FeedWindbüchse
TechnikBrockhaus 1882

Windbüchse, Luftgewehr (Luftpistole) heißt ein Gewehr, bei dem zusammengepreßte atmosphärische Luft als Treibkraft benutzt wird. Der Lauf ist entweder glatt oder gezogen, etwa Im lang und hat in der Regel ein kleines Kaliber. Zu dem Laufe gehört ein abzuschraubendes Mittelstück, an welchem sich das Schloß befindet. Dasselbe wird mit dem Kolben in Verbindung gesetzt, der die zusammengepreßte Luft enthält. Der Kolben, von starkem Schmiedeeisen, ist vorn mit einem kegelförmigen Ventil geschlossen, welches, beim Abdrücken des Hahns zurückgestoßen, ein momentanes Ausströmen der Luft gestattet, sodaß man beim gefüllten Kolben mehrere Schüsse thun kann, deren Kraft aber mit der Verminderung der eingepreßten Luft abnimmt. Zuweilen wird auch eine kupferne Kugel als Luftbehälter benutzt und unten an das Mittelstück geschraubt. Um den Kolben zu laden, wird er mit einer eisernen, mit einem Ventil versehenen Röhre verbunden, in der sich ein genau schließender Stempel befindet. Das untere Ende der Stempelstange hat zwei Querarme, die man auf die Erde setzt, mit den Füßen festhält und nun durch Auf⸗ und Abbewegen des Kolbens die durch eine Seitenöffnung in die Röhre tretende Luft in den Kolben einpumpt. Obgleich manche Vorrichtungen erfunden sind, um zu erkennen, ob die Verdichtung der Luft noch durch die Festigkeit des Kolbens gehalten werden kann, so zeigen die vielen vorgekommenen Unglücksfälle doch die stets vorhandene Gefahr beim Laden des Kolbens. Das.“ Springen desselben kommt selbst zuweilen beim Schießen vor. Ein Vorteil der W. liegt darin, daß sie weder Rauch noch Rückstand und einen nur geringen Knall ergibt. Die Verdichtung der Luft geht bis 200 Atmosphären, es ist möglich 20 bis 24 Kugeln nacheinander zu versenden. Sie vermag mit Feuergewehren weder in Kraft, noch in Gleichmäßigkeit der Wirkung zu konkurrieren. Im vorigen 2. Mixeurs war sie eine Zeit lang bei den österr. Mineurs, sowie bei einem österr. Jägerbataillon eingeführt. Die W. wurde angeblich 1430 von Guter in Nürnberg erfunden; doch wird auch Hans Lobsinger, der 1566 in Nürnberg lebte, als Erfinder genannt. Neuerdings sind noch Verbesserungen an W. angebracht worden, indem zwischen dem abklappbaren Lauf und dem Kolben eine Luftkammer eingelegt ist, in deren hinterm Teil ein beweglicher Stempel mit starker Spiralfeder sitzt, durch welche von Schuß zu Schuß die durch den Lauf eingeströmte Luft beim Abdrücken verdichtet wird, sodaß der Nachteil der Ungleichmäßigkeit, wie des zeitraubenden Einpumpens der Luft wegfällt und damit auch eine geringere Gefährlichkeit vorliegt. Für junge Schützen, welche das Schießen erst erlernen wollen, sind solche W. wegen der Billigkeit der Munition und der reinlichen Handhabung sehr praktisch.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 678Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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