FeedVierwaldstättersee
ErdkundeBrockhaus 1882

Vierwaldstättersee (frz. Lac des quatre Cantons oder de Lucerne), der schönste Gebirgssee der Schweiz, liegt im Herzen derselben zwischen den vier Waldstätten Uri, Schwyz, Unterwalden und Luzern, nach denen er benannt ist. Seine Gestalt ist unregelmäßig, eine Gliederung von acht nach allen Richtungen der Windrose ausbuchtenden Seebecken, deren jedes seinen eigenen Charakter hat. Der südlichste Teil, der vom Uri-Rothstock überragte Urnersee, dessen steile Felsufer (Grütli, Tellsplatte am Axenberg) der klassische Boden der schweizer Heldensage sind, erstreckt sich zwischen den Ausläufern der Glarneralpen rechts und den Urner- und Unterwaldneralpen links von der Mündung der Reuß nördlich bis Brunnen, wo er durch eine Seeenge in das westlich gerichtete zwischen den Steilwänden des östl. Rigimassivs und den Unterwaldnerbergen gelegene Becken des Gersauersees übergeht. Eine nur 800 m breite Straße zwischen zwei vom Vitznauerstock und vom Bürgenstock vorspringenden Vorgebirgen, den beiden Maseno, führt aus diesem nördlich in den Weggisersee, der sich zwischen dem Rigi und dem Bürgenstock ausdehnt und von dem nordöstlich der Küßnachtersee, nordwestlich der Luzernersee, südwestlich gegen den Pilatus der durch die Seeenge von Stansstad in zwei Becken gegliederte Alpnachersee mit der Bucht von Winkel abzweigt. Diese vier Seearme bilden zusammen ein schieles Kreuz, dessen Mitte der Kreuztrichter heißt. Die Länge des Sees von der Mündung bis zum Ausfluß der Reuß beträgt 37 km, die größte Breite zwischen dem Hintergrunde des Alpnacher⸗ und des Küßnachtersees 17,5 km, die Breite der einzelnen Becken 1—5 km, die Größe 113 qkm, die größte Tiefe (im Urnersee) 205 m, die mittlere Höhe des Wasserspiegels über dem Meere 37 m. Das Wasser ist klar, im Urnersee von tiefgrüner Farbe, die seeabwärtssallmählich in Blau übergeht, reich an Fischen, namentlich Forellen. Die Temperatur beträgt in der Tiefe 46 C., an der Oberfläche im Sommer oft 18—25. Ganz zugefroren ist der See in der historischen Zeit nie. Bei Sturm, namentlich bei Föhn, zeigt sich der See, besonders der Urnersee, als einer der gefährlichsten Bergseen. Außer der Reuß nimmt der V. rechts die Muota, links die Engelberger und die Sarner Aa, sowie zahlreiche kleinere Wasser auf. Der Seever—⸗ kehr ist sehr lebhaft und wird auf den Dampferlinien Luzern-Flüelen, Luzern-Alpnach und Luzern-⸗ Küßnacht von 12 Dampfbooten und außerdem von zahlreichen Ruder- und Segelschiffen (Rauen) vermittelt. Die Fahrt von Luzern nach Flüelen, von den hügelumkränzten Ufern des Luzernersees bis zu der hochalpinen Umrahmung des Urnersees, ist mit ihrer Abwechselung anmutiger und großartiger, idyllischer und romantischer Scenerien und ihren von Ort zu Ort sich steigernden landschaftlichen Effekten vielleicht die schönste Seefahrt der Schweiz. Drei Eisenbahnlinien von Zürich, Olten und Bern erreichen bei Luzern den See; die Gotthardbahn folgt von Brunnen bis Flüelen dem rechten Ufer des Urnersees. Die Vitznaubahn dient dem Touristenverkehr des Rigi. Aus dem Berner Oberlande führt die Brünigstraße nach Alpnach und Luzern; dem Urnersee entlang zieht sich die Axenstraße, an welche sich bei Brunnen die rechtsuferige Straße über Gersau nach Vitznau und Weggis anschließt. Von den Uferorten sind zu nennen: Flüelen in Uri, Brunnen, Gersau und Küßnacht in Schwyz, Beckenried, Buochs und Stansstad in Nidwalden, Alpnachstad in Obwalden, Luzern, Vitznau und Weggis im Kanton Luzern. gl. Cysat, «Beschreibung des berühmten Luzerner-oder Vierwaldstätterseeso (Luzern 1661); Berlepsch,Luzern, der V. und die Urkantone (Luzern 1879); Hardmeyer, Der V. (Zürich 1884).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 259Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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