Westküste beginnt mit dem Nordwestkap und erstreckt sich bis Kap Leeuwin. Ungeachtet einiger größern Buchten, wie der Sharks-Bai, ist dieses Gestade doch arm an Häfen. Die Südküste hat dagegen im westl. Teile einige gute Ankerplätze, vor allen den KingGeorge-Sund, während der Osten durch die höchst einförmige Steilküste der Großen Australischen Bucht gebildet wird. Von dem ungeheuern Fächenraum dieser Kolonie ist nur der südwestl. Teil genauer bekannt und besiedelt. Hinter den Dünen der Westküste liegt eine wellige, vorherrschend sandige und dürre, teils mit Wald und Weide bedeckte, teils von ziemlich fruchtbaren Thälern durchschnittene Ebene, die landeinwärts mehr und mehr ergiebig wird. Etwa 20 -30 km vom Meere steigt plötzlich die Darlingkette (Darling-Range) auf, mit ihren nördl. Fortsetzungen Smith-Range, Herschel-Range u. s. w., der bis 1000 m hohe bergige Westrand eines Hochlandes von geringerer Erhebung, welches aus mehrern parallelen, im ganzen plateauartigen Bergzügen zusammengesetzt ist und dessen paläozoisches Gestein von Granitmassen durchbrochen ist, welche zuweilen als einzelne Kegel emporragen, zuweilen auch ausgedehnte Striche bedecken. Weiter nach O. zu dehnen sich nur mit Buschwert und Stachelgras bedeckte, wasserarme Strecken tertiären Sandsteins aus. Im Norden der Kolonie, rechts vom Oberlauf des Fortescue-River, erhebt sich der Mount Bruce 1158 m über das Meer; in dieser Region W.s finden sich Trappfelsen mit Säulen von Basalt und Grünstein. Zahlreiche Flüsse strömen von den Bergen den Gestaden zu; die einzige Wasserstraße von Bedeutung ist gegenwärtig nur der Schwanensluß (s. d.), doch verspricht auch der Fih-Roy-River im Distrikt Kimberley, im Norden W.s, in Zukunft für den Verkehr von Wichtigkeit zu werden. Die großen Seen des Innern sind salzige Moräste; zu nennen sind der Lake Austin, Monger, Moore und Barlee zwischen 27 und 30 südl. Br.; der Amadens Lake des Alexandralandes gehört mit seiner westl. Erweiterung zu W. Die besiedelten südwestl. Grafschaften der Kolonie haben ein mildes, gesundes und trockenes Klima; während des Sommers wehen zu Zeiten heiße Landwinde. Hier bedecken den Boden dichte Wälder des wertvollen Jarrah (Eucalyptus marginata), hier auch Mahagoni genannt, des Tuart (Eucalyptus gomphochephala) und Kaori butte cher tus colossea); auch der für tropische Produkte aller Art geeignet erscheinende Distrikt Kimberley besitzt prächtige, parkähnliche Ländereien; das Innere W.s dagegen bedeckt in unabsehbarer Ausdehnung Gestrüpp und Stachelgras. Die Jarrahwälder des Südwestens, deren Gebiet auf mehr als 2000 akm geschätzt wird, werden auf die rücksichtsloseste Weise ausgebeutet, zur Wiederaufforstung ist nicht einmal Anfang gemacht; auch das kostbare Sandelholz, für welches China Hauptabsatzgebiet ist, wird bereits seltener. Die Nuß einer hiesigen Palmenart wird zur Seifenfabrikation verwendet. Die ganze Küste W.s ist reich an Perlen; die ergiebigsten Fischereien weisen die Sharks-Bai und die Nickolai auf, woselbst gegenwärtig fast chftigt fndeingeborene Australier als Taucher beschäftigt sind. Amerik. Schiffe betreiben an denselben Küsten den Wal⸗ und Dugongfang mit gutem Erfolg; auch sonst ist die Seesischerei nicht ohne Bedeutung. Was den Bergbau anbetrifft, so sind in erster Linie die Bleigruben von Geraldine, links am untern Murchison, und von Roebourne, am Harding-River unweit der Nickol-Bai, zu nennen; doch auch sonst ist dieses Mineral weit über die Kolonie verbreitet. Der Export an Bleierzen bezifferte sich 1880 auf 1921 t. Kupfererze sind gleichfalls in großen Mengen vorhanden, besonders im Distrikt Victoria, südlich vom untern Murchison. Reichhaltige Eisenerze kommen in unerschöpflichen Lagern in allen Teilen W.s vor, werden aber noch nicht abgebaut. Goldfelder sind jedoch bis jetzt vergeblich aufgesucht worden. Die Viehzucht der Kolonie hat bereits Bedeutung erlangt; im April 1881 wurden hier gezählt: 34568 Pferde, 63 719 Rinder, 1231717 Schafe, 4691 Ziegen und 20397 Schweine. Hauptausfuhrartikel ist wie in allen austral. Ländern die Wolle, deren Wert sich 1883 auf 225000 Pfd. St. belief. An der Nordwestküste wird, unterstützt durch die dortigen üppigen Grasebenen, Pferdezucht getrieben, welche ihr Absatzfeld in Indien findet. Auch die Bienenzucht macht erhebliche Fortschritte. Gegenüber der Viehzucht tritt der Ackerbau zurück, doch gehört der westaustral. Weizen zu dem besten ganz Australiens; von 25561 ha angebauten Landes waren 1880 mit Weizen bestellt 11075 ha, immerhin reicht der Ertrag an Körnerfrüchten in unergiebigen Jahren nicht fur die Ernährung aus und muß alsdann der Fehlbetrag eingeführt werden. Auf 287 ha fand 1880 Weinbau statt; auch sür Seidenkultur, Anbau von Südfrüchten, Oliven, Tabak ist Klima und Boden geeignet. Die Industrie der Kolonie ist nur erst durch Mahl⸗ und Sägemühlen, Brauereien und Gerbereien vertreten. Die Einfuhr, welche meist in Fabrikaten und Manufakturwaren besteht, hatte 1884 einen Wert von 521 000 Pfd. St., davon kamen 16000 Pfd. St. auf edle Metalle; mit 223000 Pfd. St. war England am Import beteiligt. Die Ausfuhr umfaßt haupts ächlich Bleierze, Nutzhölzer, Mehl, Perlmutter, Wolle, Pferde, Häute, Leder, Talg und Fische; ihr Wert belief sich 1884 auf 406 000 Pfd. St.; nach England ging für 280000 Pfd. St. Der Handel geht zum größten Teile über Perth mit dessen Seehafen Fremantle; Bunbury im County Wellington ist Ausfuhrplatz für Holz, Geraldton (im Distrikt Victoria) für Blei und Wolle, Roebourne ist Hauptstation der Perlenfischerei und Exporthafen für Wolle, Albany am King-George-Sund ist zu nennen als Station der Postdampfer. Der Schiffsverkehr belief sich 1884 auf 442 Fahrzeuge von 442886 t. W. besitzt eine Handelsflotte don 109 Segelschissen von 6643 t und 12 Dampfern von 569 t. Ende 1884 waren 190 km Eisenbahnen im Betrieb, 77 km im Bau begriffen; die beiden auf Staatskosten ausgeführten Linien von einiger Bedeutung sind Fremantle-Perth-Guildford und Geraldton-Rorthampton. Die Verbesserung der Landstraßen ist vor kurzem ernstlicher in Angriff genommen worden. Im südwestl. Teile Wis sind alle wichtigern Ortschaften durch Telegraphenlinien miteinander verbunden; die von Albany bis Cucla 1200 km messende überlandlinie längs der Hroßen Australischen Bucht setzt W. mit den übrigen Kolonien Australiens und hierdurch mit Europa in Verbindung. An Telegraphenlinien waren Ende 1884: 2113 km im Betrieb; die Länge der Drähte betrug 2761 km, die Zahl der Bureaus 107, welche 204 152 Telegramme beförderten. Im J. 1884 waren 78 Postbureaus in Thätigkeit. Zwischen Albany und Geraldton verkehrt alle vierzehn Tage ein Dampfer, welcher sämtliche wichtigen Häfen anläuft. Albany am King-George-Sund wird alle zwei Wochen von einem Europa mit Australien in Verbindung setzenden Dampfer der Peninsular and Oriental Company besucht. Bereits 1826 wurde eine Anzahl von Soldaten und Sträflingen von Sydney aus nach dem King-George-Sund geschickt; die eigentliche Kolonisation W.s jedoch begann 1829 durch eine engl. Gesellchaft, welcher die brit. Regierung große Landchenkungen machte; letztere wurden auf das Kustenand zwischen dem Schwanenfluß und King-George-Sund beschränkt, indessen hatte die Kolonie mit den größten Hindernissen zu kämpfen. W., dessen gesamte weiße Bevölkerung 1848 erst 4622 Seelen betrug, war zwar niemals Deportationsort, doch gab die brit. Regierung 1851 den Einwohnern nach, welche um Einführung von Deportierten baten, um dadurch dem Mangel an Arbeitskräften abzuhelfen, und schickte eine beschränkte Zahl von Deportierten dahin ab. Von 1851 bis 1868 erhielt die Kolonie 10000 Sträflinge, fast ausschließlich männlichen Geschlechts, daher überwog letzteres noch 1884 die Anzahl der Seelen weiblichen Geschlechts (14335) um 4288. Im J. 1868 wurde die Deportation nach W. auf Ansuchen der andern austral. Kolonien gänzlich eingestellt. Die Gesamtzahl der Ureinwohner ist nicht bekannt; nur die Zahl der bei Ansiedlern in Dienst stehenden Eingeborenen wurde durch den Census von 1881 auf 2346 festgestellt. Im Norden der Kolonie sind die Autochthonen als Taucher bei den Perlenfischereien beschäfligt; im Süden W.s arbeiten seit langer Zeit kathol. Missionare an der Belehrung der Farbigen. Im J. 1881 zählte man unter den Kolonisten 20613 Protestanten und 8413 Katholiken; 71 Ansiedler waren deutscher Abkunft. Was die Bewegung der Bevölkerung anbetrifft, so fanden 1884 statt 230 Heiraten, 1094 Geburten und 707 Todesfälle; es wanderten ein 2434, aus 1563 E. Die Versassung und Verwaltung ist in ähnlicher Weise wie in den andern brit. Kolonien Australiens geordnet. Die Einnahmen W.s betrugen 1884: 290319, die Ausgaben 291307, die öffentliche Schuld (Ende 1889) 765000 Pfd. St. Zu den Einnahmen trugen die Steuern 127338 Pfd. St. bei. Die Kolonie zerfällt in 26 Counties und 3 Distrikte. Hauptstadt ist Perth (s. d.), am Schwanenfluß, an deren Mündung der Hafen Phurch E mit 5000 E. liegt, welcher mit Perth durch Eisenbahn und Dampfschiffahrt in Verbindung steht.