FeedWilhelmshaven (Wilhelmshafen)
ErdkundeBrockhaus 1882

Wilhelmshaven (Wilhelmshafen), deutscher Nordseekriegshafen und Stadt auf dem westl. Ufer des Jadebusens, gehört zur preuß. Provinz Hannover, Regierungsbezirk Aurich, Kreis Aurich, Amt Wittmund und ist auf der Landseite von oldenburg. Gebiet umschlossen. Die Stadt, mit Oldenburg durch Eisenbahn und mit Emden auch durch den 75 km langen, 17,6 mebreiten und durchschnittlich 2 m tiefen Ems-Jadekanal verbunden, ist ein freundlicher, regelmäßig angelegter Ort mit breiten, wohlgepflasterten und mit Bäumen bepflanzten Straßen, zählt (1885) 13 972 E., darunter 1326 Katholiken und 40 Juden, ist Sitz des Kommandos der Marinestation der Nordsee, eines Amtsgerichts und eines Nebenzollamts erster Klasse und hat eine evang. und eine kath. Pfarrkirche. Eingeführt werden hier zur See hauptsächlich: Eisen- und Stahlwaren, Cement, Nutzholz, Dachschiefer, Steinkohlen, Fliesen, Mauer- und Dachziegel, Roggen und Kartoffeln. Der 1855—69 nach den Plänen des Admiralitätsrats Pfeffer und des Hafenbaudirektors Goecker in beweglichem Triebsand und weichem Schlickboden erbaute Hafen hat eine Längenausdehnung von 2135 mund besteht aus der nach SO. geöffneten, 220 melangen und zwischen den in runden turmartigen Köpfen endenden beiden Molen 110 mbreiten (ersten) Hafeneinfahrt, der mächtigen doppelthorigen, 44,tm langen und zwischen den Kammerwänden 20,0 m breiten ersten Schleuse, dem 188 m langen und 125 mebreiten Vorhafen, der zweiten Schleuse von gleicher Ausdehnung wie die erste, dem 1168 m langen und 68 m breiten Verbindungskanal mit Ausrüstungsbassin von doppelter Breite und dem 377 melangen und 236 m breiten Binnen⸗ oder eigentlichen Kriegshafen. An den letztern schließen sich westlich drei Trockendocks, von denen zwei 138 melang, 26 m breit und über 9m tief sind, während das dritte nur noch 120 m lang 1 ferner zwei Hellinge zum Bau von Schiffen jeder Art und ein Boots- und Mastenhafen. Der Binnenhafen, die Docks, die Hellinge, der Boots- und Mastenhafen, die in ihrer Umgebung belegenen Gebäude: das Werftbureau, die Maschinenbauanstalt, die Kessel⸗ und Schiffbauschmiede, eine Hont Schmiede mit Dampfhammerbetrieb, die Montierungswerkstätte, Inventarien⸗ und Mateder Schiffbauhölzer, der Schnürboden, welcher die Zeichnungen der verschiedenen Kriegsschiffe enthält, sowie ein großer Schiffbauplatz im Norden des Binnenhafens, sowie eine größere Zahl von mit den neuesten Einrichtungen versehenen Werkstätten und Magazinen bilden zusammen die Werft, welche durch eine mit 14 eisernen Thoren versehene hohe Mauer rings umschlossen ist. Die Mauern an den Molen wurden aus sächs. Sandstein, die Schleusen und Docks aus schwed. Granit erbaut; zum Beton kam rheinischer Traß zur Verwendung. Im Binnenhafen liegen die nicht im Dienst befindlichen Schiffe der Nordseestation. Südöstlich von dem Binnenbassin des Kriegshafens und mit dessen Ausrüstungsbassin in Verbindung stehend, liegt der oneue Hafene, bestimmt für die im Dienst befindlichen Kriegsschiffe, für die Transportflotte und die Handelsfahrzeuge. Derselbe hat bei einer Tiefe von 8 meine Gesamtwasserfläche von 70000 qm und ist einerseits mit der Jade durch die 1875 im Bau begonnene, am 13. Nov. 1886 eröffnete zweite südl. Häfeneinfahrt verbunden, während eine Kammerschleuse den übergang in den Ems-Jadekanal vermittelt. Das Projekt zum aneuen Hafeno ist vom Geh. Admiralitätsrat Buchholz aufgestellt, die Ausführung erfolgte durch den Hafenbaudirektor Rechtern. Das Fundament der in den Jadebusen hineingebauten 600 m langen und 6mbreiten Hafendämme der südöstlichen neuen Einfahrt besteht aus 6,3 cbm fassenden gemauerten löcken. Die neue 174 m lange Seeschleuse ist 4m breiter und 1 mtiefer als die alte, läßt die rößten Panzerschiffe bequem Platz zum Durchschleusen finden und hat in ihrer Kammer ein Notdock zur Aufnahme von beschädigten Fahrzeugen. Innerhalb des Gebiets der neuen Hafenanlagen ist ferner mit dem Bau eines Torpedohafens für Torpedofahrzeuge begonnen worden. Die südl. Hafeneinfahrt vermehrt die Zugänglichkeit des Kriegshafens für ein⸗ und auslaufende Kriegsschiffe; der Handelshafen wird eine hohe Bedeutung erlangen nach Ausbau des norddeutschen Binnenkanalnetzes, namentlich des Rhein-Emskanals. Die ganze Hafenanlage wird auf der See⸗ und der Landseite durch starke Festungswerke geschützt. In der Nähe des Bahnhofs wurde 1882 dem Admiral Prinz Adalbert von Preußen (gest. 1873 ein Denkmal errichtet, ein Bronzestandbild na Schulers Modell. Eine interessante Rundschau gewährt der Wasserturm im Park. Die Stadt wird Conversations-Lexikon. 13. Aufl. XVI. durch zwei Wasserleitungen mit Trinkwasser versorgt, von denen die eine durch zwei artesische Brunnen von 199,8, bezw. 268, mTiefe gespeist wird, während die andere zu Feldhausen bei Heidmühle ihren Anfang nimmt. „W. ist Station der deutschen Nordseeflotte, Garnison der 2. Matrosendivision, der 2. Werftdivision, der 1., 2. und 4. Kompagnie des Seebataillons und der 2. Matrosen-Artillerieabteilung, ferner Sitz des Kommandos der Marinestation der Nordsee, der 2. Marine-Inspektion, der Marineartillerie-Inspektion, einer Oberwerftdirektion, einer Festungsbaudirektion und anderer Marinebehörden, hat ein Lazarett, sechs Kasernen, ein Laboratorium, ein Observatorium, eine Signalstation, ein Torpedodepöt u. s. w. Obdach für etwa 3000 Arbeiterfamilien gewährt in fiskalischen Wohngebäuden die auf oldenb. Gebiete an der Grenze des preuß. Jadegebiets erbaute Kolonie Bant, welche 1887 eine eigene Kirche erhalten wird; Schule und Kinderbewahranstalt, in welch letzterer die noch nicht schulpflichtigen Kinder der Arbeiter den Tag über beaufsichtigt und verpflegt werden, sind bereits vorhanden, ebenso eine Süßwasserbadeanstalt im Ems-Jadekanal und eine nen, der 1714 den Riesenpalast mit den großen Kaskaden vollendete. Das jetzige Schloß W. wurde unter dem Landgrafen, temn Sstten Kurfürsten Wilhelm J. 178796 im ältern Stil erbaut, erhielt nach ihm den Namen und bestand ursprünglich aus einem Hauptgebäude und zwei durch gedeckte Galerien mit demselben zusammenhängenden Flügelpavillons, bis Kurfürst Wilhelm II. 1829 statt jener Galerien die drei Hauptteile durch im gleichen Stil erbaute massive Gebäude verbinden ließ, sodaß seitdem das Ganze einen zusammenhängenden Bogen von 230 m Länge, meist 20 m Höhe und mit der Kuppel auf dem Hauptgebäude über 30 m Höhe bildet. Unter dem südwestl. Flügel des Schlosses öffnet sich ein tiefes Thal, durch welches über Felsen schäumend ein Bach stürzt, der sich aus einem mit Blumen und gebüschreichen Inseln geschmückten See, dem »Lacy, ergießt. über dem See erblickt man das chines. Dorf Mulang mit einer Pagode. Weiter westlich liegt am Berge die Löwenburg, eine künstliche Ruine, die, vom Kurfürsten Wilhelm I. 1793—96 erbaut, dessen Begräbnisort ist. Oben auf der Höhe liegt das Riesenschloß, wegen seiner achteckigen Form «Oktogono genannt. Dasselbe bildet, von Kassel aus gesehen, den Schluß der durch die schnurgerade Allee und die Fronte des Schlosses gebildeten Perspektive. Es besteht aus drei übereinandergetürmten Bogengewölben und hat 90 m im Durchmesser. Auf der Plattform, nach der Seite der Kaskaden hin, ragt, aus großen Quaderstücken errichtet, die 32 m hohe Pyramide hervor, auf welcher eine 10 mhohe Nachbildung des Farneseschen Hercules lin Hessen ader große Christophe genannt), aus Kupfer getrieben, steht. Die kupferne Keule des Hercules kann acht Personen in sich aufnehmen; eine Fensteröffnung in derselben gewährt die unbeschränkte Aussicht bis zum Inselsberge bei Gotha und — Brocken. Die Krone der ganzen Wilhelmshöhe-Anlagen bilden neben diesem riesenhaften Oktogon und den großen Kaskaden die unvergleichlichen Parks. Von dem Riesenschlosse ziehen sich die dreifachen Kaskaden in einer Länge von 250 und in einer Breite von 11 meden Berg hinab. Unter den übrigen, stets eigenartigen Wasserwerken sind noch zu erwähnen: der Steinhöfersche Wasserfall, ein romantischer Waldwassersturz; der Wasserfall an der Teufelsbrücke; der Aquädukt, die Ruine einer altröm. Wasserleitung darstellend, von deren zerstörtem Ende das pon da 33 m tief auf eine Felsplatte stürzt, um von da in ein großes, durch einen herrlichen Rasenplatz von der westl. Fronte des Schlosses getrenntes Bassin sich zu ergießen, aus welchem 51, m hoch und am Ursprunge 30 em dick die große Fontäne emporsteigt; endlich der neue Wasserfall, der, in anderm Charakter angelegt, den Steinhöferschen und die andern Nachbildungen künstlicher Wasserfälle an Größe noch übertrifft. Während des Sommers springen sämtliche Wasserkünste Sonntags und mit Ausnahme der Kaskaden und des neuen Wasserfalls auch Mittwochs nachmittags. In neuester Zeit sind auf dem Grund und Boden, welcher zur nahe gelegenen Gemeinde Wahlershausen gehört, zahlreiche kleine Villen, Pensions- und Kurhäuser entstanden. Das Schloß war früher die gewöhnliche Sommerresidenz des Kurfürsten von Hessen, bis es der letzte, 94t Wilhelm, durch den Stettiner Vertrag vom 17. Sept. 1866 der preuß. Krone überließ. Vom 5. Sept. 1870 bis 19. März 1871 war W. der % des gefangenen Kaisers Napoleon III. helms-Orden, niederländ. Orden, 30. April 1815 vom König Wilhelm I. zur Belohnung hervornagender Thaten des Mutes, der Hingebung und der Treue für Militärs ohne ur Klasen des Standes und Ranges, jedoch in vier Klassen (Großkreuze, Kommandeure und Ritter dritter und vierter Klassej gestiftet. Die Militärs der See⸗ und Landarmee, welche nicht im Offizierrange stehen, erhalten bei Erlangung des Ritterkreuzes vierter Klasse eine l! Erhöhung um die Hälfte desjenigen Soldes, welchen sie im Augenblicke der Ernennung beziehen, bei Erlangung der dritten Klasse eine Verdoppelung ihrer Bezüge. Das Ordenszeichen besteht in einem vierarmigen goldeingefaßten und an seinen acht Spitzen mit goldenen Kugeln besetzten, weißemaillierten Kreuz, auf dessen vier Armen die Worte (Voor Moed, Beleid, Trouwo (Für Mut, Hingebung und Treue) in goldenen Buchstaben stehen. Das runde Medaillon zeigt den königl. Namenszug innerhalb zweier Lorbeerzweige und ist zwischen den vier Kreuzesarmen von einem aus grünen Lorbeerzweigen gebildeten (Burgundischen) Schrägkreuz durchstoßen. Das von goldener Krone überhöhte Kreuz wird an orangegelbem, dunkelblau eingefaßtem Bande getragen. Die Dekoration der letzten Klasse ist nicht von Gold, sondern von Silber. Wilhelmstein, s. unter Steinhudermeer.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 656Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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