FeedWeilen (Jos. von)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Weilen (Jos. von), eigentlich Weil, dramatischer Dichter, geb. 28. Dez. 1830 zu Tetin in Böhmen, besuchte bis zu seinem 17. Jahre eine Klosterschule, dann das Gymnasium in Prag und kam 1847 nach Wien, um dort die jurist. Fakultät zu absolvieren. Im J. 1848 trat er in die Armee, nahm am Jeldzug in Ungarn teil und wurde 1850 Offizier. Seit 1852 bekleidete er die Professur der Geschichte und Geographie an mehrern Militärlehranstalten, namentlich an der Genie-Akademie in Znaim, und wurde 1861 Skriptor der Hofbibliothek zu Wien und zugleich Professor der deutschen Sprache und Litteratur an der Generalstabsschule. W. hat sich zuerst durch seine Tragödie Tristano (Bresl. 1860; 2. Aufl. 1872) einen Namen gemacht. Seine spätern Dramen sind: (Heinrich von der Aues, „Eddas (Wien 1865), Drahomiras (Wien 1867), Rosamundes (Wien 1868), „Graf Horne (Lpz. 1871), Der neue Achilleso (Lpz. 1872), Doloreso (1874), An der Grenzer (1876) und ein Festspiel „Aus dem Stegreifo. Auf dem Gebiete des Romans versuchte er sich mit den Romanen »Unersetzlich (Bresl. 1879), «Danielas (Wien 1883). Zwei dramatische Gelegenheitsdichtungen sind Am Tage von Oudenaardes (Wien 1869) und das zur Totenfeier Grillparzers gedichtete Festspiel An der Pforte der Unsterblichkeits (Wien 1872). Ehe sich W. der dramatischen Produktion zuwandte, hatte er mit den lyrischen und epischen Dichtungen sich in die Litteratur eingeführt: Phantasien und Lieder, Gedichtes (Wien 1853) und „Männer vom Schwerte, epische Dichtungend (3. Aufl., Wien 1854 — 55). Mit Laube veranstaltete er eine Gesamtausgabe von Grillparzers Werken (10 Bde., Stuttg. 1872), und nach dem Tode Mosenthals gab W. des letztern Schriften in sechs Bänden (Stuttg. 1876) heraus. W. ist einer der begabtesten Vertreter der Halmschen Schule. Im J. 1874 wurde er vom Kaiser von Osterreich durch Verleihung des Ordens der Eisernen Krone in den Adelsstand erhoben und 1886 zum Hofrat ernannt. Als 1884 das umfassende ethnogr. Werk: Die österr.⸗ungar. Monarchie in Wort und Bild o ins Leben trat, wurde W. durch den Kronprinzen von Osterreich zum Redacteur berufen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 513Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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