischen seinen jovialen Charalter. Seitdem ist das Sittenvaudeville unbedingt vorherrschend.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 131Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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