FeedVerdammuis
HeilkundeBrockhaus 1882

Verdammuis (damnatio) bezeichnet in der dogmatischen Sprache den Zustand der durch Gottes ausge t von der Seligkeit nach dem Tode ewig ausgeschlossenen Gottlosen, der als ein Zustand nicht bloß geistiger, sondern auch leiblicher Aual in der Hölle (J. d.) geschildert wird. Der V. soll ein förmlicher Gerichtsakt Gottes beim Weltende (Weltgericht) vorhergehen, zu welchem Ende man gewöhnlich eine Auferstehung nicht bloß der Frommen, sondern auch der Gottlosen annahm. BVerdampfen, s. Verdunstung. Verdauung (digestio), in der Physiologie derjenige Prozeß, durch welchen die genossenen Nahrungsmittel zur Aufnahme in die Säftemasse des Körpers geschickt gemacht werden. Viele und darunter die wichtigsten Nahrungsmittel werden in fester Form genossen, in welcher sie nicht in die Ernährungsflüssigkeiten des Körpers (Blut, Chylus) übergehen können, sondern verdaut werden müssen. Die V. beruht im wesentlichen auf der Verflüssigung und chem. Umwandlung der Nahrungsmittel, die mit der mechan. Verkleinerung derselben in der Mundhöhle beginnt und durch die verschiedenartigen Verdauungsflüssigkeiten: den Mundspeichel, den Magensaft, Darmspeichel Darmsaft und die Galle bewirkt wird. Die bei der V. beteiligten Organe werden als Verdauungsorgane, ihre Gesamtheit als Verdauungsapparat bezeichnet. Der Mundspeichel, welcher sich den Speisen bereits beim Kauen derselben beimischt, durchfeuchtet den Bissen, macht ihn schlüpfrig, bewirkt aber auch zugleich die Umwandlung des Stärkemehls in Dextrin und weiterhin in Zucker. Im Magen (s d.) setzt sich die Wirkung des Speichels auf das Stärkemehl noch fort. Der Magensaft ist eine stark saure Flüssigkeit, welche, wie die andern Verdauungsflüssigkeiten, eine eigentümliche fermentartige Substanz (das Pepsin) enthält, durch deren Einwirkung, bei Gegenwart von Säure, die Eiweißkörper, Leimsubstanzen und leimgebenden Gewebe in flüssige Substanzen (Peptone) verwandelt werden. Auf die Fette, die dritte Klasse der Nahrungsbestandteile, übt weder der Speichel noch der Magensaft eine Veränderung aus. Aus dem Magen gelangt dann der Speisebrei (Chymus) in den Darmkanal und kommt hier zunächst mit dem Bauchspeichel und der Galle, sowie mit dem Darmsaft in Berührung, durch welche alle in ihm enthaltene freie Säure abgestumpft wird. Der Bauchspeichel teilt mit dem Darmsaft die Eigenschaft, Eiweißkörper in Peptone, Stärkemehl in Zucker überzuführen und die Fette in feine Verteilung zu bringen (zu emulgieren), zeichnet sich aber vor allen andern Verdauungssäften noch dadurch aus, daß er die neutralen Fette in ihre nächsten Bestandteile, in Fettsäure und Glyzerin, zerlegt. Wäre dies nicht der Fall, so würde die Aufsaugung der Fette durch die wässerig-feuchte Darmschleimhaut viel schwieriger. Die Fettsäuren aber, welche sich im Darm mit den vorhandenen Alkalien verbinden, bilden so in Wasser lösliche Seifen und gelangen dadurch leichter in das Blut und den Chylus. Unterstützt wird die Aufsaugung der Fette durch die Galle, weil diese wässerig-feuchte Häute für Fette benetzbar macht. Die nicht verdauten und nicht aufgesaugten Speisereste gelangen weiter in den Dickdarm, woselbst sie festere Form annehmen, um endlich in geformter Gestalt durch den After den Körper zu verlassen. Der Dünndarm hat aber noch eine weitere wichtige Bedeutung für die V. als die, die Stätte für die Auflösung der Nahrungsmittel abzugeben. Namentlich in seinem obern Abschnitt ist seine Schleimhaut in viele Falten ausgestülpt, die alle mit fast mikroskopisch kleinen . ½% ½½ Anhängen Gotten) besetzt sind. Dadurch gewinnt der enge Dünndarm eine viel größere Oberfläche, als er sonst haben würde, und diese Oberfläche ist allseitig mit verdauter Substanz umspült. Die blutreichen Zotten nehmen nun die verdaute (löslich gewordene) Substanz in sich auf, wobei sie durch eine besondere mechan. Vorrichtung unterstützt werden, daß sie die Iche aze ähnlich wie eine Spritze, in sich saugen, Jede einzelne Zotte enthält den Anfang eines ahm lusgefäßes, und diese Wurzeln setzen sich weiterhin in der Darmschleimhaut zu Stämmchen, diese endlich zu Stämmen zusammen, welche durch die Bauch- und Brusthöhle, von vielen Lymphdrüsen unterbrochen, ihren Verlauf nehmen, um zunächst ihren Inhalt in der Nähe des Herzens in das Blut zu ergießen. (S. Chylus.) Die Blutgefäße der Darmschleimhaut aber sammeln sich in der Pfortader, welche ihr Blut der Leber zuführt, wo also zunächst eine weitere Verarbeitung der verdauten Nahrung statthat. Nicht zu jeder Zeit sind übrigens die Verdauungsorgane im Stande, zu verdauen. Der Bauchspeichel wird es erst, nachdem der Magen schon eine lange Zeit in Thätigkeit war; der Magen sondert erst Verdauungsflüssigkeit ab, wenn Speise in ihn gelangt; die Leber endlich liefert erst Galle, wenn ihr bereits verdaute Substanz zugeführt wurde. Es ist zugleich begreiflich, daß die kranken Organe ihre Thätigkeit einschränken müssen. Der Magen übt z. B. seine volle Thätigkeit nicht bei Magenkatarrh, und bei Darmkatarrh ist sowohl die V. als die Aufsaugung gestört. Auch vermögen die Verdauungsorgane nicht jedwede Substanz aufzulösen. So verdaut der Mensch die Holzfaser (Cellulose) nicht, während dieselbe von pflanzenfressenden Tieren, insbesondere von den Wiederkäuern, sehr gut verdaut wird. Grüne Gemüse, Salat u. dgl. sind also für den Menschen keine wirklichen Nahrungsmittel, wiewohl sie durch Füllen des Magens das Gefühl der Sättigung hervorbringen und die eigentlich verdaulichen Substanzen in lockerer Form erhalten. Weichgekochte Nahrungsmittel verdauen sich leichter als harte, gequollenes Stärkemehl leichter als rohes. (S. Ernährung, Nahrungsmittel, Stoffwechsel.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 170Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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