Webstuhl zur Herstellung von Spitzen. Über das Weben von Bändern und Borten s. Bandfabrikation und Bortenweberei. Die W. ist eine der ältesten Industrien und wahrscheinlich(worauf die Mythen der verschiedenen Kulturvölker hindeuten) die Erfindung einer Frau, wie sie ja auch in den frühesten Zeiten ausschließlich Frauenarbeit war. Die ursprungliche, noch Ian im Orient vorkommende Form des Webstuhls ist ein Rahmen, in welchen die Kettenfäden parallel ausgespannt und die Einschlagfäden mit der Hand eingeflochten werden. Im Mittelalter erreichte die W. einen hohen Grad der Vollkommenheit. In den spätern Jahrhunderten bildete sich dieselbe, bis dahin nur Hausindustrie, allmählich zum Fabrikbetrieb aus. Die Weber arbeiteten nicht mehr auf eigene Rechnung, sondern erhielten Garn und Muster, zuweilen auch den Stuhl, von einem Unternehmer, an welchen sie die fertige Ware gegen Stücklohn ablieferten. Bis zum Anfang dieses Jahrhunderts vermochte man auf den Webstühlen nur einfache Muster von geringer Ausdehnung herzustellen, da bei einer zu großen Anzahl der anzuwendenden Schäfte und Tritte dieselben leicht in Unordnung gerieten. Man ersetzte daher die Schäfte durch einfache Schnüre, an welche die Litzen derart angebunden wurden, daß alle gemeinschaftlich zu hebenden Kettenfäden durch das Emporziehen einer Schnur ihre Bewegung erhielten. Diese Einrichtung war indes unvollkommen, solange man das Aufziehen der Schnüre(Latzen) in der nötigen Reihenfolge durch eine besondere Person, den Lathenzieher, mit der Hand verrichten lassen mußte. Außerordentlich wichtig für die Leistungsfähigkeit der Webstühle in der Musterweberei war daher die Erfindung Jacquards, durch dessen um 1808 praktisch ausgeführten sinnreichen Mechanismus diese Arbeit selbstthätig besorgt wird. Die wesentlichste Umgestaltung erfuhr jedoch die gesamte W. durch die Einführung der mechanischen Webstühle, bei welchen die einzelnen Teile derart verbunden sind, daß die bewegende Kraft an einem Punkt wirkt. Im Prinzip verwandte Maschinen waren zum Weben von Bändern schon zu Ende des 16. Jahrh. in Gebrauch. Der erste Entwurf eines wirklichen Maschinenwebstuhls aus dem Jahre 1678 von De Game in London kam nicht zur Ausführung, und auch die 1747 von Vancanson erfundene Webmaschine hatte keinen Erfolg. Vierzig Jahre später brachte Cartwright nach mehrern vergeblichen Versuchen eine derartige Maschine zu Stande, die ihm eine Belohnung vom engl. Parlament eintrug, ohne aber zur allgemeinen Anwendung zu gelangen. Nachdem Horrocks in Stockport seinen 1803 patentierten Maschinenstuhl bis 1813 mannigfach verbessert hatte, gelang es ihm, demselben in der Baumwollindustrie einige Bedeutung zu verschaffen; doch erst von 1822 an wurde durch Roberts der Gebrauch des mechanischen Webstuhls allgemein eingeführt. ö Weberfinken, s. Webervögel. [der. Weberkamm (Weberblatt), s. u. Blattbin-Weberkarde, s. unter Dipsacus. Weberknechte oder Wandkanker, s. unter Afterspinnen. Abbildung des gemeinen Wandkankers (Phalangium opilio) Tafel: Spinnentiere und Tausendfüßer, Fig. 8.