Vipern (Viperidae), eine über alle Weltteile verbreitete Familie höchst gefährlicher Giftschlangen, welche sich alle dadurch auszeichnen, daß sie in dem beweglichen Oberkiefer nur zwei sehr große, der Länge nach durchbohrte Giftzähne tragen, welche durch die Bewegung des Kiefers in der Ruhe in häutige Scheiden des Zahnfleisches zurückgeschlagen, beim Bisse aber nach vorn gerichtet werden. Sie haben einen breiten, glatten Kopf, kurzen dicken Leib und kurzen Schwanz, sind meistens träge und phlegmatisch, gereizt aber furchtbar schnell im Angriff, tückisch und boshaft. Man kann die Familie in zwei Gruppen teilen, die eigentlichen Vipern mit glattem obern Mundrand, und die Grubenvipern mit einer blinden, seitlichen Grube zwischen Nase und Auge. Zu letztern gehören die Klapper⸗, Lanzen⸗ und Mocassinschlangen; zu den erstern die Hornviper der Wüste (Cerastes) und die drei europäischen V.: die Sandviper (Vipera ammodytes) im südl. Rußland und den Ländern sudlich vom Balkan, die italienische Viper (V. Redii), südlich von der Alpenkette, und die Kreuzotter, Adder oder Kupferschlange, nördlich von den Alpen in Deutschland bis hinauf nach Schweden. Da die Kreuzotter, diese einzige Giftschlange Deutschlands, statt Schuppen Schilder auf dem Kopfe hat, so hat man ihr einen andern Gattungsnamen (Pelias berus; Tafel: Reptilien II, Fig. 11) gegeben. Sie wird höchstens Im lang und wechselt außerordentlich in der Färbung, vom hellsten Grau und Gelb durch Kupferrot bis Schwarz und in der Zeichnung von einem zusammenhängenden Zickzackbande auf dem Rücken bis zu einzelnen Flecken. Sie — helle, sonnige Standorte, trockene Lichtungen in Wäldern, Raine und Sandflecke, verkriecht sich unter Steinen und Wurzeln, liegt meist regungslos in der Sonne, wird bei Nacht lebhafter, ist sehr träge und phlegmatisch und beißt nur, wenn sie berührt oder sonst gereizt wird. Ihre Nahrung besteht aus Mäusen, kleinen Vögeln, Eidechsen, Fröschen. Sie gebärt lebendige Junge. Der Biß der V. kann, wenn das Tier groß ist, lange nicht gebissen hat, wenn das Wetter heiß und der Mensch erhitzt oder ermüdet ist, besonders aber je nach dem Teile, welcher gebissen wird, tödlich wirken, und man kennt Fälle von Tod nach Bissen in die Zunge, die Finger, die Füße. Schmerz, Geschwulst, Brand sind die örtlichen, Schwäche, Schwindel, Ohnmacht, Erbrechen, Fieber und Tod die allgemeinen Folgen des Bisses, der oft nach gänzlicher Heilung noch Taubheit des Gefühls und Lähmung im verwundeten Gliede zurückläßt. Das Gift wirkt nur, wenn es unmittelbar in das Blut gebracht wird, nicht aber im Magen oder Munde. Man muß also sofort das gebissene Glied unterbinden, um die Cirkulation zu hemmen, die Wunde erweitern, tüchtig ausbluten lassen, aussaugen, nötigenfalls ausbrennen. Ist das Gift schon in den Kreislauf übergegangen, so helfen besonders schweißtreibende und nervenstärkende Mittel, namentlich auch Alkohol. Durch einen Schlag auf Hals oder Rücken macht man die Schlange leicht wehrlos. Gewandte Fänger packen sie am Nacken mit den Fingern oder mit einem Stadt. Bich Stocke.