Wasserorgel ist eine Erfindung der Griechen. Was die Griechen Hydraulos oder Hydraulikon organon, die Römer Hydraulus nannten, ist die Orgel in primitivster Gestalt. Der Wind war auch hier, wie bei jeder Orgel, die Hauptsache, das Wasser nur Nebensache. Die Einrichtung der Heronischen W. war folgende: ein eherner Kasten von der Größe einer Kommode ist unten mit Wasser gefüllt. In das Wasser ist eine hohle Halbkugel so gestellt, daß das Wasser im Boden durch die Halbkugel fließt. Der obere Teil der Halbkugel ist leer und diente zum Aufnehmen der einströmenden, verdichteten Luft. Aus der Halbkugel wieder münden zwei Röhren aus; die eine geht nach oben in die Windlade, die andere, nach unten gebogen, mündete in eine einfache Kompressionspumpe. Vermittelst letzterer wurde verdichtete Luft in die Halbkugel geführt; das in der Halbkugel befindliche Wasser diente nur dazu, das Übermaß von eingeführter Luft zusammenzuhalten und Luftstöße zu mindern. Die verdichtete Luft entwich endlich durch die nach oben führende Röhre in die Windlade. Die W. hatte nur ein Register, mithin nur eine Pfeifenreihe, welche auf kastenförmige Sffnungen gesetzt wurden. Der Pfeifenfuß wurde durch einen Schieber abgesperrt; wurde derselbe aufgezogen, so strömte die Luft in die Pfeife und dieselbe klang. Daß die Alten eine Art von Tastatur hatten, um die Schieber schreit vor⸗ und rückwärts zu bewegen, ist aus der Beschreibung sicher anzunehmen. Weit künstlicher war die verbesserte Vitruvische W. Die Kompressionspumpe war weit sicherer und luftdichter angefertigt, die Windlade wurde für zwei bis drei Register hergestellt und wies infolge dessen mehrere Kanäle auf. An jedem Kanal befand sich ein Handgriff, der den Kanal sofort öffnete oder schloß: die Pfeifenlöcher endlich wurden durch eine Art Schleife geöffnet und verschlossen. Die Pfeifen selbst standen auf eingeleimten eisernen Ringen. Der Ton der W. war ein weit lieblicherer, wie der Ton der Windorgeln zu jener Zeit. Kaiser Nero ließ der W. zu Ehren eine Denkmünze prägen.