FeedVienxtemps (Henri)
MusikBrockhaus 1882

Vienxtemps (Henri), ausgezeichneter Violinvirtuos, geb. zu Verviers in Belgien 20. Febr. 1820, erhielt von seinem Vater den ersten Geigenunterricht, dann von einem gewissen Lecloux. Vereits im Alter von acht Jahren konnteer mit seinem Lehrereine Kunstreise durch Belgien unternehmen. Hierbei erregte er zu Brüssel das Interesse Beriots, der seine weitere Ausbildung übernahm. V. kam mit letzterm 1830 nach Paris, machte Kunstreisen und nahm bei Sechter in Wien theoretischen Unterricht, den er 1835 bei Reicha in Paris vervollständigte. In den J. 1846—52 hatte er eine feste Stellung in Petersburg als Kammervirtuos und erster Soloviolinist des kaiserl. Orchesters; sonst machte er Wanderungen als Virtuos. Seit 1866 wohnte er meistens in Paris. Er starb 6. Juni 1881 zu Mustapha Pascha bei Algier. Seine Leiche wurde nach Belgien gebracht und 28. Aug. 1881 zu Verviers beigesetzt. V. Spiel war durch breiten, gesangreichen Ton, Adel des Vortrags und glänzende Technik ausgezeichnet. Seine Kompositionen, Konzerte, Phantasien, Variationen, Capricen, Salon⸗ und Charakterstücke u. s. w. gehören zu dem Besten, was in neuerer Zeit für die Geige komponiert worden. Bieweg (Hans Friedr.), namhafter deutscher Buchhändler, geb. 11. März 1761 zu Halle, besuchte erst die Lateinische Schule des Waisenhauses, dann das Gymnasium seiner Vaterstadt, und kam, da die von den Eltern gewünschte theol. Laufbahn seiner Neigung nicht entsprach, in seinem 17. Jahre als Lehrling in ein Handelshaus nach Magdeburg. Doch kehrte er bald nach Halle zurück, wo ihn seine Bekanntschaft mit F. Nicolai zu dem Entschluß führte, Buchhändler zu werden. Seine Lehrzeit verbrachte er zu Halle und Berlin in den Buchhandlungen des Waisenhauses und ging dann als Gehilfe der Bohnschen Buchhandlung nach Hamburg, wo seine Freundschaft mit dem Buchhändler Hoffmann und der Familie Joachim Heinrich Campes (s. d.) für seine weitere Ausbildung von Einfluß war. Der kränkliche Buchhändler Mylius in Berlin vertraute ihm 1784 die Führung seines ganzen Geschäfts an und bestimmte ihn bei seinem bald darauf erfolgten Tode testamentarisch zum Verweser und Disponenten. Anfang 1786 begründete V. zu Berlin ein eigenes Etablissement. Zu seinen ersten Verlagsartikeln gehören die Schriften „F. Bahrdts, zu welchen unter anderm bald die „Merkwürdige Lebensgeschichte des Freyherrn von der Trencko kam. Die freundschaftlichen Beziehunaen zu Campe, der inzwischen nach Braunschweig berufen worden war, gaben Veranlassung zu manchen Unternehmungen und führten 27. Okt. 1795 seine Verheiratung mit Campes einziger Tochter Charlotte (gest. 22. Juli 1834) herbei. V. trat allmählich mit allen für die deutsche Litteratur jener Bie bedeutenden Männern in Verkehr; Herder, Wieland, Goethe gehörten zu seinen persönlichen Freunden. An Goethe zahlte er aus freien Stücken für Hermann und Dorothea ein Honorar von 1000 Dukaten aus. Als Geschäftsmann von unermüdlicher Thätigkeit, großer Umsicht und Ehrenhaftigkeit, erhielt V. vom Herzog Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig, der den Plan ge ese hatte, durch Begründung einer Buchhändlermesse und Buchhändlerbörse seine Residenz zum Centralpunkt des litterarischen Verkehrs in Deutschland zu erheben, die vertrauliche Aufforderung, eichen Er für die Ausführung dieses Plans einzureichen. that dies im J. 1801 und ließ sich auf den Wunsch des Herzogs bald darauf in Braunschweig nieder, wo er zu seiner eigenen Buchhandlung und Druckerei noch die bis dahin von seinem Schwiegervater Campe geführte «Schulbuchhandlunge (gegründet 1778) übernahm. Der Ausbruch des Kriegs zwischen Frankreich und Preußen (1806), sowie die ködliche Verwundung des Herzogs in der Schlacht bei Jena vernichteten jedoch all die großen Entwürfe, die V. nach Braunschweig geführt hatten. Seine entschieden deutsche Gesinnung setzte ihn auch manchen Verfolgungen der franz. Machthaber aus. Während der dem Buchhandel ungünstigen Zeit 1807—13 wendete er seine ganze Thätigkeit mit Erfolg auf Erweiterung und Verbesserung seiner Druckerei, der er auch eine Schriftgießerei und Spielkartenfabrik beifügte. V. war einer der wenigen Buchdrucker Deutschlands, welche zu jener Zeit ihren Druckwerken ein eleganteres und geschmackvolleres Außeres verliehen. Lebhafte Teilnahme an der durch das westfäl. Regiment zuerst gebildeten freiern Kommunalverwaltung zogen ihm in der Übergangsperiode zur alten rechtmäßigen Regierung mancherlei Unbilden zu, aus denen er jedoch siegreich hervorging. V.s ältester Sohn, Eduard V., geb. 15. Juli 1797, der den Buchhandel im väterlichen Hause und bei Hoffmann u. Campe im Hamburg erlernt hatte, trat 1825 als Associé in das Geschäft ein, das von nun an die Firma «Friedrich Vieweg u. Sohno erhielt. Die Sortimentsbuchhandlung wurde gemeinschaftlich unter der Firma „Schulbuchhandlungo weiter geführt. Seit 1826 fortwährend leidend, starb V. 26. Dez. 1835. Bereits 1834 hatte er das Geschäft seinem Sohne Eduard ganz übergeben, der es unter der bisherigen Firma Unter dessen Leitung vergrößerten sich allmählich sämtliche Geschäftszweige noch beträchtlich. Gegen das J. 1840 nahm der Viewegsche Verlag die Richtung auf die Naturwissenschaften an, welche auf die Entwickelung dieser Wissenschaften in Deutschland von bedeutendem Einfluß gewesen ist. So gehören zu der großen Anzahl naturwissenschaftlicher Verlagsartiklel Werke von Behr, Bischoff, Clausius, Ecker, Frerichs, Fresenius, Gorup-Besanez, Grisebach, Helmholtz, Henle, A. W. Hofmann, Knapp, Kolbe, Kopp, Liebig, Mohr, Müller, Otto, Reuleaur, Roscoe, Rose, Scheerer, Schoedler, von Siebold, Stöckhardt, Stohmann, Strecker, Valentin, Vogt, Weisbach u. a. Das «Handwörterbuch der Chemies, herausgegeben von Liebig, neu bearbeitet von H. von Fehling und nach dessen Tode fortgesetzt von Hell, ferner das «Handwörterbuch der Physiologies, herausgegeben von Rud. Wagner, gehören zu den bedeutendsten derartigen Unternehmungen. Seit 1886 erscheinen wöchentliche Berichte über die Fortschritte auf dem Gebiete der Naturwissenschaften unter dem Titel «Naturwissenschaftliche Rundschauv. Doch blieben auch andere wichtige Litteraturzweige nicht ausgeschlossen, wie die philol. Werke Ingerslevs, Madvigs, Papes, Zumpts, Hettners „Litteraturgeschichte des 18. Jahrh.r, die 1867 in den Viewegschen Verlag übergegangene Zeitschrift „Globusv, sowie zahlreiche belletristische Schriften etc. bekunden. Außer der Verlagsbuchhandlung und der Sortimentshandlung umfassen die Viewegschen Etablissements eine Buchdruckerei, eine Schriftgießerei, eine Stereotypengießerei, ein xylographisches und galvanoplastisches Atelier. Auch besteht unter der Firma „Gebrüder Viewego eine Maschweig, Eoumd in Wendhausen bei Braunschweig. Eduard V. beteiligte sich auch lebhaft und erfolgreich an den öffentlichen Angelegenheiten, als städtischer und ständischer Vertreter, als Mitglied des Erfurter Parlaments, als Mitbegründer der Braunschweigischen Bank u. s. w. Er starb 1. Dez. 1869. Nach seinem Tode ging die Firma auf seinen Sohn Heinrich V. (geb. 17. Febr. 1826) über, der 1. Jan. 1867 bereits als Associé in das Geschäft eingetreten war. BViga-Glumr, s. Glumr Eyjolfsson.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 261Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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