FeedWarunsdorf
ErdkundeBrockhaus 1882

Warunsdorf, Stadt in der böhm. Wu,nahs der mannschaft Rumburg, an der Mandau, nahe der bahn Grenze, Knotenpunkt der Böhmischen Nordbahn (Linie Kreibitz-W.) und der Sächsischen Staatsbahn (Linie Bischofswerda-⸗Zittau), hat ein Bezirksgericht, eine Fachzeichen-Webschule, ein Waisen⸗ und Krankenhaus und zählt (1880) 15 162 E., welche große Leinen- und Baumwollwarenfabriken unterhalten und starken Handel treiben. Warpen heißt ein Schiff mit Hilfe von Ankern vorwärts bewegen (im Hafen, auf Reeden oder sonstigen seichten Gewässern). Man bringt zu diesem Zwecke einen leichten Anker (Warpanker) mit einigen hundert Metern Tau nach der gewünschten Richtung aus und zieht das Schiff mit Menschenkraft oder Ankerwinden dorthin, um eventuell in dieser Weise fortzufahren. Warragal, s. Dingo. Warragonggebirge oder Australische Alpen, s. unter Australien, Bd. II, S. 258. Warrant (engl.), ein Schein, der über eine bestimmte, in einem Lagerhause aufbewahrte Ware ausgestellt ist und im Verkehr diese Ware dergestalt repräsentiert, daß dieselbe durch übertragung des W. (mittels Indossierung) verkauft und durch Verpfändung desselben auch zur Beschaffung von Lombardkredit henutzt werden kann. Dieses wichtige Hilfsmittel zur Erleichterung des Warenumsatzes und Warenkredits ist zuerst in den englischen Docks (daher Dock-Warrant) bei Einfuhrwaren in ausgedehntem Maße zur Anwendung gekommen. Der Käufer erhält dort bei den großen Auktionen nach einer Abschlagszahlung zunächst nur eine sog. Weight note und der W. wird ihm erst nach vollständiger Zahlung eingehändigt. Von Hionen Wichtigkeit sind in Schottland die W. über Roheisen, das in privaten Lagerhäusern liegt und einen Gegenstand ausgedehnter Spekulationen bildet. In Frankreich wurden zuerst w1848 sog. Magasins généraux errichtet, die nach dem Gesetz von 1858 über jede eingelagerte Warenmenge zwei Scheine ausgeben, ein Récépissév, durch dessen Indossierung die Ware verkauft wird, und ein speziell W. genanntes «Bulleétin de gagen, das zur Verpfändung derselben (ebenfalls mittels Indossierung) dient. Nach der ersten Indossierung hat dieses W. vollständig den Charakter eines Wechsels. Auch in Ssterreich, Ungarn, Italien, Holland, Belgien gibt es ausführliche gesetzliche Bestimmungen über die W. und Lagerhäuser, während in Deutschland dieser Gegenstand nur ganz kurz im Handelsgesetzbuch (besonders Art. 302) berührt ist und ein eigentliches Warrantgesetz nicht besteht. Vgl. Hecht, „Die W.v (Stuttg. 1884). Warreh oder Wari, Stadt in Benin (s. d.). Warren (Samuel), engl. Romanschriftsteller und Rechtsgelehrter, geb. 23. Mai 1807 zu Racre in Denbighshire (Wales), bezog 1826 die Universität Edinburgh, ging w1828 nach London, wo er im Inner-Temmie die Rechte studierte, und trat 1831 als Privatkonsulent (Special Pleader) auf. In „Blackwood's Magazines erschienen 1830 die ersten Kapitel seiner Passages from the diary of a late physiciano, die w1832 als Werk herauskamen und sich durch Lebendigkeit der Darstellung, Naturwahrheit und psychol. Interesse auszeichnen. Für dieselbe Zeitschrift begann er 1839 den Roman Ten thousand a yearo, sein populärstes Werk. Nach längerer Pause ließ W. 1847 den Roman Now and theno (3 Bde.) erscheinen, der aber das Publikum nicht ganz befriedigte. Unterdessen hatte W., seit 1837 als Barrister, seine amtliche Thätigkeit fortgesetzt und erlangte 1851 die Würde eines Queen's Counsel. Vom Ministerium Derby ward er 1852 zum Syndikus (Recorder) von Hull ernannt; 1856 und 1857 wurde er ins Parlament gewählt, resignierte aber schon 1859, als der konservative Lordkanzler Chelmsford ihm das Amt eines Master in Lunacy (d. h. eines Richters in dem besonders für Verhandlungen über die Fälle von Irrsinn bestimmten Gerichtshofe) übertrug. Er starb zu London 29. Juli 1877. Verdienste als jurist. Schriftsteller hat W. sich besonders durch die Popular and practical introduction to law studieso und (Blackstone systematically abridgedo (Lond. 1857) erworben, die nicht nur in England, sondern auch in Amerika als Lehrbücher geschätzt sind. Außerdem veröffentlichte er 1853 die in der litterarisch-philos. Gesellschaft zu Hull gehaltene Vorlesung: «The intellectual and moral devrelopment of the present agev. Eine Auswahl seiner kleinern Schriften erschien 1854 unter dem Titel Miscellanies, critical, imaginative and juridicab; eine People's Editionv seiner belletristischen Werke erschien 1853—54 in 18 Bänden. Warrington, Parlamentsborough, Municipal- und bedeutende Fabrikstadt in der engl. Grafschaft Lancaster und Chester, am Flusse Mersey, durch einen Kanal mit Liverpool und Manchester verbunden, bedeutender Eisenbahnknotenpunkt der London and North-⸗Westernbahn, liegt in einer dicht mit Fabriken bedeckten Gegend. Der Ort hat enge Straßen, auf dem Marktplatze alte bemerkenswerte Holzhäuser, ein Rathaus, eine Markt-und zwei Tuchhallen, ein Zellengefängnis, eine Lateinschule, ein Handwerkerinstitut, ein Museum und eine Kupferstichschule und zählt (1881) 41 456 E., welche in 140 Fabriken und 100 Werlstätten Baumwoll⸗ und Glaswaren, Maschinen, Feilen und Handwerkszeug, Seile, Leim, Papier, eiserne Dampfschiffe u. s. w. fabrizieren und mit den Erzeugnissen dieser Industrie, sowie mit Malz und Flachsfabrikaten bedeutenden Handel treiben. Nur 11 km nordwestlich liegt Saint-Helens (s. d.). Warschau (poln. Warszawa, frz. Varsovie, engl. Warsay), Hauptstadt des ehemaligen Königreichs Polen, jetzt des russ. Generalgouvernements der Weichsellande und des Gouvernements W., am linken Ufer der schiffbaren Weichsel, ist Sitz des Generalgouverneurs des Königreichs, der zugleich Generalkommandant der Truppen des Polen umfassenden (fünften) warschauer Militärbezirks ist, eines Civilgouverneurs, Generaloberpolizeimeisters, Stadtpräsidenten, Kurators des warschauer Lehrbezirks, einer Oberrechnungskammer, Gerichtskammer, sowie des röm.⸗kath. und des griech.⸗-orthodoxen Erzbischofs, des luth. und reform. Konsistoriums für Polen. Die Stadt besteht aus der Altstadt und der Neustadt, sowie einer Anzahl Vorstädte, und ihr Gesamtumfang beträgt 20 Em. ne 1876 vollendete Eisenbahnbrücke e Weichsel. Die Stadt hat sich in eit ungemein verschönert. Die hölze erschwinden immer mehr, und W. ge en Stadtteilen, wie der Krakauer stungswerken nur an ihrem untern 35 erbaute, umfangreiche Alexanderse dem Monument Alexanders I.) und a 1 Stromufer unterhalb Pragas ei rückenkopf (Fort Sliwicki) mit Montal ürmen; 1883 wurde jedoch ein Krat schobenen Außenwerken in Angriff dieser detachierten Forts sind für da r das rechte Weichselufer (Pragaer Sei »n der großen Weichselbrücke haben die rchschnittlichen Abstand von 5—7 1 Marsfeld und 12 öffentliche Plätze,! e eiserne und 4554 Häuser. Mit Pappeln oder Kastanien besetzt führen über Promenaden sind die sehr lange und breite Jerosi der neuesten mer Allee und die Ujasdower Allee. Von den öffent ernen Häuser lichen Spaziergärten ist der Sächsische Garten, 1721 hört in man⸗ vom König August II. (Kurfürst von Sachsen) an Vorstadt, der 91120 unstreitig eine der schönsten Anlagen dieser zu den schön-Art in Europa. An denselben stößt der Sächsische uten und im-Platz mit einem marmornen Obelisk zu Ehren der aß bisher an 1830 dem russ. Kaiser treu gebliebenen Polen. Der opographische Lage von Warschau. nde die 1832 zweite öffentliche Garten, der Krassinslische, ist nur citadelle (mit halb so groß als der Sächsische. Eine dritte Anlage zuf dem rech-Wist der 1867 eröffnete Konstantinsche Square. Alle inen starken drei Spaziergärten sind mit Springbrunnen, die lembertschen beiden ältern auch mit Mineralwasseranstalten verinz von vor⸗ sehen. Vom Platze Sigismunds III. (mit dem genommen; ehernen Standbilde dieses Königs) hat man eine 's linke, vier schöne Aussicht auf die neue eiserne Brücke und das ite) geplant. königl. Schloß. Letzteres ist das größte und schönste e Forts einen Gebäude W.s. Auch der Theaterplatz gewährteinen m. W. hat herrlichen Prospekt auf das Theater und das Rat8 Thore undhaus. Den kleinern Platz an der Ausmündung der Krakauer Vorstadt in die Neue Welt schmückt die Marmorstatue des Kopernikus von Thorwaldsen (seit 1829); vor dem Radziwillschen Palais (jetzt Bureau des Civilgouverneurs) steht die Marmorstatue des Fürsten Paskewitsch. Das königl. Schloß ist ein zweistöckiges Quadrat, das auf einer die Weichsel beherrschenden Anhöhe steht, von Sigismund III. erbaut ward, aber den Königen August II. und Stanislaw August seine Pracht verdankt. Das Schloß enthält prächtige Säle, den frühern Senatorensaal, die ehemalige Landbotenstube mit Gemälden und Skulpturwerken, eine Bibliothek, das poln. Archiv, und stößt an einen schönen Garten und den Dom. Ferner sind zu erwähnen der Sächsische Palast nebst Garten, wo die beiden Auguste Hof hielten, der ehemalige Brühlsche Palast, den Großfürst Konstantin bewohnte, ferner das SquarzowschePalais, das Palais des Statthalters, das des das Aunuire das Grodzickische, das Krassinskische, das August-Potockische, das Uruskische, das Kasmirowstische Palais (1818 —29 Universität, dann Hauptschule, seit 1869 wieder Universität); ferner der Palast der ehemaligen Philomathischen Gesellschaft (1831 von der russ. Regierung konfisziert und seit 1864 russ. Gymnasium), die beiden Andreas Zamoyskischen und das Kossakowsche Palais auf der Neuen Welt u. s. w. Am Südende der Stadt liegt das Lustschloß Belvedere, einst Asyl des Grafen von Provence (Ludwigs XVIII.) und Sommeraufenthalt des Großfürsten Konstantin, mit engl. Park. Unter den öffentlichen Gebäuden sind noch hervorzuheben die Bank, mit der daranstoßenden, aber 1865 aufgehobenen Schatzkammer; die Post, das Rathaus, das umfangreiche Theaterpalais, zwei Theater enthaltend; das Mostowskische Palais (bis 13. Juli 1868 Sitz der Kommission des Innern), das Primassowsche Palais, das Appellationsgericht u. s. w. Von den zahlreichen milden Stiftungen verdienen besonders die Hospitäler Zum Kindlein Jesu für 800 Kranke, mit einem Findelhause, des Heiligen Geistes, des heil. Rochus, des heil. Lazarus (für Syphilis), des heil. Johannes (für Geisteskranke), das evang. und das israel. Hospital, das Kleinkinderkrankenhaus, der Wohlthätigkeitsverein, das Taubstummeninstitut, die Irrenanstalt, das ophthalmolog. Institut u. s. w. Erwähnung. An gottesdienstlichen Gebäuden besitzt W. 21 kath. Kirchen, 2 russ.⸗ griech., 2 luth. Kirchen, sowie 1 große Synagoge und eine reform. Kirche (1879—82 gebaut). Die ausgezeichnetsten Kirchen sind: die 1360 gegründete kath. Kathedrale St. Johannis in der Altstadt, mit dem königl. Schlosse durch Korridors verbunden, zwei schöne Gemälde und Gräber berühmter Polen enthaltend; die 1842 vollendete prachtvolle griech. Kathedrale, die in modernem Stil aufgeführte, ziemlich in der Mitte der Stadt gelegene luth. Kirche, eins der vorzüglichsten Gebäude der Stadt; die Heilige-Kreuzkirche, 1695 vollendet, mit herrlicher Fagade und schönen Gemälden; die 1681 erbaute Kapuzinerkirche mit dem prachtvollen Marmordenkmal Johanns III., die Alexanderkirche und die ganz neue große Kirche Allerheiligen. „An wissenschaftlichen Anstalten besitzt W. zunächst eine Universität, die, 1816 gegründet, 1832, wo sie bereits 6—700 Studenten zählte, aufgehoben, aber durch Reskript vom 11. Sept. 1864 wiederhergestellt wurde. Sie hat vier Fakultäten (medizinische, juristische, philologische und physiko-mathematische) und wird von 800 bis 900 Studenten besucht. Zu derselben gehören (1832—64 der Stadt überlassen) die Bibliothek (72716 Werke in 120 673 Bänden, 497 Handschriften u. s. w.), 16 Museen und Laboratorien, die Sternwarte (38 41 25“ östl. L. von Ferro und 51 14 nördl. Br.), der botan. Garten. ie Polytechnische Schule und mehrere andere Institute sind längst eingegangen, 1861 auch die Kunstschule und das 1816 gegründete Institut für Landwirtschaft und Forstwesen geschlossen worden. Sonst bestehen zu W. noch neben den Elementarschulen 6 Gymnasien, 1 Realgymnasium, 2 Progymnasien, 1 städtische Schule, 1 Lehrerseminar, 4 weibliche Gymnasien, 1 Progymnasium, 1 Veterinärschule und 1 Zeichenschule, außerdem 1 Handelsakademie und das 1860 von Kontski begründete Konservatorium, die permanente Bilderausstellung der Gesellschaft zur Beförderung der schönen Künste u. s. w. W. ist der Hauptsitz der wissenschaftlichen Bildung für ganz Polen. Die Zahl der Einwohner belief sich 1820 auf 104346, 1850 auf 163 301 und 1886 auf 431864 E., darunter 255 892 Katholiken, 17492 Protestanten, 11957 griech. Katholische, 146 246 Juden. Die Lage der Stadt inmitten des Kontinents im Knotenpunkte wichtiger Eisenbahnen läßt noch ein weiteres Aufblühen von Fabrikthätigkeit und Handel erwarten; 1848 wurde die Warschau-Wiener Bahn, 1856 die Linie nach Lodz und Bromberg, 1862 die Petersburger, 1867 die von dem Bankier Kronenberg angelegte Linie Warschau-Terespol und 1877 die von demselben ausgeführte Weichselbahn (Kowel-Mlawa) eröffnet. Die Warschau-Wiener und Warschau-Petersburger Bahn wurden 1867 mittels einer durch die Stadt laufenden Pferdebahn unmittelbar verbunden; seit einigen Jahren durchkreuzen die Stadt neu eingerichtete Pferdebahnen. „besitzt (1877) 243 Fabriken mit 12226 Arbeitern, welche für 21135 129 Rub. produzierten, vorzüglich Tabak, Branntwein, Bier, Ol, Wagen, musikalische Instrumente, Maschinen, Gold- und Silberwaren, Gas, chem. Fabrikate, Seife, Tuch, Hüte, Strümpfe, Handschuhe, Möbel, Leder. Die Stadt hat wöchentlich große Getreide⸗, Vieh- und Pferdemärkte, jährlich einen bedeutenden Wollmarkt und zwei Messen. Dies, die Vorzüge als Hauptstadt, die Lage an der schiffbaren Weichsel und im Centrum der Landstraßen und Eisenbahnen machen W. zum Mittelpunkte des ganzen poln. Binnenhandels, den außerdem eine Filiale der Russischen Reichsbank, die Warschauer Handelsbank, die Discontobank, die Börse, die Kredit:, Assekuranz- und andere Anstalten begünstigen. Die Bank unterstützt zugleich den Bergbau und die Landwirtschaft. Eine warschauer Aktiengesellschaft hat die Weichseldampfschiffahrt ins Leben gerufen. Die unmittelbare Umgebung der Stadt ist mehr durch Kunst als von der Natur ausgestattet und bietet eine Menge Vergnügungsorte, Villen, Lustschlösser, Gärten und Parkanlagen dar. Unweit der Stadt liegen der Lustort Lazienki, in dessen Park mehrere kleine Paläste und das kaiserl. Lustschloß Lazienki erbaut sind, einst Sommeraufenthalt des Königs Stanislaw August: der Kaninchengarten oder Krölikarni, ein Tiergarten mit der gleichnamigen geschmackvollen Villa, die eine sehr bedeutende Bildergalerie enthält; Mokotöw mit einem großen Garten, Teichen und schönen Sommerhäusern, und das Dorf Wola (s. d.). Ferner 7 km von der Stadt das Wäldchen Marymont mit einem Palast; das Dorf Willandw (s. d.); das Dorf Bjelany an der Weichsel mit einem Camaldulenserkloster in einem schönen Walde; das schöne Dorf Jablonna an der Weichsel mit einem Park und Schlosse, einst dem Fürsten Joseph Poniatowski gehörig. W. wird urkundlich erst 1224 erwähnt, erscheint aber 1339 bereits ummauert und war meistenteils die Residenz der Herzöge von Masovien bis zu deren Erlöschen 1526. Um 1550 nahm es König Sigismund II. August zu seiner Residenz, und seit 1573 wurden bei dem nahen Wola die Könige von Polen erwählt. Aber erst 1609 ward es durch Sigismund III., statt Krakau, das dessenungeachtet auch später die Krönungsstadt blieb, förmlich zur königl. Residenz erhoben, an die sich fortan die meisten denkwürdigen Begebenheiten des poln. Reichs knüpften. Im Aug. 1655 ergab sich W. an Karl X. Gustav von Schweden, ward dann im folgenden Jahre von König Johann Kasimir wiedererobert, ergab sich aber zum zweiten mal durch Kapitulation infolge der Niederlage dieses Königs in der 28. bis 30. Juli 1656 vor W. gelieferten großen dreitägigen Schlacht gegen Karl X. und dessen Bundesgenossen, den Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg. Unter den sächs.⸗ poln. Königen wurde W. durch neue Prachtbauten und den Luxus des oft hier residierenden Hofs sehr verschönert und belebt, litt aber dafür während des Nordischen Kriegs ungemein, indem es bald von den Sachsen und Polen, bald von den Russen oder den Schweden besetzt war. W. sah sich 1764 74 und wiederum 1793 von den Russen besetzt. In dem Aufstande vom 17. bis 18. April 1794 wurde die russ. Besatzung niedergemetzelt und vom 9. Juli bis 6. Sept. 1794 die Stadt von den Preußen vergeblich belagert; sie kapitulierte aber 5. Nov. nach der blutigen Erstürmung von Praga (s. d.) an die Russen unter Suworow. Durch die dritte Teilung Polens ward W. preußisch und blieb es bis 1806, wo es 28. Nov. die Franzosen besetzten. Seit dem Tilsiter Frieden galt W. als Hauptstadt des nach ihm benannten Herzogtums. Am 8. Febr. 1813 nahmen es die Russen in Besitz. Die große poln. Revolution begann mit dem Aufstande von W. 29. Nov. 1830 und endete mit der Bestürmung der Stadt am 6. und 7. und mit der Kapitulation 8. Sept. 1831 an Paskewitsch. In der neuern Zeit wurden 11 W. wiederholt diplomatische Konferenzen gehalten. Warsch. 1867); Weinert, «Starozytnosci War-Saawyn (3 Bde., Warsch. 1854); Jaworski, Kalendarz Ilustrowany (Warsch. 1868—76). auf 14562 akm 1343024 C. undzerfällt in 13 Kreise. — Das Herzogtum Warschau wurde 1807durch diejenigen Teile des ehemaligen Polen gebildet, die im Frieden zu Tilsit von Preußen abgetreten werden mußten, jedoch mit Ausnahme von Bialystock, das an Rußland kam. Das Herzogtum umfaßte anfangs 101 866 qkm mit 2200 000 E. und war in die Depart. Posen, Kalisch, Plock, W., Lomza und Bromberg geteilt. Durch den Wiener Frieden von 1809 kam noch Westgalizien dazu, das Ssterreich abtreten mußte. Letzteres wurde in die Depart. Krakau, Radom, Lublin und Siedlee geteilt, und das Herzogtum umfaßte nun 154 176 akm mit 3780000 E. Zum Herzog von W. ernannte Naö poleon I. den König Friedrich August von Sachsen, der es aber schon Ende 1812 infolge der Vernichtung der Franzosen in Rußland und Polen verlor.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 444Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 1

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6