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ErdkundeBrockhaus 1882

Weißenfels, Kreisstadt im Regierungsbezirk Merseburg der preuß. Provinz Sachsen, an der Saale, Station der Linien Halle-Bebra-Frankfurt und W.⸗Gera der Preußischen Staatsbahnen, ist Sitz eines Amtsgerichts, eines Eisenbahnbetriebsamts und Landratsamts und zählt (1885) 21 766 C. Das auf einem Sandsteinfelsen gelegene umfangreiche Schloß, die neue Augustusburg, erbaut 1664—90, ist seit 1869 zu einer Unteroffizierschule eingerichtet. Die Stadt besitzt einen sehr geräumigen Marktplatz, drei Kirchen (zwei evangelische und eine katholische), ein Schullehrerseminar, eine Taubstummenanstalt, ein Progymnasium, eine Zuckerfabrik, eine Maschinenfabrik und Eisengießerei und eine Papier⸗ und Pappenfabrik. Sonst liefert der Gewerbfleiß viele Schuhmacherwaren, Leder, Töpferwaren, Gold⸗ und Silberwaren. Der Handel mit Holz und Getreide ist nicht unbedeutend. In der Umgegend gibt es sehr ergiebige Sandsteinbrüche und Braunkohlenbergwerke. W. war in frühester Zeit im Besitze der Landgrafen von Thüringen. Nachdem es Markgraf Otto der Reiche nebst andern Herrschaften für seinen Sohn Dietrich angekauft, erhob er es zur Grafschaft. Durch Dietrich kam diese an Meißen und bei der Länderteilung an die Albertiner. Von 1657 an war die Stadt Residenz der Herzöge von Sachsen-Weißenfels, einer Nebenlinie des Kurhauses Sachsen, die August, den zweiten Sohn des Kurfürsten Johann Georg I., zum Stifter hatte und mit Johann Adolf II. 1746 erlosch. Vgl. Sturm, Chronik der Stadt W.» (Weißenf. 1846). — Der Kreis Weißenfels zählt auf 496 qkm 83522 E.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 529Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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