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ErdkundeBrockhaus 1882

Vichy, Stadt und Badeort mit (1881) 8486 E., im Arrondissement Lapalisse des franz. Allier (Bourbonnais), 366 km von Paris, am rechten Ufer des durch zwei Hängebrücken über-Rundiie Allier, 240 meüber dem Meere, in einem reundlichen, durch mildes und gesundes Klima ausgezeichneten Thale, Station der Linie St.⸗ Germain des Fosses-Thiers der Paris-Lyon-Mittelmeerbahn, ist gegen Nordosten durch eine Pappelallee mit der Stadt Cusset verbunden. Die daselbst am nördl. Fuße des vulkanischen Auvergnegebirges aus Kalktuff entspringenden, dem Staate gehörigen alkalischen Heilquellen, waren schon den Römern unter dem Namen Aquae calidae bekannt, wie die überreste von Badebecken, Wasserleitungen, viele Münzen aus der Zeit der Kaiser Claudius und Nero beweisen, und gehörte damals zur Provinz Aquitania. Ihren europ. Ruf erhielten die Heilquellen erst, seit das schon 1784 begonnene Etablissement thermal 1829 vollendet wurde. Gegenwärtig ist der Ort das am meisten, besonders von der vornehmen Welt besuchte Bad Frankreichs. V. besteht aus zwei, durch eine breite Promenade, den Park, voneinander getrennten Teilen. Altvichy oder Vichy-la-Ville, an der Stelle der Römerstadt auf einer Anhöhe gelegen, zum Teil noch von alten Ringmauern und Türmen umgeben, ist ein finsterer Ort mit engen Gassen, dem Überreste (Glockenturm) eines von Ludwig II. von Bourbon erbauten festen Schlosses, der Pontaine des trois cornets (vom J. 1653) und einer alten Kirche u. s. w. Dieser Ort gehörte bereits im 12. Jahrh. zum Herzogtum Bourbon. Neuvichy oder Vichy-les-Bains enthält außer den Quellen und Badeetablissements die im roman. Stil erbaute neue Kirche St.⸗Louis mit polychromen Malereien im Innern, das neue Stadthaus, das neue Kasino mit Theater aus drei durch Arkaden verbundenen, 1860 — 65 von Badger errichteten Gebäuden bestehend, das stattliche Etablissement thermal, zwei Gebäude mit 106 und 180 Badekabinetten, Douchen u. s. w. und einer Anstalt zur Fabrikation des Vichysalzes, das Civilhospital und das Militärhospital. Parkanlagen umgeben das Ganze und ziehen sich längs des Allier hin. Von den Quellen fließen sechs natürlich hervor, fünf sind artesische; neun sind Staatseigentum, an die Kompagnie verpachtet, zwei Privatbesiz. Von den «Stadtquelleno haben La-Grande-Grille 41,87 C., Le-Puits-Carré 45“, Le-Puits-Chomel 44,7, die Hospitalquelle 33,3, die sechs andern 12 —29* C. Außerdem rechnet man zur Vichygruppe noch vier etwas entfernter liegende Quellen von 12—15 C. Alle zusammen geben in 24 Stunden 265000 1 Wasser, ungerechnet die beiden Quellen von Cusset. Das Wasser sämtlicher Quellen, das zum Trinken, Baden und Douchen benutzt, auch ins Ausland versandt wird, hat ein klares Aussehen, einen anfangs leichtsäuerlichen, dann etwas laugenhaften Geschmack. Seine Wirkungen beruhen auf dem starken Gehalt an kohlensaurem Natron, dessen Einfluß teils durch die hohe Temperatur und die beigemischte Kohlensäure, teils durch die Anteile von schwefel- und salzsaurem Natron, sowie durch das Eisen modifiziert wird. Im allgemeinen wirkt der Brunnen neutralisierend, verflüssigend, alterierend. Besonders empfohlen wird er gegen Verschleimung und Säurebildung im Magen und Darmkanal, gegen Gallenstein, Anschoppungen in der Leber, der Milz, dem Uterus u. s. w., gegen Blasenkatarrh, Harngries, gegen Gicht jeder Form, Skrofelkrankheiten, Chlorose und, in Verbindung mit ausschließlicher Fleischkost, gegen Diabetes. Vgl. Beaulieu, «Notice sur la ville et les antiquités de V.„ (Par. 1847); Seydel, Die natürlichen und künstlichen Heilwässer von V.v (Dresd. u. Lpz. 1841); Petit (Brunnenarzt in V.), Du mode d'action des eaux minérales de V. et de leurs applications thérapeutiqueso (Par. 1858); Piesse, V. et ses environso (Par. 1872); Grellety, V. et ses eauxo (Vichy 1877).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 247Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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