Waadt oder Waadtland (Pays de Vaud), der 19. Kanton der Schweiz, wird im W. von den franz. Depart. Jura und Doubs, im N. von Neuenburg, dem Neuenburgersee und Freiburg, im O. von Freiburg, Bern und Wallis, im S. vom Genfersee und Genf begrenzt und umfaßt ein Gebiet von 3223 akm. Der Südosten des Kantons wird von den letzten Ausläufern der Berner⸗-und der Saanealpen durchzogen (Diablerets 3251 m, Dent de Moreles 2938 m, Vanil noir 2386 m, Dent de Vulpinit, Mineral, s. unter Anhydrit. Vulpius (Christian August), deutscher Schriftsteller, geb. 23. Jan. 1762 zu Weimar, wo sein Vater Amtskopist, später Amtsarchivar war, studierte in Jena und Erlangen, wurde 1797 Registrator an der Bibliothek zu Weimar, 1805 Bibliothekar, 1816 Rat. Er starb daselbst 26. Juni 1827. Mit lebhafter Phantasie und gewandter Feder schrieb V. eine große Menge von Schauspielen, Opern, Romanen, Erzählungen u. s. w. Zu diefen Unterhaltungsschriften gehört auch der berühmte Räuberroman «Rinaldo Rinaldini, der Räuberhauptmann» (Lpz. 1797; 5. umgearbeitete Aufl. 1823; 8. Aufl., Tangermünde 1858), der auch vielfach in fremde Sprachen übersetzt und das Vorbild zahlloser solcher Romane wurde. Seine Zeitschriften Kuriositäten der physisch-litterarisch-artistischhistor. Vor- und Mitwelte (10 Bde., Weim. 1810 —23) und Die Vorzeitv (4 Bde., Erfurt 1817—2ʃ) sind auch jetzt noch als Materialiensammlungen wertvoll, obschon mit Vorsicht zu benutzen. Vulpius (Johanna Christiana Sophia), Schwester des vorigen, Goethes Gattin, wurde 1. Juni 1765 zu Weimar geboren. Goethe lernte sie 178⁸ kennen, worauf er sie als Wirtschafterin in sein Haus nahm. Sie gebar ihm 25. Dez. 1789 seinen Sohn August, aber erst 19. Okt. 1806 ließ sich Goethe mit ihr in der Jakobskirche zu Weimar trauen. Sie starb 6. Juni 1816. Vyborns (czech., spr. Wübörnje), vortrefflich, ausgezeichnet, als Zwischenruf bei parlamentarischen Verhandlungen, soviel wie Bravo! Vysehrad, s. Wyschehrad. Jaman 1879 m), welche mit Ausnahme der felsigen, teilweise vergletscherten Grenzkette gegen Wallis meist den Charakter der Vor⸗ und Mittelalpen zeigen. Dor Westen wird von den parallelen Kalkketten des Jura (Mont-Tendre 1680 m, Döle 1678 m, Chasseron 1611 m, Dent de Vaulion 1486 m) eingenommen. Zwischen Alpen und Jura breitet sich vom Genfer⸗ bis zum Neuenburgersee die fruchtbare, gut angebaute Hochebene (Jorat 928 m) aus, die südlich mit den weinreichen Halden von Lacöte und Lavaux steil zum Genfersee abfällt. Die nördl. Hälfte des Kantons gehört zum Gebiet des Rheins, welchem ihre Gewässer, die Saane (s. d.) und die Orbe oder Thiele (s. d.) durch die Aare zugeführt werden; der Süden gehört zum Gebiete des Rhöne und des Genfersees, welchen die Grande Cau, die Veveyse und die Venoge zufließen. Von Seen sind außer dem Genfer- und Neuenburgersee zu erwähnen der von der Broye durchflossene Murtensee und im Jura der Joupfee. Die Höhendifferenz vom höchsten Punkte der Diablerets (3251 m) bis zum Spiegel des Genfersees (375 m) beträgt 2976 m. Nach der Höhe und Lage ist das Klima sehr verschieden. In Montreux (385 m über dem Meere) am Genfersee am Fuße der Alpen beträgt das Jahresmittel 10,3 C., das Wintermittel 2,, das Sommermittel 18,5 C.; für Ste.⸗Croix (1092 müber dem Meere) im Jura am Fuße des Chasseron sind die entsprechenden Zahlen 5,9, —1,4e, 13,7 C. Das mildeste Klima haben die reizenden und üppigen Ufergelände des obern Genfersees und die rechte Berglehne des Rhönethals. Der Kanton zählt (1880) 238 730 E., worunter 219063 Reformierte, 18170 Katholiken, 576 Israeliten, 557 Andersgläubige; 89 Proz. der Einwohner sind französischer; 9 Proz. deutscher, 2 Proz. italienischer, englischer etc. Zunge. Acker⸗ und Weinbau, in den Alpen und im Jura Alpwirtschaft sind die Haupterwerbsquellen. Etwa 21 Proz. des Areals entfallen auf Waldungen, 2 Proz. auf Rebland, 62 Proz. auf Ackerland, Wiesen, Weiden etc., 15 Proz. sind unproduktiv. Die eigentliche Zone des Ackerbaues ist die Hochebene des Gros de Vaud zwischen den Seen. Der Weinbau liefert namentlich zu Nvorne und Aigle im Rhönethal und am Genfersee (Lavaux und Lacöte) geschätzte Weißweine. Tabak wird an der Broye, bei Granson und Vevey gebaut. Nach der Zählung von 1886 besitzt der Kanton 15351 Pferde, 91030 Rinder, 48426 Schweine, 30213 Schafe, 15974 Ziegen, 27122 Bienenstöcke. Der Bergbau liefert Kochsalz bei Ber, Marmor bei St.⸗Triphon im Rhönethal, Braunkohlen im Lavaux, Bau⸗ und Mühlsteine am Jorat und im Jura. Die Gegenden um den Murten⸗ und Neuenburgersee sind reich an Torf. Von Mineralquellen sind die Schwefelthermen von Lavey und die Schwefelquellen von Alliaz und Mwerdon zu erwähnen. Die Industrie, welche 27 Proz. der Bevölkerung ernährt, ist vorzugsweise im Jura zu Hause und liefert Uhren (Val de Joux), Musikdosen (Ste.⸗Croix), Eisenwaren (Vallorbe); außerdem sind zu erwähnen die Cigarrenfabrikation von Granson und Vevey, die Chokoladenfabrikation von Lausanne und Vevey und die Milchverarbeitung von Vevey. Dem Handel und Verkehr dienen die Kantonalbank, die Hypothekarkasse und zahlreiche Privatbanken, ein reich entwickeltes Straßen⸗ und Eisenbahnnetz (Hauptlinien Genfchätel mit der Abzweigung der Jougnebahn, Lausanne-Freiburg-Bern mit den Zweiglinien Palesieux-Payerne-Lyß und Freiburg-Payerne-Mverdon) und die Dampferlinien der Seen. Die Hauptausfuhrartikel sind Wein, Vieh, Käse, Holz, Uhren, Spielwerke und Cigarren. Eine wichtige Erwerbsquelle ist der Touristenverkehr des Genfersees und des waadtländer Alpenlandes. Als klimatische Kurorte sind besonders bekannt Montreux und seine Umgebung, Ber und die Ormontthäler. Die wichtigsten Ortschaften sind die Hauptstadt Lausanne, die Städtchen Nyon, Morges am Genfersee, Mwerdon am Neuenburgersee, Moudon, Payerne und Avenches in der Hochebene. Die Verfassung (vom 1. März 1885) ist repräsentativ demokratisch mit fakultativem Referendum und Initiative für Gesetze u. s. w. und obligatorischem Finanzreferendum für Ausgaben von mehr als 500 000 Frs. Der Große Rat, je ein Mitglied auf 300 Stimmberechtigte, vom Volke gewählt, ist gesetzgebende, der Staatsrat vom Großen Rate gewählt, vollziehende Behörde. In administrativer Hinsicht zerfällt der Kanton in 19 Distrikte. Jeder Wahlkreis besitzt ein Friedensrichteramt, jeder Distrikt ein Bezirksgericht von fünf Mitgliedern. Letzte Instanz ist das Kantonsgericht. Über Kriminalfälle urteilen die Geschworenen. Die Landeskirche ist reformiert; neben derselben besteht eine ebenfalls reformierte pietistische Freie Kirche Conversations-Lexikon. 13. Aufl. XVI. Eglise libre). Die Katholiken stehen unter den Bischöfen von Lausanne (Freiburg) und Sitten. Neben den obligatorischen Primärschulen und zahlreichen Sekundärschulen und Privatinstituten bestehen als höhere Lehranstalten in Lausanne eine Akademie mit theol., jurist. und philos. Fakultät, eine höhere Industrieschule und je ein Seminar für Lehrer und Lehrerinnen. In militärischer Beziehung gehört der Kanton zu den Stammbezirken der 1. und 2. Division. Hauptwaffenplatz ist Biere. Die Staatsrechnung für 1884 weist bei 4960 747Frs. Einnahmen und 4861 651 Frs. Ausgaben ein Staatsvermögen von 21054 637 Frs. und Passiven von 13 669360 Frs. auf. Das Wappen ist ein weiß-grün quergeteilter Schild mit der goldenen Inschrift Liberté et Patries im weißen Felde. Geschichte. Wie die vielen Pfahlbauten der Seen beweisen, war die W. schon vor der Römerzeit besiedelt; 58 v. Chr. kam sie durch den Sieg Julius Cäsars bei Bibracte mit dem übrigen Helvetien unter röm. Herrschaft und Aventicum, das heutige Avenches, war Hauptstadt des Landes. Im 3. und 4. Jahrh. mehrmals von Alamannen verwüstet, wurde die W. im 5. Jahrh. von Burgundionen in Besitz genommen und kam mit dem burgund. Königreiche 534 unter fränk. Herrschaft, 888 an Hochburgund und mit diesem 1032 an das Deutsche Reich; 1265 wurde sie von Graf Peter von Savoyen erobert und blieb unter savoyischer Herrschaft bis zu den Burgunderkriegen, in welchen Bern 1475 das waadtländ. Alpengebiet eroberte und 1476 Orbe, Echallens und Granson lals gemeine Herrschaft mit Freiburg) erwarb. Der Rest der W. kam 1536 durch Eroberung an Bern und wurde von da an durch bernische Landvögte als Unterthanenland regiert. Der Versuch des Majors Davel 1723, die W. von der bernischen Herrschaft zu befreien, scheiterte an der Apathie der Bevölkerung und erst 1798 riß sich das Land mit Hilfe der franz. Invasion von Bern los und erklärte sich zu einem eigenen Freistaat, der Lemanischen Republik, die aber noch in demselben Jahre als Kanton Leman der Helvetischen Republik beitrat. Durch die Mediationsakte von 1803 wurde die W., unter Herstellung des alten Namens, als selbständiger Kanton der schweiz. Eidgenossenschaft einverleibt und gab sich eine repräsentativ-demokratische Verfassung, welche 25. Mai 1831 in demokratischem Sinne revidiert wurde. Die schwankende Haltung der Behörden in der Frage der Jesuiten-Ausweisung führte 1845 zu einer unblutigen Revolution, infolge deren die Regierung gestürzt und die Verfassung von 1831 revidiert wurde. Weitere Verfassungsrevisionen, stets in demokratischem Sinne, fanden 1861, 1872 (fakultatives Referendum) und 1885 (Progressivsteuer) statt. Im Sonderbundskriege 1847 stand die W. auf der Seite der Eidgenossenschaft und nahm 1848 regen Anteil an der Umgestaltung der Schweiz aus einem lockern Staatenbund in einen Bundesstaat. Seit 1848 aber befindet sich der Kanton in einer eigentümlichen Doppelstellung. Während die liberal-konservative Partei sich einer mäßigen Stärkung der eidgenössischen Centralgewalt im allgemeinen nicht abgeneigt zeigt, entwickelt die herrschende radikale Partei, die in kantonalen Dingen durchaus fortschrittlich ist, dem Bunde gegenüber einen stark ausgeprägten Kantonalismus und macht, um die Stärkung der Centralgewalt zu verhindern, nicht selten mit den konservativ-ultramontanen Kantonen gemeinsame Sache. Die Bundesrevision von 1872 fand keine eifrigern Gegner in der Schweiz als die radikalen Waadtländer und wurde denn auch in der W. mit erdrückender Mehrheit verworfen, während das Revisionsprogramm von 1874 infolge einiger Konzessionen an die Kantone mit 26204 Ja gegen 17362 Nein angenommen wurde. Auch die Bundessubvention für den St. Gotthard hatte ihre erbittertsten Gegner in der W. Vgl. Olivier, «Le canton de Vaud (Lausanne 1837); Vuillemin, „Der Kanton W. (St. Gallen 1847); Verdeil, IUlistoire du canton de Vaudo (Lausanne 1856); Martignier und Crousaz, DDictionnaire historique etc. du canton de Vaud (Lausanne 1867).