FeedHörsel
ErdkundeBrockhaus 1882

Hörsel, der stärkste Zufluß der Werra, in Thüringen, entspringt als Kleine Leina über Finsterbergen, empfängt aus dem Grunde von Friedrichroda das Schilfwasser, heißt vom Dorfe Leina an Leina und nimmt bei dem gothaischen Pfarrdorf Hörselgau, wo das aus dem Thale von Reinhardsbrunn herkommende Badewasser zuströmt, den Namen H. an. Die H. begleitet in einem reizenden Thal den nordwestl. Abhang des Thüringerwaldes und empfängt aus demselben unter andern die Laucha, Emse, den Erbstrom mit dem Thalwasser und unterhalb Eisenach die gleichstarke Nesse, mit welcher sich der Leinakanal vorher vereinigt. Hörselberge heißt ein 406 m hoher Höhenzug kahler schroffer Muschelkalkberge, welcher sich östlich von Eisenach nach dem Herzogtum Gotha, und zwar bis zum Dorfe Sättelstedt an der H. wie eine lange Mauer hinzieht. Der Große Hörselberg, 467m hoch, am rechten Ufer der H. aufsteigend, ein ausgezeichneter Punkt dieses Zugs, dacht sich gegen N. sanft ab, gegen S. ist er aber in schroffen, abenteuerlichen Formen abgekantet. Sein Gipfel, gerade dem Inselberge und dem Thale der Emse nördlich gegenüber, gewährt einen schönen Blick auf den Thüringerwald. Der originell geformte, dazu kahle, öde Berg ist zugleich auch ein Sagenmittelpunkt. Aus einer Kalkspalte, dem Hörselloch, wollte der Volksglaube wimmernde Stimmen aus dem Fegfeuer vernehmen. Andere vernahmen Liederstimmen und Mädchengekicher, und man hielt deshalb das Innere des Bergs für die Residenz der Frau Venus, der bestrickenden Zauberin des Mittelalters. (S. Venusberg.) Vom Hörselberge beginnt auch die Wilde Jagd (s. d.), die im Schwarzwald wiederkehrt, und in ihm verschwand Tanhäuser (s. d.). Am 26. Okt. 1813 fand am Hörselberge ein Gefecht zwischen den Preußen und Franzosen statt, worauf General Hork Eisenach besetzte.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 405Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 11

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6