FeedWren (Sir Christopher)
BaukunstBrockhaus 1882

Wren (Sir Christopher), berühmter engl. Baumeister, geb. 20. Okt. 1632 zu Cast-Knoyle in Wiltshire, wo sein Vater Pfarrer war, entfaltete schon auf der Schule zu Westminster große Anlagen. In Orford zeichnete er sich namentlich durch große Fortschritte in den mathem. Wissenschaften aus. Er wurde 1657 Lehrer der Astronomie in Gresham-College in London, vertauschte aber diese Stelle 1660 mit dem Lehrstuhl der Astronomie in Orford und that sich seitdem durch Arbeiten in allen Teilen der Mathematik und Naturwissenschaften hervor. Als Mitglied der Königlichen Gesellschaft nahm er an den wissenschaftlichen Bestrebungen derselben den thätigsten Anteil. Die Vollendung des Baues der VPeterskirche unter Berninis Aufsicht war zu jener Zeit Gegenstand allgemeiner Aufmerksamkeit und scheint W. in das Gebiet der Architektur geführt zu haben. Der Tod seines Vorgängers Inigo Jones bahnte ihm den Weg. Sein erstes Werk war das prächtige Sheldontheater in Oxford 1663. In demselben Jahre erbaute er das Pembroke-College in Cambridge. Im J. 1665 reiste er nach Frankreich, wo die unter Ludwig XIV. errichteten Bauwerke, besonders das Louvre, für ihn lehrreiche Schulen wurden. Nach seinen Entwürfen wurde die Paulskirche 1676 —1710 aufgeführt. überhaupt zählt man über 60 Kirchen und öffentliche Gebäude, die nach W.s Plan und unter seiner Aufsicht von 1668 an, wo er Oberaufseher aller königl. Bauten war, vollendet wurden. Das neuere London verdankt ihm wesentlich seine jetzige Physiognomie. Freilich ist es kein vorzüglicher Stil, welcher seine Werke kenntlich macht; denn seine berühmte Einfachheit besteht hauptsächlich in der kahlen Leblosigkeit der Formen und in einem ziemlich dürftigen Detail. Seinen Kirchen fehlt die höhere Würde des kirchlichen Charakters, seinen Palästen die Originalität, allen seinen Bauten aber die malerische Wirkung, welche einer gewissen Formenfülle bedarf. Doch war W. als Techniker bedeutend. Durch Hofränke 1718 verdrängt, lebte er seitdem in seinem Hause zu Hamptoncourt den Wissenschaften. Er starb 25. Febr. 1723 und wurde in der Paulskirche begraben Seine nachgelassenen Werke und Zeichnungen wurden von seinem Sohne herausgegeben. W. machte auch mehrere Entdeckungen im Gebiete der Naturwissenschaften. Vgl. Elmes, «Memoirs ot the life and works of W. (Lond. 1823).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 763Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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