Wieliezka (spr. Wjelitschka), Bergstadt und Hauptort des gleichnamigen Bezirks im österr. Königreich Galizien, 11 km südöstlich von Krakau und 25 km von Bochnia, durch Zweigbahn mit der galiz. Karl-Ludwigs-Bahn (Krakau-Lemberg) verbunden, Sitz eines Bezirksamts und eines Bezirksgerichts, sowie einer Salinenverwaltung, liegt in einer hügeligen, anmutigen, fruchtbaren Gegend, an einem Bergabhange, der die Stadt im Süden, Osten und Norden in einem Halbkreise umgibt. Der Ort hat zum Teil nur hölzerne Häuser und (1881) 5973 E., einen geräumigen Marktplatz, das Schloß, ein Franziskanerkloster, eine Bergschule, eine Bürgerschule und eine Mädchenschule. W. ist seines Salzbergwerks wegen berühmt, des reichsten der Osterreichisch-Ungarischen Monarchie, welches sich gerade unter der Stadt befindet und gleichsam eine zweite, unterirdische Stadt bildet, die mit ihren Straßen, freien Plätzen u. s. w. einen weit größern Platz einnimmt als das W. der Oberwelt. Die größte aufgeschlossene Ausdehnung des Salzwerks ist von Osten gegen Westen 4000 m, von Norden gegen Süden 1200 m, der Tiefe nach 257 m. Acht er Oradt fe führen in die Grube, davon zwei in der Stadt selbst, nämlich der Franziszek mit einer Wendeltreppe, unter August III. 1744 erbaut, und der Danielowicz, der, nur 178 m tief, gewöhnlich von Reisenden an sichern Drahtseilen befahren wird. Die Grube wird in sechs Stockwerken bebaut. Sandiger Thonmergel, Anhydrit und Sandstein wechseln mit Salzschichten und Salztbon. Ein wahres Labyrinth von Gängen, oft in bedeutender —2— durch Brücken verbunden, breitet sich in den Stockwerken aus. In den neuen Kammern läßt man Salzpfeiler stehen, in den alten wird die Decke durch Zimmerwerk gestutzt, welches sich trefflich erhält, da die Grube außerordentlich trocken ist, obwohl sie zwei Teiche enthält, die mit Nachen befahren werden. Die ausgebrochenen Kammern werden teils mit Kotsalz und taubem Gestein zugeschüttet, teils zu Magazinen benutzt, unter denen gegen 70 von bedeutender Größe sind. Mehrere davon sind architektonisch verziert, mit Kronleuchtern, Säulen, Statuen u. s. w. versehen, alles ist aus Salz gehauen, und das Ganze gibt, zumal bei festlicher Beleuchtung, einen feenhaften Anblick. Die Länge aller horizontalen Strecken beträgt 93 km. Das Salzwerk beschäftigt ungefähr 740 Arbeiter, die aber nicht in der Grube wohnen, und 9 Pferde, die zum Teil jahrelang fortwährend unter der Erde wohlerhalten bleiben und deren Ställe gleichfalls in das Salz gebrochen sind. Man bricht, haut und sprengt das Salz, dessen Kubikmeter 2175 kg wiegt. In den Handel kommt dasselbe als viereckige Stücke von 40 kg, als unverpacktes Minutiensalz, als gemahlenes Speisesalz, endlich als Fabriksalz und Dungsalz. Der Ertrag 1885 war 1189500 Zollcentner (à 50 Kkg). Die Zeit der Aufdeckung des Steinsalzwerks ist unbekannt, urkundlich läßt sich aber sein Bestand bereits 1041 nachweisen. Die Salzwerke gehörten ehemals zu Polen; Kasimir d. Gr. ordnete den ersten regelmäßigen Betrieb derselben an. Später zog August II. sächs. Bergleute hierher, welche eine bessere Bebauung einführten. Im J. 1772 kamen sie an Osterreich. Durch den 1809 zu Wien geschlossenen Frieden wurden sie in ihrem ganzen Umfange dem Kaiser von Osterreich und dem Herzogtum Warschau gemeinschaftlich überlassen. Nach dem Pariser Frieden von 1814 gelangten im Wiener Kongreß die Salzwerke wieder ganz an Osterreich. Am 19. Nov. 1868 erfolgte in dem Querschlage Kloski des fünften Horizontes Austria ein Wassereinbruch, welcher bald so gewaltige Dimensionen annahm, daß er das ganze Werk zu vernichten drohte. Durch Aufstellung einer 250pferdekräftigen, mit Dampf betriebenen Wasserhebemaschine gelang es, diese Gefahr zu beseitigen. Trozdem das Einbruchswasser 1872 aufgehört hat zu fließen, so wurde doch diese Maschine, sowie zwei andere Wasserhaltungskünste zu 80 und 50 Pferden beibehalten. Dieser Vorsicht ist zu verdanken, daß ein neuerlicher Wassereinbruch 17. Febr. 1879 gleich bewältigt wurde. In den beiden Steinsalzbauen W. und Bochnia wurden 1885 452 706 Metercentner Steinsalz und 273405 Metercentner Industriesalz im Gesamtwert von 4374210 Fl. österr. Währung erzeugt, wobei 1013 Arbeiter verwendet waren. Vgl. Hamm, «W. und Staßfurt, die beiden größten Steinsalzwerke Europas v (in Unsere Zeit v, Jahrg. 1870, 2. Hälfte).