Spinnen (Araneidae) eine Unterordnung in der Klasse der Spinnentiere oder Arachniden (. d.), haben einen ungegliederten, mehr oder minder eiförmigen Hinterleib, welcher durch einen kurzen Stiel an das ebenfalls ungegliederte Kopfbruststück befestigt ist, zweigliederige Kieferfühler, deren klauenförmiges Vorderglied eingeschlagen werden kann, acht siebengliederige, mit zwei Endkrallen bewehrte Füße und sechs bis acht einfache Augen. Die Kiefertaster (Palpen) sind sechsgliederig und beim Männchen zu einem Begattungswerkzeuge umgebildet. Die Gestalt ist im ganzen bei allen ziemlich dieselbe und die Haut gewöhnlich dünn und weich, nur bei einigen ausländischen hart, wie bei der Stachelspinne (Gastracantha). Die Größe wechselt von 13 em bei den größten Vogelspinnen bis 4 bis 6 em bei den kleinsten S. anderer Gattungen. An der Wurzel der Kieferfühler liegt ein Gift bereitendes Säckchen, dessen Ausgangskanal sich in das sehr harte und spitze Endglied des Kieferfühlers fortsetzt; dieses Gift dient, die gefangenen Insekten durch den Biß sogleich zu lähmen oder zu betäuben. Die acht Füße der S. sind höchst eigentümlich gebildet und mit bei allen Arten verschiedenen Haken, Kämmen und Bürsten versehen, die zum Spinnen und Glätten des Fadens benutzt werden. Am Hinterleibe liegen die nur bei den Gewebespinnen vollständig ausgebildeten Spinnwarzen, vier bis sechs warzenförmige Vorsprünge, auf welchen die Spinndrüsen durch Hunderte feiner offnungen münden. Die Männchen sind stets kleiner als die Weibchen. Dem Menschen können nur wenige ausländische Arten durch ihren Biß schaden, denn was von dem Biß der südeurop. Tarantelspinnen erzählt wird, ist bloße Fabel; wohl aber erregt der Biß der großen Vogelspinnen bedeutenden Schmerz und auch Fieber, ohne jedoch lebensgefährliche Boigen nach sich zu ziehen. Doch hat man auch in der Neuzeit bei uns eine kleine, grüne, in Gebüschen lebende S. entdeckt, die sehr empfindlich beißt. Man teilt die S. in zwei Familien, die Vierlunger mit vier äußerlichen Luftlöchern und vier Lungensäcken, und die Zweilunger, mit zwei äußerlichen Luftlöchern und zwei Lungensäcken. Zu den Vierlungern, welche nur vier Spinnwarzen haben, gehören die Riesen der Ordnung, wie die Vogelspinnen (s. d., Mygale mit der südamerik. M. avicularia, Tafel: Spinnentiere und Tausendfüßer, Fig. und die Minier-oder Mauerspinnen (Cteniza, z. B. Ct. Jodicus, Fig. 10), die in senkrechten, selbstgegrabenen Höhlen leben, welche mit einem auf⸗ und zuüepen ze Deckel versehen sind. Die Zweilunger aben sechs Spinnwarzen und bilden zwei Gruppen, nämlich die Jagdspinnen (Vagabundae) und die Webspinnen (Sedentariae). Die Jagdspinnen teilt man ein in: a) Springfpinnen (Saltigradae), die ihre Beute bespringen (hierher die gemeine Harlekinspringspinne, Salticus scenicus, Fig. 11, s. Springspinnen), und in b) Wolfsspinnen (Citigradae), die laufend jagen; zu ihnen . die Tarantel (s. d.), die Höhlen bewohnende Wolfsspinne (Lycosa inquilina, Fig. 12) und das ziemlich seltene Astige Scharfauge (Oxyopes ramosus, Fig. 13). Die Webspinnen sind weit zahlreicher und bilden folgende Untergruppen: a) Krabbenspinnen (Laterigradae) spinnen mit wenigen en d. Blätter zusammen, haben einen krabbenähnlichen Habitus und laufen wie diese auch ern seitwärts; eine der gemeinsten, auf einheimichen Blumen lebende ist die Krummbeinige Krabbenspinne (Thomissus varius, Fig. 14), die in ihrer äußerst variabeln Färbung immer ihrer Umgebung angepaßt und dadurch nur schwer wahrnehmbar ist. b) Röhrenspinnen (Tubitelae) machen unter Steinen und in Mauerspalten dichte, röhrenförmige Gespinste; hierher gehört die steinbewohnende Sackferipin (Drassus lapidicola, Fig. 15) und die Waserspinne (s. d.). c) Ungleichweber (Inaequitelae) machen netzartige, unregelmäßige Gespinste, deren Fäden sich nach allen Richtungen kreuzen; von ihnen finden sich in Deutschland zahlreiche, aber meist kleine Arten. d) Radweber (Orbitelae), verfertigen kreisrunde, vertikal gestellte, lockere Netze, die aus einem System radiärer Strahlen und konzentrischer Ringe bestehen, in der Mitte sizt die Spinne. Hierher gehört die gemeine Kreuzspinne (s. d., Epeira diademata, Fig. 16). Die S. spinnen auch ihre Eier ein, ja viele tragen die so zu Stande gekommenen Ciersäckchen mit sich herum. Man hat es versucht, das Gewebe der S. und besonders gerade dasjenige, welches die Eier umgibt, zur Weberei zu benutzen, jedoch ohne praktischen Nutzen. Man bedient sich jetzt der Spinnenfäden nur noch zu Mikrometern in astron. Fernrohren; Spinnweb als blutstillendes Pflaster zu benutzen, ist bedenklich, da es meist nicht staubfrei ist. Eine ausführliche Darstellung der Arten der S. gaben Hahn und Koch, «Die Arachnideno (16 Bde., Nürnb. 1831—49). Vgl. noch Koch, aübersicht des Arachnidensystemsv (5 Hefte, Nürnb. 1837—47). „Spinnen (frz. fler, engl. spinning), im eigentlichen Sinne aus einem faserigen Material Fasern ausziehen und dieselben durch Zusammendrehen zu einem fortlaufenden Faden (Garn) vereinigen. Wenn zum S. nur einfache Hilfsmittel im Verein mit der Thätigkeit der Hände zur Anwendung kommen, heißt die Arbeit Handspinnerei, das Produkt Rer Rohn pinst; werden dagegen zur Reinigung der Rohfasern und zur allmählichen Her-Marg von Bändern, Vor⸗ und Feingespinst aschinen benutzt, so heißt die Arbeit mechanische Spinnerei und das Produkt Maschinengespinst. Über die mechan. Spinnerei s. Baumwollindustrie, Flachsspinnerei, Seide und Wollspinnerei. Die Handspinnerei wird entweder mittels der Handspindel (s. Spindel) oder mittels des Spinnrades ausgeführt. Das Spinnmaterial wird in n Rocken. lockerm Zustand an einem Stock, dem Rocken, befestigt, der entweder neben der spinnenden Person steht, oder im Gürtel derselben steckt, oder am Spinnrad angebracht ist. Beim Spinnen mit der Spindel zieht die linke Hand die Fasern aus und ordnet sie zur Bildung eines gleichförmigen Fadens nebeneinander, während die rechte Hand zur Bewegung der Spindel gebraucht wird. Die letztere hängt an dem an ihrer Spitze durch eine Schlinge befestigten Faden frei herab, wird nahe an der Spitze erfaßt und durch eine eigentümlich schnellende Bewegung rasch um ihre Achse gedreht, wobei der unten angebrachte zinnerne Ring als Schwungmasse wirkt und die Bewegung andauernder macht. Diese Spindelbewegung, durch welche die ausgezogenen Fasern ber Iade erhalten, wird so lange wiederholt, bis der Faden zwischen Rocken und Spindel diejenige Länge erreicht hat, über welche hinaus die rechte Hand weder den Faden derart zu halten vermag, daß die Spindel über dem Boden schwebt, noch sie weiter drehen kann. Alsdann wird die Garnschlinge von der Spindelspitze abgestreift und die Spindel in solcher Stellung in Umdrehung versetzt, daß der Faden oberhalb des Schwungrings aufgewickelt wird. Sobald dies großenteils geschehen ist, wird der — von neuem zur Spindelspitze geführt, die Schlinge gemacht und weiter gesponnen. Die Arbeit zerfällt demnach in zwei fortwährend abwechselnde Operationen: die Bildung des Fadens und das Aufwickeln desselben. (Auf dem gleichen Prinzip beruhen die Mulemaschinen und Selfactors der mechan. Spinnerei.) Das Spinnen mit dem Spinnrad unterscheidet sich von dem S. mit der Spindel im wesentlichen dadurch, daß die Bildung des Fadens und die Aufwickelung desselben gleichzeitig vor sich geht. Das gebräuchliche Spinnrad (Trittrad) erhält seinen Antrieb mittels einer Kurbel durch Trittbewegung, wobei zwei Schnurrollen in Thätigkeit versetzt werden, von denen die eine an der Spindel, die andere an der Spule sitzt, sodaß diese beiden Teile bewegt werden. Handräder, bei denen die in einem Gestell horizontal gelagerte Spindel durch ein von der Hand mittels Kurbel betriebenes Schnurrad in Rotation versetzt und an dieser Spindel ebenso wie an der Handspindel gesponnen wird, finden jetzt nicht mehr zum S., sondern nur noch zum Aufspulen von Garn (als Spulrad) besonders in der Handweberei Anwendung. Zum Ausziehen der Fasern können bei Benutzung des Spinnrades beide Hände verwendet werden, weshalb die Arbeit weit rascher als mit der Spindel fortschreitet. Der Faden geht durch das gebohrte Ende der Spindel, legt sich um den Flügel und geht von diesem zur Spule. Um die letztere der Dabichtns entsprechend möglichst gleichmäßig zu bewickeln, ist ein öfteres regelmäßiges Umlegen des Fadens in einem der nächsten Einschnitte am Flügel erforderlich. Da die Spulenbewegung stets durch die Fadenspannung geregelt werden muß, wird das Garn auf dem Spinnrad stärker beansprucht, als beim S. mit der Spindel, weshalb sich mit letzterer feinere, sowie auch weichere und geschmeidigere Garne herstellen lassen. Die Gleichförmigkeit des Handgespinstes hängt hinsichtlich der Fadendicke und des Drahts (der Drehungszahl) lediglich von der Geschicklichkeit des Arbeiters ab. Dieselbe kann durch Übung derart gesteigert werden, daß sich durch Handarbeit hochfeine Garne herstellen lassen; erst in neuester Zeit ist es gelungen, die Spinnmaschinen so weit zu vervollkommnen, daß auf ihnen ebenso feine Garne wie mit Spindel und Spinnrad erzeugt werden können. Die Erfindung des S. wurde von den Agyptern der Isis, von den Chinesen der Kaiserin Yao, von den Lydiern der Arachne, von den Griechen der Athene zugeschrieben. Schon beim Eintritt in die Geschichte war den genannten Kulturvölkern der Gebrauch der Handspindel bekannt, mit welcher noch jetzt in manchen Gegenden, namentlich in Italien, gesponnen wird. Jahrtausendelang machte die Kunst des S. keine Fortschritte. Erst 1530 erfand Jürgen, Steinmetz und Bildschnitzer in Watenbüttel bei Braunschweig, das Spinnrad, wie es, einige geringe Veränderungen abgerechnet, noch jetzt, besonders zum S. des Flachses, 4 sich durc ist. Ein gewaltiger Umschwung vollzog sich dur die Einführung der Spinnmaschinen, deren Entwickelung zu Anfang des vorigen Jahrhunderts begann. Die wichtigsten Erfindungen der Folgezeit waren die der Jenny-Spinnmaschine von Hargreaves (1767), die der Watermaschine von Arkwright (1775), die der Mulemaschine von Crompton (1779), die der Heilmannschen Konstruktion der bereits um 1789 entstandenen Kämmmaschine (1849). Zuerst benutzte man die Spinnmaschinen ausschließlich für Baumwolle, dann für Wolle, zuletzt fr Flachs, Hanf und Floretseide. Über S. des Glases s. Glasspinnerei. In der Nadelfabrikation nennt man Spinnen die Erzeugung ganz dünner Spiralen aus Messingblech, resp. Draht, die, in kurze Stücke zerschnitten, zur Herstellung der Stecknadelköpfe dienen.