FeedVilla Carlotta
ErdkundeBrockhaus 1882

Villa Carlotta, s. unter Cadenabbia. Billach (slow. Belak, d. i. die weiße Stadt), Stadt im österr. Herzogtum Kärnten, an der Drau, unweit der Einmündung der Gail in reizender Gegend gelegen, an den Linien St. Valentin-Pontafel der Österreichischen Staatsbahnen und Marburg-Franzensfeste der Osterreichischen Südbahn, ist Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, sowie einer Betriebsdirektion der k. k. Osterreichischen Staatsbahnen und zählt (1880) 5406, als Gemeinde 6104 deutsche E. Die Stadt hat eine alte got. Pfarrkirche mit Marmorkanzel, schönen Grabmälern und alten Kirchenstühlen, ein Gymnasium im stattlichen städtischen Schulgebäude, ein Internat, eine Fachschule für Holzindustrie, ein Theater, ein Hospital und ein Standbild Hans Gassers. Die Fabrikindustrie erstreckt sich auf Glätte, Mennige, Schrot, Blei, Kompressionswaren. Außerdem besteht eine mechan. Papierfabrik, eine große Holzschleiferei und Pappenfabrik, eine Kärntner Holzindustriewerkstätte, zwei größere Brauereien, Erdfarben⸗, Cement⸗, Maschinen⸗, Kaffeesurrogat- und Lederfabriken. Der Handel mit den Produkten aus diesen Fabriken, lebhaft betriebener städtischer Gewerbe- und ein nicht unbeträchtlicher Fremdenverkehr bilden die hauptsächlichsten Erwerbsquellen ider Bewohner. In der Umgebung befinden sich Mühlen, Sägewerke, eine Metallwarenfabrik in Seebach, Marmorbrüche, Seebäder mit einem großen Hotel in Annenheim an den schönen Gestaden [des Ossiacher Sees und ein Mineralbad kbeständig von 29 C.), das stark besucht wird. In nächster Nähe befindet sich auch eine größere Kavalleriekaserne. Im Westen von V. liegt der berühmte Berg-Bleiberg (s. d.), woselbst man am bequemsten auf die 2154 m hohe Villacher Alpe (Dobratsch) aufsteigt, welche eine herrliche Aussicht bietet. Vgl. Noé, „V. und seine Umgebunge (Zür. 1882). V. ist wahrscheinlich das röm. Mansion Santicum. Unter der Herrschaft der bamberger Bischöfe, denen es 1007—1759 gehörte, war V. der wichtigste Handelsplatz Kärntens und ein Knotenpunkt für den Verkehr, besonders zwischen Deutschland und Venedig; 1759 kam V. durch Kauf an Osterreich. Im J. 1492 siegten daselbst die Deutschen unter Khevenhüller über die Türken unter Ali-Pascha, und 21. Aug. 1813 fand bei V. ein Gefecht zwischen Frimont und dem Vizekönig von Italien statt. Durch die Abtretung Venetiens an Italien 1866 ward B. zur Grenzstadt mit strategischer Bedeutung.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 266Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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