FeedWalken
Sitten & ModeBrockhaus 1882

Walken (frz. foulage; engl. fulling, milling), eine Operation, mittels deren man Wollfasern oder andere tierische Haare, die entweder durch bloßes Zusammendrücken (vgl. Filz- und Filzhutfabrikation) oder durch Weben (ogl. Tuchfa brikation) lose vereinigt sind, durch andauerndes Quetschen, Knoten und Zusammenschieben in einen fest zusammenhängenden, dichten, filzartigen Stoff verwandelt. Während in der Filz- und Filzhutfabrikation das W.oder Filzen noch jetzt großenteils durch Handarbeit geschieht, sind hierzu in der Tuchfabrikation ausschließlich maschinelle Vorrichtungen gebräuchlich. N der Tuchfabrikation hat das W. den Zweck, dem Tuch seine eigentümliche Beschaffenheit zu geben, indem die Härchen des lose gesponnenen und locker verwebten Garns einander genähert und derart ineinander verschlungen werden, haft sie vermöge ihrer rauhen Oberfläche aneinander haften. Die verwendeten Maschinen sind eigentliche Walkmühlen, Hammerwalken und Walzenwalken. Die eigentlichen Walkmühlen oder Filzmühlen, aus gewöhnlichen Stampfwerken bestehend, unter welchen in Trögen das zu bearbeitende Zeug liegt, sind jetzt fast gar nicht mehr im Gebrauch, weil ihre Leistungsfähigkeit gering ist und sie den Stoff leicht beschädigen. Die Hammerwalken oder Walkhämmer sind schwere hölzerne Hämmer, die mittels einer Daumenwelle gehoben werden und beim Niederfallen durch ihr Gewicht auf das in einem offenen Behälter liegende durchnäßte und zusammengefaltete Zeug wirken, wobei dasselbe zugleich regelmäßig gewendet wird, um überall gleichmäßig bearbeitet Ie werden. Die durch Stoß wirkenden Hammerwalken, Stoßwalken, deren Anwendung nur für ganz schwere Stoffe vorteilhaft ist, verschwinden mehr und mehr aus den Tuchfabriken und werden durch Druck- oder Kurbelwalken ersetzt, welche in ihrer Konstruktion der Hammerwaschmaschine (s. unter Waschmaschinen) gleichen, weshalb auch öfters Tuche und tuchartige Stoffe in der Walke gewaschen werden. (S. unter Appretur.) Am weitesten verbreitet sind jetzt die ebenfalls durch Druck wirkenden Walzenwalken, durch welche das Verfilzen in energischer und zugleich schonender Weise befördert wird. Dieselben bestehen im wesentlichen aus mehrern hintereinander, am zweckmäßigsten abwechselnd horizontal und vertikal gelagerten hölzernen Walzenpaaren, zwischen denen das an beiden Enden zusammengenähte Zeug der Länge nach hindurchläuft, wobei das Andrücken teils durch Federn, teils durch Gewichte bewirkt wird. (Vgl. Appretur.) Das W. geschieht entweder bei gewöhnlicher Temperatur (Kaltwalken) oder mit Hilfe einer Temperaturerhöhung (Warmwalken). Im erstern Fall füllt man den Walktrog mit kaltem Wasser oder feuchtet auch nur den Stoff mit solchem an; im zweiten Fall verwendet man lauwarmes Wasser. Das für feine Tuche gebräuchlichere Kaltwalken erfordert längere Zeit als das Warmwalken; dafür ist aber die Verfilzung vollständiger und gleichmäßiger, während ein auf warmem Wege gewalkter Stoff zwar auf der Oberfläche dicht, im Innern jedoch nur in geringem Grad verfilzt und daher lockerer und dünner ist. Die zum W. dienende erweichende Flüssigkeit wird durch Auflösen verschiedener Substanzen, namentlich sog. Walkerde (fetter Thon), in Wasser hergestellt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 408Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 6

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Sitten & Mode 6