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NaturlehreBrockhaus 1882

Wellen entstehen in tropfbaren Flüssigkeiten, wie im Wasser, durch eine abwechselnde Hebung und Senkung, zum Teil auch durch eine abwechselnde horizontale Verschiebung der Flüssigkeitsteilchen; in elastischen Flüssigkeiten, wie bei den Schallwellen in der Luft, durch eine abwechselnde Verdichtung und Verdünnung der Flüssigkeit, oder, wie bei den Lichtwellen im Ather, durch eine seitliche Verschiebung. In allen diesen Fällen ist der Vorgang derart, daß der Zustand (die Phase) der Wellenbewegung, in dem sich irgend ein Teilchen der Flüssigkeitsmasse zu einer gewissen Zeit befindet, sich von da auf den ganzen übrigen Teil der Flüssigkeit allmählich fortpflanzt, worauf die sog. Fortbewegung oder das Fortschreiten der Welle beruht. Der Abstand je zweier Teilchen, über welchen sich die schwingende Bewegung während einer ganzen Schwingung des ersten Teilchens verbreitet, heißt eine Wellenlänge oder Wellev. An jeder W. unterscheidet man einen Wellenberg und ein Wellenthal. Auch bei den Luft- und Lichtwellen braucht man diese Ausdrücke, wenn auch nur bildlich. Bei der Fortpflanzung von Wellen, z. B. im Wasser, bewegt sich die Wassermasse nicht selbst fort, sodaß etwa ein Wellenberg in das ihm vorangehende Wellenthal hineinstürzte, um es auszufüllen u. s. w., sondern die Gesamtheit der Wassermasse (oder der Luft⸗ und AÄthermasse) bleibt (abgesehen von der abwechselnden Hebung und Senkung der einzelnen Teilchen darin) an ihrer Stelle und bloß die Form der Welle ist fortschreitend. Über die Wellenbewegungen des Wassers verdankt man den Brüdern Ernst Heinrich und Eduard Wilhelm Weber (s. d.) in dem Werke Die Wellenlehre auf Experimente gegründeto (ELpz. 1825) interessante und scharfsinnige Untersuchungen. Vgl. noch Melde, Die Lehre von den Schwingungskurveno (Lpz. 1864), und Emy, „Bewegung der Welleno (deutsch von Wiesenfeld, Wien 1839).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 538Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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