Waterhouse (Alfred), engl. Architekt, geb. 19. Juli 1830 in Liverpool, trat 18436 in das Geschäft eines der ersten Architekten in Manchester, wo er bis 1853 seinen Beruf theoretisch und praktisch studierte. Nachdem er Italien bereist, begründete er seinen Ruf durch einen Plan für den neuen Assisengerichtshof in Manchester, mit dem er 1859 bei einer öffentlichen Bewerbung den Preis davontrug. Diesem großartigen Gebäude schloß sich bald darauf das Grafschaftsgefängnis an. Später wurde ihm der Neubau von Balliol-College in Oxford und von Cajus-College in Cambridge übertragen. Von andern unter seiner Leitung ausgeführten großen Bauten sind besonders zu erwähnen das Pembroke-College in Cambridge, das neue Rathaus in Manchester, das Owen's-College in Manchester, die neuen naturgeschichtlichen Museen in South-Kensington in London und die Landsitze Heythrop in Orfordshire, Caton-Hall in Cheshire und Iwerne-Minster in Dorsetshire. W. ist einer der hervorragendsten Vertreter der Gotik in England und Vizepräsident des Royal Institute of British Architects. Im J. 1878 wurde er von der königl. Akademie der Künste zum Associate gewählt. Provinz Brabant, an der Straße von Charleroi nach Brüssel und der Linie Brüssel-Luttre der Belgischen Staatsbahnen, 15 km südsüdöstlich von Brüssel, am Eingange des Waldes von Soignes, hat Zucker⸗ und chem. Fabriken. Der Ort ist in der Kriegsschichte denkwürdig durch die Schlacht von Waterloo, welche Napoleon I. hier in der Umgegend 18. Juni 1815 gegen Wellington und Blücher verlor, und die dem ersten franz. Kaiserreiche ein Ende machte (s. den nachstehenden Plan). Die Engländer benannten die Schlacht vom 1—* W., weil Wellington daselbst sein Hauptquartier hatte; die Franzosen bezeichneten sie nach dem Dorfe Mont-St.⸗Jean, dem Schlüssel der brit. Stellung; die Preußen gaben ihr den Namen vom Meierhofe Belle-Alliance, wo die franz. Mitte stand. Nachdem Wellington am Morgen des 17. Juni die Niederlage der Preußen bei Ligny und deren Abmarsch auf Wavre erfahren, brach er um 10 Uhr von Quatre-Bras auf, wo er während der Schlacht von Ligny mit Ney gekämpft hatte, und nahm eine Stellung zwischen dem Städtchen Braine-la-Leud und dem Meierhofe Papelotte. Die Zusicherung Blüchers, daß ihn derselbe im Falle eines Angriffs von seiten Napoleons mit seiner ganzen Macht unterstützen würde, bestimmte ihn. in dieser Stellung zu verharren. Napoleon hatte 17. Juni Grouchy mit 34000 Mann zu spät Verfolgung Blüchers abgeschickt, während er selbst mit der Hauptmacht auf Frasnes ging und sich dort mit dem Korps Neys vereinigte. Er meinte Wellington im Rückzuge nach Brüssel begriffen; als er denselben aber in Stellung fand, beschloß er, anzugreifen. Die brit.⸗niederländ. Armee unter Wellington zählte bei W. 67 600 Mann (darunter 30000 Deutsche, 24000 Briten, 13000 Holländer) mit 13000 Pferden und 180 Geschützen; sie war bereits am Morgen des 18. Juni in Schlachtordnung aufgestellt. Drei engl. und zwei niederländ. Divisionen unter den Generalen Alten, Collaert und Chassé, die vor dem Dorfe Mont-St.⸗Jean standen und auch die weiter vorliegende Meierei La-Haye-Sainte an der Straße von Charleroi besetzt hielten, bildeten die Mitte unter dem Prinzen von Oranien. Der rechte Flügel, aus zwei engl. Divisionen und der Division Braunschweig bestehend unter Cook und Clinton, wurde von Lord Hill befehligt und lehnte sich an die Straße von Nivelles; Schloß Hougomont war stark besetzt. Der niederländ. Division unter den Generalen Lambert und Perponcher, dehnte sich bis La-Haye und Papelotte aus; die Reserve stand hinter Mont-St.⸗Jean. Die Streitkräfte Napoleons bestanden aus drei Infanteriekorps, zwei Kavalleriekorps und den Garden und zählten 72000 Mann mit 15000 Pferden und 246 Geschützen. Um 10 Uhr morgens am 18. nahmen die Franzosen ihre Schlachtstellung ein. Ihre Mitte stand am Meierhofe Belle-Alliance; ihr linker Flügel reichte bis an die Straße von Nivelles; der rechte zog sich bis zum Dorfe Frischermont. Erst um 11½ Uhr gab Napoleon das Zeichen zum Angriff. Derselbe begann auf dem linken franz. Flügel, wo sein Bruder Hieronymus das Gehölz von Hougomont angriff. Der Kampf um das von Braunschweigern und Nassauern hartnäckig verteidigte Schloß und Park Hougomont verzögerte den Hauptangriff gegen den linken engl. Flügel allzu lange; siebzig Geschütze leiteten diesen ein. Dann stiegen vier große Angriffsmassen, ijede aus einer ganzen Division gebildet, in den Thalgrund hinab. Hier entbrannte der Kampf zuerst um die Meierei La-Haye-Sainte, während drei jener Massen den jenseitigen Thalrand erstiegen. Diese wurden mit schwerem Verluste durch das Feuer der brit. Infanterie abgewiesen; 16 engl. Schwadronen verfolgten sie unter Somerset und Ponsonby bis über den Grund, wurden aber drüben von franz. Reiterei umfassend angegriffen und verloren die Hälfte ihrer Mannschaft. Da ließ Napoleon durch Ney einen Massenangriff von zwei Kürassierdivisionen (40 Schwadronen) unter Milhaud auf die engl. Mitte unternehmen, um diese zu durchbrechen. Der Angriff wurde mit Ungestüm bis in die brit. Stellung hinein durchgeführt, scheiterte aber an dem Nahefeuer der brit. Infanterie. Auch ein zweiter Angriff Kellermanns mit 77 Schwadronen, obwohl mehrmals heldenmütig wiederholt, glückte nicht, weil ihn Napoleon nicht mit Infanterie unterstützen konnte. Dagegen ging gegen 5½ Uhr nachmittags La-Haye-Sainte verloren. Schon vorher hatten sich in der rechten Flanke der franz. Aufstellung preuß. Abteilungen gezeigt. Napoleon glaubte aber nicht, daß die Armee Blüchers bereits wieder schlagfertig sein könne, und hielt die bemerkten Abteilungen für wenig bedeu⸗ gel, das 1. Kot tend. Um 4½ Uhr brach aber Bülows Korps bei länder in die L Frischermont aus dem pariser Hölzchen hervor, Erscheinen bel und Napoleon, welcher dies noch immer für ein sogleich die v vereinzeltes Detachement hielt, schickte zuerst nur Thalgrunde ar das 6. Korps entgegen. Als sich aber noch mehr Befehl zum al feindliche Streitkräfte dort entwickelten, ließ er auch dem abgeschle die Junge Garde dorthin abrücken, mit welcher die franz. Infante Preußen lange um das Dorf Planchenois kämpf⸗ lerie einhieb. ten. In der Front setzte Ney die Schlacht nach derschon im Rücke Niederlage der Kavallerie fort. Um 7 Uhr, da Preußen erstür alles darauf ankam, die Briten vor Ankunft der und beschossen! Preußen zu vernichten, ordnete Napoleon den Wilhelm eilte Hauptschlag mit Aufbietung seiner letzten Streit⸗ folgung vor. kräfte an. Auch die Alte Garde, seine letzte Re⸗ stürzte sich in serve, wurde dazu vorgezogen; nur ihr 1. Grena⸗ Nur vier Gard dierregiment blieb auf der Höhe bei dem Meierhofe vorhergehenden La-Belle-Alliance stehen. Wellington, dessen Heer St. -Jean behar kaum noch 30000 Kampffähige zählte und ermattet in Ordnung zur war, befand sich in der bedenklichsten Lage. Den-Napoleon ritt noch hielten seine Truppen noch jenem IA mit seiner Gart Stand, und nun rückte auch Blüchers rechter Flü-ergriff den Zi rps (Zieten), auf dem linken der Eng-Schlachtlinie ein. Die Preußen, deren lebend auf die Briten wirkte, grisfen verloren gegangenen Meierhöse im n. Wellington gab seinem Heere den Ügemeinen Vorrücken gegen die nach agenen Angriff ziemlich aufgelöste erie, auf welche nun die brit. Kaval-Wenige Minuten später wurde, halb en Napoleons, Planchenois von den rmt. Batterien fuhren jenseits auf die Franzosen in der Flanke. Prinz mit der ganzen Kavallerie zur Ver-Alles vom rechten franz. Flügel wilder Flucht nach Belle-⸗Alliance. debataillone, welche sich bei ihrem uAngriff auf dem Plateau von Montuptet und von da nach Belle-Alliance rückgezogen hatten, standen noch fest. in eins ihrer Vierecke und wollte de sterben, aber der Marschall Soult ügel seines Pferdes und riß ihn gewaltsam mit sich fort. Bald wurde auch das letzte Viereck gesprengt, und die Verwirrung der fliehenden Franzosen 2% alles, was bisher derart esehen worden. Kavallerie, Infanterie, Geschütze, Pahrzenge aller Art mischten sich in wüstem Haufen. Gegen 9 Uhr abends trafen die beiden siegenden Feldherren auf der Höhe von Belle-Alliance zusammen. Gneisenau setzte sich an die Spitze der Verfolgung, die nach seinem Berichte emit dem letzten Hauch von Menschen und Pferden» geführt wurde und unerreicht in der Kriegsgeschichte dasteht. Diese ungesäumte Verfolgung vollendete die Niederlage Napoleons, der weder die Flüchtigen zu Genappes sammeln, noch Nachricht von dem ihm unbekannten Schicksal Grouchys einziehen konnte. Die Flucht ging über Charleroi und Philippeville nach Laon, wo sich gegen 2000 Mann wieder sammelten. Die Franzosen verloren während der Schlacht 35000 Tote und Verwundete, 6000 Gefangene und auf der Flucht alles Geschütz und Gepäck. Selbst der kaiserl. Wagen mit vielen Schätzen wurde zu Genappes durch schles. Schützen erbeutet. Das brit.⸗niederländ. Heer hatte 16000, das preußische 6000 Mann, die Verbündeten überhaupt 1120 Offiziere und 20877 Mann verloren. Zu Ehren des Sieges erhielt Wellington den Titel Fürst von Waterloo. In der Kirche zu W. befinden sich viele Denkmäler gefallener engl. Offiziere. Zur Erinnerung an die Schlacht wurde vom Prinzen von Oranien und der niederländ. Armee ein 60 m hohes Denkmal in Form eines Hünengrabes südwestlich bei Mont-St.⸗Jean errichtet, auf welchem eine 19 m hohe Säule steht, die auf ihrer Spitze den niederländ. Löwen trägt; etwa 8 km südsüdöstlich von W. zwischen dem Meierhofe La-Belle-Alliance und dem Dorfe Planchenois steht ein vom König Friedrich Wilhelm III. von Preußen gestiftetes eisernes Denkmal. Außerdem befinden sich noch unweit östlich von dem niederländ. Denkmal (Löwenhügel) zwei kleinere Denkmäler für den brit. Oberst Gordon und die Offiziere der englisch-deutschen Legion. Vgl. Gourgaud, «Campagne de 18155 (deutsch, mit den Noten eines deutschen Offiziers, Berl. 1819); Damitz und Grolman, «Geschichte des Feldzugs von 18155 (2 Bde., Berl. 1837); Sibourne, History of the war in 1815 5 (2. Aufl., 2 Bde., Lond. 1844); Gleigh, History of the battle of W.y (2. Aufl., Lond. 1861); Charras, «Histoire de la campagne de 1815. Waterloo (5. Aufl., 2 Bde., Lpz. 1867); Königer, «Der Krieg von 1815 (Bd. 2, Lyz. 1865); von Varchmin, «Die Schlacht bei Belle-Alliancey (Berl. 1865); Beitzke, 4 Geschichte des Jahres 18155 (Berl. 1865); von Ollech, «Geschichte des Feldzugs von 1815 nach archivalischen Quelleno (Berl. 1876); von Schleinitz, „Vergleichende Betrachtungen über die Schlachten von Belle-Alliance und Königgrätz' (Berl. 1876); Chesney, «Waterloolectureso (3. Aufl., Lond. 1874; deutsch, 2. Aufl., Berl. 1869); La Tour d'Auvergne, «Waterloo Gar. 1870); von Treuenfeld, Die Tage von Ligny und Belle-Alliancey (Hannov. 1881).