Veilchen (Viôla J.), die typische Gattung der Familie der Violaczae, perennierende Kräuter, von denen mehrere Arten wegen ihrer blumistischen Eigenschaften für die Gärten Bedeutung erlangt haben. Allen gemeinsam sind langgestielte fünfblätterige Blumen, deren unterstes Blatt in einen Sporn ausgeht. Bei manchen Arten treten nacheinander Blumen verschiedenartiger Bildung auf, normal entwickelte, aber unfruchtbare, später der Blumenkrone entbehrende oder höchstens mit bare winzigen Blättchen versehene, jedoch fruchtbare Blüten. Am meisten fallen diese Bildungsunterschiede bei dem Wunderveilchen unserer Laubwälder, V. mirabilis L., in das Auge. Die Blätter dieser Art sind während der Blütezeit dütenartig zusammengerollt. Die bleich-rötlichen oder lilafarbigen Blumen hauchen einen köstlichen Duft aus. Blüten zwiefacher Form hat auch das Märzveilchen, V. odorata L., die populärste aller Blumen, durch ganz Europa und Asien gemein, bald nach dem Schmelzen des Schnees von jung und alt an seinen Verstecken aufgesucht, in seinen verschiedenen Formen fast in allen Gärten angepflanzt, vielfach +* Treibkultur benutzt und ein gesuchtes Material für Bouquets und hierdurch ein wichtiges Obiekt gärtnerischer Betriebsamkeit geworden. Für den Winterflor vor allen andern geschätzt sind das ital. Treibveilchen, var. sempertloreus, das russ. Veilchen, var. rossica, Belle de Chatenay mit weißen, schwach mit violett gerandeten, sehr dicht gefüllten Blumen u. a. m. Schon seit langer Zeit hat man Spielarten mit gefüllten Blumen, blauen, weißen, roten und dreifarbigen. Neuern Ursprungs sind Crar mit sehr lang gestielten, sehr großen blauen und weißen, Queen mit gefüllten weißen, in der Mitte bläulichen Blumen, Victoria regina, das größte aller bekannten V., und einige andere. Das sog. Baumveilchen ist nicht sowohl Varietät, als eine dadurch künstlich herbeigeführte Form, daß man alle Ausläufer, Nebentriebe und Blüten des Stocks mehrere Jahre unterdrückt und den infolge dessen sich streckenden Stengel senkrecht aufbindet, der nun an seiner Spitze eine Blätterkrone und Blumen trägt. Andere einheimische Arten sind das Hundsveilchen (V. canina), das Waldveilchen (V. silvestris), das Sumpfveilchen (V. palustris), das Hornveilchen (V. cornuta) u. a., und an ausländischen Arten unterhält man in den Gärten das Canadaveilchen (V. canadensis), das Löffelveilchen (V. cucullata LIi.) u. a. Für die Gärten die wichtigsten der Arten ist das auf allen Äckern wildwachsende einbis zweijährige Freisamveilchen (V. arvensis) eworden, das durch die Kultur und in Gemeinschaft mit der verwandten V. altaica Pall. die V. tricolor, das Pen sée (s. d.), hervorgebracht hat. Hunderte von Varietäten, ausgestattet mit den feurigsten und zartesten Nuancen jeder Farbe und mit ind aus Ornamenten verschiedenartigster Form, sind aus der allmählich sich vollziehenden Vermischung der Nachkommenschaft dieser beiden Arten hervorgegangen. Die ansprechenden Zieraten der Blumen sind die Maske, eine auf der Mitte der Blumen liegende dunklere Zeichnung, das Auge EGar. oculata), je ein dunklerer Flecken auf zwei oder auf allen fünf Blumenblättern (var. Odier), Streifen, ein goldgelber oder ein silberweißer Saum u. s. w. Die sehr großblumigen Varietäten pflegt man als englische zu bezeichnen. Einige Spielarten haben einen Grad von Farbenbeständigkeit erreicht, der sie geschickt macht, in Teppichbeeten zur Bildung sharf abgesetzter weißer, gelber, bronzefarbiger, goldgelber, dunkelblauer Gar. Kaiser Wilhelm), schwarzer (var. Dr. Faust) Bänder verwendet zu werden. In der Regel säet man die Pensées Ende August aus, piquiert sie und pflanzt sie je nach Boden und Klima entweder schon im Herbst oder erst im Frühjahr an den Ort ihrer Bestimmung. Die perennierenden V. dagegen vermehrt man meistens durch Ausläufer.