Schwingung, Vibration oder Oseillation nennt man jede Bewegung, welche einen Körper zwischen bestimmten Grenzen in gleichbleibenden Zeiträumen wiederholt, nach bestimmten Gesetzen hin⸗ und wieder zurückführt; so die Bewegungen des Pendels (f. d.), des Wagebalkens, der Glocken, der gespannten Saiten, der Luft beim Tönen der Pfeifen und der Fortpflanzung des Schalls (s. d.) u. s. w. Die S. sind entweder stehende, wie z. B. bei einer Saite, wo alle Teilchen gleichzeitig die Bewegung beginnen und gleichzeitig die Ruhelage passiren, oder sie sind, wie bei den Wasser⸗ und Schallwellen, fortschreitend, d. h. die weiter vom Anfangspunkte der Bewegung liegenden Teilchen beginnen später zu schwingen. Die stehenden S. sind entweder transversal oder longitudinal, je nachdem die Teilchen des Körpers senkrecht oder parallel zur Längenrichtung des Körpers schwingen. Die Erreger des Schalls machen stets stehende S. und zwar bei den festen Tonerregern vorherrschend transversale, bei den luftförmigen (Pfeifen) longitudinale. Die fortschreitenden S. der Luft sind longitudinal und sie dienen zur Verbreitung des Schalls in der Luft. Man kennt auch noch drehende oder Torsionsschwingungen, bei welchen die Teilchen in Kurven schwingen. Läßt man einen schwingenden Körper seine S. auf berußtes Glas oder berußtes Papier einradieren, so erhält man einen Vibrograph oder, wenn der schwingende Rörper tönt, einen Phonograph. Die Vibrographie wurde von Wilh. Weber (1830) begründet und durch Duhamel, Wertheim, Scott, König u. a. ausgebildet. Die Lehre von den S. bildet die Grundlage der modernen Physik. Vgl. E. und W. Weber, «Wellenlehrey (1825); Melde, «Die Lehre von den Schwingungskurveno (pz. 1864), und für Vibrographie: Pisko, «Neuere Apparate der Akustiko (Wien 1865).