FeedWeber (Georg)
ReligionBrockhaus 1882

Weber (Georg), deutscher Geschichtschreiber, geb. 10. Febr. 1808 zu Bergzabern, erhielt seine Gymnasialbildung zu Speier und bezog dann die Universität Erlangen, um sich theol. Studien zu widmen. Bald wandte er sich jedoch vorzugsweise der Geschichte und alten Litteratur zuG. Während seines Aufenthalts zu Heidelberg (1829—30) trat er namentlich zu K. Fr. Hermann und Schlosser in nähere Beziehungen. Eine Hauslehrerstelle, die er bei einer engl. Familie euthali bot ihm Gelegenheit zu einem längern Aufenthalt (1833 - 35) in der Schweiz, Italien und Paris. W. wurde 1836 Vorsteher einer Lateinschule in seiner Vaterstadt, 1839 Lehrer an der höhern Bürgerschule in Heidelberg, wo er im Mai 1848 die Direktion dieser Anstalt übernahm. Im J. 1872 legte W. sein Schulamt nieder. Seinen wissenschaftlichen Ruf begründete W. bereits mit der Schrift «Der Calvinismus im Verhältnis zum Staato (Heidelb. 1836). Derselben folgte die 4Geschichte der engl. Reformation (2 Bde., Lpz. 1845—53), welcher sich die Abhandlung über «Miltons prosaische Schriften » in Raumers «Histor. Taschenbucho (Jahrg. 1852 und 1853) anschloß. W.s Augenmerk blieb jedoch vorzugsweise auf die Darstellung der allgemeinen Weltgeschichte gerichtet. Er veröffentlichte zunächst ein »Lehrbuch der Weltgeschichter (19. Aufl., 2 Bde., Lpz. 1883) und die Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellungo (19. Aufl., Lpz. 1885), zwei Bücher, welche ebenso wie die 4«Geschichte der deutschen Litteraturp (11. Aufl., Lpz. 1880) verdiente Anerkennung fanden. Sein Hauptwerk aber ist die «Allgemeine Weltgeschichte für die gebildeten Stände (15 Bde., Lpz. 1857—80). Eine zweite Auflage, die unmittelbar nachher unternommen ward und bei welcher namhafte Fachgelehrte sich zur Mitwirkung bereit erklärten, ist bis 1886 zum 12. Bande fortgeschritten. W. behandelt, wie in jenen, so auch in diesem Werke die Geschichte ohne Nebenzwecke und Parteitendenzen undentwickelt in gediegener Sprache und kunstvoller Anordnung das geschichtliche Leben der Völker alter und neuer Zeit nicht bloß in den polit. Phasen, sondern allseitig auch in den religiösen, intellektuellen und industriellen Bildungsprozessen. Außerdem sind von seinen Schriften noch zu nennen: „Das vaterländische Element in der deutschen Schule (Lpz. 1856; 2. Aufl. 1865), 4 Germanien in den ersten Jahrhunderten seines geschichtlichen Lebenso (Berl. 1862) und mit H. Holtzmann: „Geschichte des Volkes Israel und der Entstehung des Christentumso (2 Bde., Lpz. 1867), sowie die Festschrift: 4Friedr. Christoph Schlosser, der Historiker. Erinnerungsblätter (Lpz. 1876). Am 26. März 1882 feierte W. sein 50jähriges Dienstjubiläum, bei welcher Gelegenheit ihm die theol. Fakultät der Universität Heidelberg die Würde eines Doktors der Theologie honoris causa erteilte. Aus Anlaß des 500jährigen Jubiläums der Uni-Erinnerungen (Stuttg. 1886). Eine Sammlung kleiner histor. Schriften soll unter dem Titel Geschichtsbilder aus verschiedenen Zeitaltern und Nationend erscheinen. Val. W.s Schrift Mein Leben und Bildungsgang» (Lpz. 1883).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 482Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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