Werra, der rechtsseitige Hauptquellstrom der l Weser (s. d.), in alten Zeiten als deren oberer Lauf betrachtet, entspringt am Südwestabhange des Thüringerwaldes als Trockene W. in 812 m Höhe am Bleßberge unweit Steinheide in Sachsen-Meiningen und aus der Nassen W. oder Saar in der Nähe des 840m hohen Rambachbergs bei Siegmundsburg. Bei Schwarzenbrunn vereinigen sich diese und einige weiter östlich entspringende Bäche in 600 m Seehöhe zur eigentlichen W. Diese fließt in derselben westsüdwestlichen Richtung weiter nach Eisfeld, tritt dann oberhalb Hildburghausen (360 m über dem Meere) in den Längenspalt, welcher als die Südwestgrenze des Thüringerwaldes angesehen werden kann, wendet sich, diesen von dem Rhöngebirge trennend, nordwestwärts über Themar (333m), Meiningen (229 m), Wasungen (276 m) und Salzungen (241 m), tritt dann aus dem meiningischen in das weimar:⸗eisenach. Gebiet, wendet sich nach der Einmündung der Ulster von Heimboldshausen (231m) an mit sehr vielen Krümmungen üher Berka, Gerstungen, Kreuzburg (192 m) gegen Nordosten, in welcher Richtung sie das nordwestl. Ende des Thüringerwaldes abschneidet, bis Mihla (179 my). Hier kehrt sie wieder, die Höhen des Hainich und Eichsfeldes von dem hess. Hügellande oder dem sog. Werragebirge scheidend, in ihre frühere Nordwestrichtung zurück, berührt auf preuß. Gebiete Treffurt (173 m), Wannfried (160 m), Eschwege (154 m), Allendorf (149,6 m), Witzenhausen (131 m) und vereinigt sich bei Münden in 117,5 m Seehöhe mit der Fulda, worauf sie den Namen Weser annimmt. Ihr ganzer Lauf beträgt 280 km. Schiffbar wird sie 57 Km oberhalb Münden, bei Wannfried, für Fahrzeuge von 400, dann bei Witzenhausen für solche von 700 Ctr. Last. Das weite Thal der W. wischen dem Thüringerwalde und der Rhön ist fruchtbar. Besonders eng ist es von der letzten sowtaunterber zwischen Kreuzburg und Treffurt, owie unterhalb Eschwege zwischen Allendorf und Witzenhausen. In diesen Gegenden bietet es die reizendsten Landschaften. In dem niedern Teile finden sich vortreffliche Wiesen, und man zieht viel Gartenfrüchte, während die Höhen mit Buchenwäldern bedeckt sind. Der Verkehr wird belebt durch die von Eisfeld an bis unterhalb Salzungen den Fluß begleitende Werrabahn (Eisenach-Lichtenfels). Links nimmt die W. die Herpf, Felda, Ulster (aus der Rhölh und Wehra mit der Sonter auf, rechts bei Veßra die Schleuse, oberhalb Meiningen die Hasel mit der Schwarza, die Schmalkalde von Schmalkalden her, bei Hörschel die Hörsel. Das Departement Werra im ehemaligen Königreich Westfalen umfaßte 4964 alem und hatte Marburg zur Hauptstadt. Die Westfälische oder Lippische Werra, öfter Werre genannt, entsteht östlich vom Teutoburgerwalde im Fürstentum Lippe, nordöstlich von Horn, fließt gegen Nordwesten nach Detmold, von da in der Werraebene bis Salzuffeln, in dessen Nähe sie rechts die Bega von Lemgo her aufnimmt, tritt dann auf preuß. Gebiet, fließt bei Herford vorüber, wo sie links die Aa aufnimmt, nach Norden bis zur Einmündung der Else und geht ostwärts nach einem Laufe von 96 km links in die Weser bei Rehme. Es bietet ihr Gebiet infolge der Verwirrung der Wasserscheide die interessante Erscheinung einer Bifurkation dar, indem die genannte Else zugleich in Verbindung steht mit der Haase, einem linken Nebenfluß der Ems, der ihr bei Gesmold einen Arm mit der Hälfte seines Wassers gegen Osten zusendet.