FeedWilna (russ. Wilenskaja Gubernija)
ErdkundeBrockhaus 1882

Wilna (russ. Wilenskaja Gubernija), Gouvernement in Westrußland von 42529 qkm, zwischen den Gouvernements Kowno, Witebsk, Minsk, Grodno und Suwalki, ist reich an Seen und war früher mit dichten Wäldern bedeckt, die seit 1863 stark gelichtet sind. Die 1238041 E. (1886) sind meist Weißrussen und Litauer, dann Polen und uden. Die Gutsbesitzer sind meist polnischer, die Bauern litauischer und russ. Abkunft. Ackerbau und Handel sind die Hauptbeschäftigungen der Bewohner; das Fabrikwesen ist noch wenig entwickelt (252 Etablissements). Das Gouvernement erfällt in sieben Kreise und bildet mit Kowno und Grodno ein Generalgouvernement, sowie mit diesen beiden und ferner mit Witebsk, Minsk, Mohilew, Livland und Kurland einen Militärbezirk W. Die Hauptstadt Wilna (russ. Wiljno) an der schiffbaren Wilija, in einem von 250 m hohen Beren umschlossenen Thal, an den Eisenbahnen etersburg-Warschau, Landwarowo-Romny und W.⸗Kowno (Polesskij-Bahn), ist Sitz des Generalgouverneurs, eines griech.⸗kath. Bischofs und zählt (1885) 95000 E. Auf dem Schloßberge erheben sich die Ruinen des alten fürstlichen Schlosses der Jagellonen. Es bestehen 7 Synagogen, 1 Moschee, 12 griech. Kirchen, 1 reform., 1 luth. und 18 kath. Kirchen, unter denen sich die griech. Kathedrale und die kath. Kathedrale des heil. Stanislaw mit der prachtvollen, mit Fresken geschmückten Marmorkapelle und dem 30 Ctr. schweren silbernen Sarge des 1480 gestorbenen heil. Kasimir auszeichnet. Die 1570 gegründete und 1803 erneuerte Universität wurde 1832 aufgehoben und ihre große Bibliothek nach Petersburg gebracht. Die an ihre Stelle getretene chirurgischmediz. Akademie, welcher der jetzt zu einem öffentlichen Garten umgewandelte botan. Garten zur Benutzung überlassen blieb, wurde 1842 ebenfalls aufgehoben. Übrigens besitzt W. immer noch sehr zahlreiche Unterrichtsanstalten, darunter 1 röm.⸗kath. geistliches Seminar, 1 griech.⸗kath. Priesterseminar, Uchristl. und 1 jüd. Lehrerinstitut, 2 klassische Gymnasien, 1 Progymnasium, 1 Realschule, 1 Handwerkerschule, 2 Mädchengymnasien, über 20 Kreis⸗ und städtische Schulen. Auch hat die Stadt 1 Museum mit öffentlicher Bibliothek, 1 Theater, 1 —7— 1 Findelhaus, 1 Kinderbewahranstalt und 7 christl. und 6 jüd. Wohlthätigkeitsanstalten. An industriellen Etablissements bestehen 11 Gerbereien, 2 Papierfabriken u. s. w. Der Kleinhandel ist fast ganz in jüd. Händen. Der Handel wird durch eine Messe und mehrere Märkte gehoben. W. wird urkundlich uerst 1128 erwähnt und war 1323—1795 Hauptsadt des Großfürstentums Litauen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 666Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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