FeedWindsor
ErdkundeBrockhaus 1882

Windsor, ein Marktflecken mit 12273 E. (1881) in der engl. Grafschaft Berks, 20 Km von London, am südl. Ufer der Themse, über welche eine eiserne Brücke zu dem am andern Ufer liegenden Dorfe Eton fuhrt, ist wegen seines, auf einer Anhöhe liegenden königl. Schlosses berühmt und hat auch ein schönes Rathaus. Wilhelm der Eroberer erbaute das Schloß kurze Zeit nachdem er sich zum Herrn von England emacht hatte. Später wählte es Heinrich I. zu einem Aufenthalte; Eduard III., der hier geboren wurde, baute es nach einem neuen Plane aus. Auch Karl II. that viel für die Verschönerung des Schlosses, sodaß es seitdem der Lieblingsaufenthalt der Könige von England und deren gewöhnliche demfiereinerol wurde, insbesondere Georgs III., dem hier eine kolossale Bildsäule errichtet ist. Große Summen verwendete auch Georg IV. auf die Restauration und prächtige innere Ausschmückung des Schlosses. Dasselbe hat ein imposantes, altertümliches Ansehen und enthält zwei Haupthöfe, welche durch den sog. runden Turm, die Wohnung des Kommandanten, voneinander getrennt sind. Im obern Hofe befindet sich die metallene Bildsäule Wilhelms des Eroberers. An der Nordseite des obern Hofs liegen die Staats- und Audienzzimmer, an der Ostseite die Zimmer der Königin und gegen Süden die der vornehmsten Kronbedienten. Der untere Hof ist wegen der St. Georgenkapelle merkwürdig, in der die Hosenbandritter aufgenommen und die Kapitel gehalten werden. Die Säle und Zimmer des Schlosses sind aufs prächtigste dekoriert, und meist mit wertvollen Gemälden geschmückt. Der merkwürdigste unter den Sälen ist der 60 m lange St. Georgssaal, der Bankettsaal bei feierlichen Gelegenheiten, verziert mit den Bildnissen der brit. Monarchen von Jakob I. bis Georg IV. Solange Mitglieder der königl. Familie im Schlosse anwesend sind, weht von dem Turme die große engl. Flagge. Das Ganze ist von einem schönen Park umgeben. Der schönste Punkt von W.⸗Castle ist die große, in ihrer Art einzige Terrasse, die sich längs der östl. und eines Teils der nördl. Seite des Schlosses erstreckt, 570 m lang und von verhältnismäßiger Breite. Die Aussicht auf die Themse, welche sich durch eine der reichsten Landschaften hinschlängelt, auf die mannigfaltigen Landhäuser, Dörfer und Flecken, die ihr Ufer beleben, auf den parkähnlichen Wald von W. und die in der Nähe liegenden Gärten ist reizend. Außerdem befindet sich in dem Park noch der königl. Landsitz Frogmore-Lodge, gegenwärtig die Wohnung der Prinzessin Helena und Wach Gemahls, Christian von Schleswig⸗-Holstein. Nach dem Tode des Prinzen Albert wurde bei Frogmore ein prächtiges Mausoleum errichtet, in welchem die vorher in einer Gruft der St. Georgenkapelle bestatteten überreste des Prinzen beigesetzt wurden, und das auch von der Königin Vietoria zu nn Ruhestätte auserwählt ist. Vgl. Menzies, (History of W.y (Lond. 1864).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 684Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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