FeedWalensee
TierreichBrockhaus 1882

Walensee, auch Wallen- oder Walenstädtersee genannt, nächst dem Urnersee (s. Vierwaldstättersee) der wildeste Gebirgssee der Schweiz, liegt zwischen den Kantonen St. Gallen und Glarus 425 meüber dem Meere, ist 23 qkm groß, 272 mtief und erstreckt sich, bei einer Breite von kaum 2 km, 16 km lang von Ost nach West. Im Norden wird er von dem kolossalen Felsbau der Churfirsten eingeschlossen, deren mächtige kahle Kalkwand jäh, nur hier und da für ein Dörfchen oder einen Weiler Raum lassend, in die Tiefe des lauchgrünen Sees abstürzt. Das südl. Ufer, von den teils bewachsenen, teils felsigen Vorbergen der östl. Glarneralpen (Mürtschenstock 2442 m) gebildet, zeigt, obwohl auch hier die Felsen meist dicht an den See herantreten, im allgemeinen mildere Formen und wird von Laubwäldern (Edelkastanien) und freundlichen Dörfern belebt. Im Osten und Westen sind die Ufer, aus Schwemmland bestehend, flach und teilweise sumpfig. In das obere Ende des W. mündet die Seez aus dem Weißtannenthale. Die Bäche des Nordufers, der Berenbach u. s. w., stürzen in prächtigen Wasserfällen zum See herab. Von Süden her mündet die Murg aus dem romantischen Murgthal. In das untere Ende ergießt sich seit 1811 durch den Escher- oder Molliserkanal die Linth, welche durch den Linthkanal dem Zürichsee zugeleitet wird. Der W. wurde 1837—59 von Dampfbooten, jetzt nur noch von Fischerbooten befahren; die Schiffahrt auf demselben ist der häufigen Stürme wegen gefährlich; besonders gefürchtet ist der aus dem Linththale hervorbrechende Föhn, durch den in der Nacht zum 17. Dez. 1850 der Dampfer Delphin mit 13 Personen unterging. Die Dampfschiffahrt wurde eingestellt, als 1859 die Eisenbahnlinie Sargans-Wesen eröffnet wurde, welche dem südl. Seeufer folgt und hier auf einer Strecke von 17 Km neun Tunnel durchbricht. Von den Uferorten sind zu erwähnen die Städtchen Wesen und Walenstadt, sowie das malerische Dorf Murg, am Ausgang des Murgthals, mit dem Denkmal August Heinrich Simons (s. d.).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 404Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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