Geestemünde, Stadt im Kreise Lehe des Landdrosteibezirks Stade der preuß. Provinz Hannover, von Bremerhaven nur durch die Geeste getrennt, welche hier in die 1325 m breite, bereits von Flut und Ebbe bewegte Weser mündet, Station der Linie Wunstorf-G. der Preußischen Staatsbahnen, ist Sitz einer Wasserbau-Inspektion, eines Hauptzollamts, einer Handelskammer, eines Amtsgerichts, eines Hafenamts und eines Seemannsamts, hat eine Navigationsschule, ein Progymnasium, zwei Banken und zählt (1880) 4066 meist evang. E., welche Eisengießereien, Maschinenfabriken, Dampfmühlen, Dampfbäckereien u. s. w. unterhalten, Schiffbau auf drei Schiffswerften und zwei Trockendocks, Segelmacherei, Seilerei, Schiffszwiebackbäckerei und bedeutenden Handel, namentlich mit Petroleum, Tabak, Reis, Kaffee, Holz, Schiefer, Getreide und Seefischen betreiben. G. ist erst in neuerer Zeit um die 1857 — 63 erbauten Hafenanlagen entstanden, deren Mittelpunkt das 21. Juli 1863 dem Verkehr übergebene, 542 mlange, 126 m breite und 7 mtiefe Hauptbassin bildet. An dieses stößt ein langer, ebenfalls zur Aufnahme von Schiffen bestimmter Kanal und der 1875 eröffnete, 250 m lange, 45 mbreite Petroleumhafen. Der Hafen ist der größte künstlich gebaute in Deutschland und der einzige, welcher immer eisfrei bleibt. Alle Hafenanlagen werden durch Forts geschützt und liegen außerhalb der deutschen Zollgrenze. Im Sommer steht G. mit Norderney und Helgoland in Seepostverbindung, mit letzterer Insel auch im Winter, jedoch nicht regelmäßig.