FeedEmden
VerkehrBrockhaus 1882

Emden, früher Embden, See⸗ und Handelsstadt im gleichnamigen Kreise des Landdrosteibezirks Aurich der preuß. Provinz Hannover, ist nahe am Dollartbusen gelegen, mit dem Emsstrom (3 km) und der Nordsee durch einen Fahrwasserkanal verbunden. Hafen und Fahrwasser der Stadt werden (1883) durch die preuß. Regierung bedeutend erweitert und vertieft, sodaß vom J. 1884 ab Schiffe von 6, m Tiefgang durch die neugebaute Kastenschleuse (von 100 m Kammerlänge und 15 m geringster Breite) ein⸗ und auslaufen können. Bis jetzt vermochten nur zur Flutzeit Schiffe von höchiens 3,5 m Tiefgang zur Stadt zu gelangen. Hier mündet der Ems-Jade-Kanal, welcher Wilhelmshaven und E. verbindet. CE. ist mit dem Binnenande durch die Linie Soest-E. der Preußischen Staatsbahn, mit Norden, Esens, Wittmund, Jever und Aurich durch die osifries. Küstenbahn verbunden. E. ist von Stadtwällen umgeben, die in schöne Promenaden umgewandelt worden sind, gegen die Nordsee noch durch hohe Seedeiche geschützt; es hat durchgehends massive Giebelhäuser holländ. Charakters, besteht aus vier Hauptteilen, der Altstadt und Faldern, der Boltenthors⸗ und der Neuen-Amtsserichts und ist Sitz des Kreisamts, eines mtsgerichts, eines Hauptzollamts, einer Reichsbankstelle, der Schiffsregisterbehörde und eines königl. Seeamts für den ganzen Bezirk der ostfries. Küste (incl. Papenburg und Wilhelmshaven), der Direktion des Emslotsenwesens u. s. w. Die sehr saubere Stadt wird vielfach von schiffbaren Kanälen durchschnitten, die mehr als 30 Brücken zur Verbindung der Stadtteile nötig gemacht haben, unter denen sich die Rathausbrücke über den Rathausdelft, die Doppelzugbrücke (Kettenbrücke) über den drs Fabrwe und die neue eiserne Drehbrücke über das Fahrwasser (Eisenbahnbrücke) auszeichnen. Das am Hafen gelegene Dock mit großen Niederlagegebäuden steht mit dem Bahnhofe in unmittelbarer Verbindung. Durch die Überbrückung des Fahrwassers und die ostfries. Küstenbahn werden zu beiden Seiten des Fahrwassers Schienenverbindungen mit dem Bahnhofe hergestellt. Unter den öffentlichen Gebäuden sind zu erwähnen: das Rathaus, 1574 — 76 nach dem Muster des antwerpener im Renaissancestil erbaut, mit berühmter Rüstkammer (besonders reich an schönen alten Feuerwaffen aus der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs) und kostbarem Silberschatz, die Kunst (Gemälde, Kupferstiche, Münzen, Altertümer, Schiffsmodelle u. s. w.), das neue kaiserl. Post- und Telegraphengebäude mit Stationen der Deutschen Telegraphen-Gesellschaft zu Berlin (direkte Verbindung mit Nordamerika), der Indo-Europäischen Gesellschaft, das Gasthaus (Waisenhaus), das Armenarbeitshaus; unter den neun Kirchen (einschließlich der franz. und der mennonitischen Kirche und der jüd. Synagoge) sind die große reform. Kirche mit dem 1455 erbauten Chor und dem Denkmal des Grafen Enno II. von Ostfriesland, sowie die kath. Kirche hervorzuheben. C. hat ein Gymnasium mit höherer Bürgerschule, eine Navigationsschule 951 1782), Gewerbeschule, Handelsschule, höhere len für alle Bekenntnisse, eine Gewerbebank, eine Genossenschaftsbank, eine Handelskammer, eine Taubstummenanstalt, eine Naturforschende Gesellschaft mit Museum (reiche Bernsteinsammlung), einen Verein für bildende Kunst und vaterländische Altertümer, einen Verein zur Rettung Schiffbrüchiger an der ostfries. Küste mit Rettungsstationen auf allen Inseln von Borkum bis Spiekeroog, verschiedene alte Gesellschaften (Brüderschaften) zu milden Zwecken und zählt (1880) 13 667 E. (davon 12209 Evangelische, 675 Katholiken und 697 Juden), welche bedeutenden Handel, meist Seehandel, und Schiffahrt treiben. Der Altivhandel beschränkte sich früher auf die Verführung einheimischer Produkte und Fabrikate, namentlich Getreide, Butter, Käse, Rindvieh, wozu seit 1863 ein lebhafter Holzhandel kam. E. steht nach außen vorzüglich mit Holland, Großbritannien, Belgien, Norwegen, der Ostsee, Hamburg, Bremen, Rußland und Amerika im Verkehr und bietet die bequemste und kürzeste Dampfschifföyerbindung nach den Nordseeinseln Borkum und Norderney; auch besteht daselbst die Emder Heringsfischerei-Aktiengesellschaft mit bedeutender Hochseefischereiflotte, die Emslotsengesellschaft, vier Assekuranzgesellschaften gegen Seegefahr u. dgl. Schiffahrt, Reederei (1881 83 Seeschiffe zu 21.184 Registertons), Schiffbau, Hochseefischerei, Gerberei, sowie einige Fabriken in Strohpappe, Tauen, Drahtfeilen, Cement, Tabak und Cigarren, Wollspinnerei und-Weberei, Zuckerraffinerie, Kalkbrennerei, schließlich Viehzucht und Gemüsebau in der fruchtbaren Umgegend sind anderweitige Hilfsquellen der Einwohner. Den aus der Ostsee vertriebenen Vitalienbrüdern, welche sich hier festgesetzt hatten, wurde E. 1431 durch die Hamburger entrissen, welche letztere die Stadt 1493 an die Cirksena abtraten. Seit 1595 stand E. als Freie Reichsstadt unter dem Schutze Hollands und kam 1744 mit Ostfriesland an Preußen, 1808 an Holland, 1810 an Frankreich, 1814 an Preußen, 1815 an Hannover und mit diesem 1866 wieder an Preußen. — Der Kreis Emden, mit ausgedehnten Marschen an der Nordsee und der Mündung der Ems, zählt auf 759 qkm (1880) 62 531 CE., worunter 934 Katholiken und 1204 Juden sind.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 100Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 7

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Verkehr 6