Lublin, Ljublin, Hauptstadt des gleichnamigen russ. Gouvernements (16831,7 akm mit (1881 860382 E.), an der Bistrzyca und auf einer Anhöhe 152 km von Warschau an der Linie Kowel-Mlawa der Weichselbahn gelegen, nach Warschau und Lodz die größte und schönste Stadt Russisch-Polens, ist der Sitz der Gouvernementsbehörde und eines röm.⸗ kath. Bischofs und zählt (1882) 34 972 C., darunter fast die Hälfte Juden. L. hat lange, breite Straßen, sechs öffentliche Plätze, eine große Brücke von Quadersteinen, ein altes festes Bergschloß (Rest ihrer früher starken Befestigungen), viele große und schöne Gebäude, eine schöne Kathedrale, 11 andere jath., eine evang. und zwei griech.⸗russ. Kirchen, eine roße Synagoge und ein schönes Rathaus. Es besiehen hier ein Priesterseminar, ein Gymnasium und mehrere andere Schulen, zwei Hospitäler und andere Wohlthätigkeitsanstalten, ein Musikverein, eine Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues und ein Theater. Wollweberei ist der Hauptindustriezweig. Starker Handel wird mit Tuch und besonders mit Getreide und Ungarwein getrieben. Diesen Verkehr beleben drei jährlich abgehaltene Messen, wovon jede einen Monat dauert. Bedeutender war die Stadt unter den Jagellonen, wo sie den ganzen Handel von Podolien, Volhynien und Rotrußland hatte und 70000 E. gezählt haben soll. Zu L. ward 1569 unter König Sigismund August der ein Jahr dauernde Reichstag gehalten, auf welchem man die Vereinigung Polens und Litauens beschloß. Im Aug. 1702 bildete sich daselbst eine Konföderation für August II. gegen Karl XII., der im Jan. 1703 die Stadt brandschatzen ließ und sechs Wochen in Jacobowice, einem 4 EKm von der Stadt gelegenen Gute des Fürsten Lubomirski, sein Hauptquartier hatte. Im Juni 1703 erklärte sich in L. der Reichstag gegen die Entthronung Augusts II. Am 11. Nov. 1831 wurde die Stadt von den Russen unter Kreutz erobert.