FeedWeber (Karl Jul.)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Weber (Karl Jul.), deutscher Schriftsteller, geb. 16. April 1767 zu Langenburg, besuchte das Gymnasium zu Ohringen und bezog 1785 die Universität zu Erlangen, wo er neben der Rechtswissenschaft zugleich allgemeine Studien trieb. Im J. 1788 arbeitete er in der Regierungskanzlei zu Langenburg und ging 1789 nach Göttingen, um sich für das akademische Lehramt vorzubereiten. Da sich indes nirgends Aussicht auf eine Professur zeigte, nahm er eine Hofmeisterstelle in der franz. Schweiz an. Im J. 1792 wurde er Privatsekretär des regierenden Grafen von Erbach-Schönburg. Seit 1799 erster Rat der Regierungskanzlei in dem Marktflecken König im Odenwalde, trat er 1802 als Hof- und Regierungsrat in isenburgische Dienste, um den jungen Erbgrafen auf dessen Reisen zu begleiten. Dieser aber entfloh ihm und eilte zurück nach Büdingen. Auch W. kehrte dahin zurück, doch der junge Graf, der ihn haßte, that nun alles, um ihm das Leben zu verbittern. W. verließ deshalb den isenburgischen Dienst und verfiel sogar in eine Gemütskrankheit, von der er erst nach mehrern Monaten genas. Von jetzt an lebte er zu Jagsthausen bei einer Schwester. Nur einmal noch trat er in das öffentliche Leben, als er 1820 von dem Oberamt Künzelsau zum Abgeordneten in die Ständeversammlung gewählt wurde. Er starb zu Kupferzell 20. Juli 1832. Als Schriftsteller trat er zuerst auf mit seiner Möncherein (3 Bde., Stuttg. 1818 —20), einer Geschichte des Mönchtums, die, obgleich als Geschichtswerk mit wesentlichen Mängeln behaftet, doch das Liben e eines eigentümlichen Geistes trägt. Denselben Tadel und dasselbe Lob, wie sein erstes Werk, verdient die Schrift KDas Ritterwesen o (3 Bde., Stuttg. 1822—24). Mit allgemeinem Beifall wurde sein Werk «Deutschland, oder Briefe eines in Deutschland reisenden Deutschen v aufgenommen (4 Bde., Stuttg. 1826 —28; 4. Aufl., 6 Bde., 1855), dem sich zuletzt der „Demokritos, oder hinterlassene Papiere eines lachenden Philosopheno (Bd. 1—5, Stuttg. 1832 —35; 8. Aufl., 12 Bde., 1854; Auswahl, Berl. 1870) anschloß, der aber unvollendet blieb. Eine Sammlung seiner «Sämtlichen Werkey erschien nach seinem Tode (30 Bde., Stuttg. 1834—45).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 484Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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